Im Test: God of War Ragnarök – eine meisterhafte Fortsetzung

Eine Fortsetzung, die eines Gottes würdig ist

God of War Ragnarok
(Image: © Sony)

TechRadar Fazit

God of War Ragnarök liefert euch zu Beginn die gewohnte Qualität seines Vorgängers und punktuell sogar etwas mehr. Allerdings dreht das Spiel in der zweiten Hälfte noch einmal richtig auf und bietet euch ein episches Spektakel. Spaßbringendes Gameplay, fantastische Grafik und eine mitreisende Story nehmen euch mit auf ein grandioses Gamingabenteuer.

Pros

  • +

    Bewegende Story

  • +

    Stimmiges Gameplay

  • +

    Wuchtiges Kampfsystem

  • +

    Herausragende Grafik

  • +

    Besseres Worldbuilding als im Vorgänger

Cons

  • -

    Story wirkt stellenweise etwas langatmig

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Einige Informationen

God of War collector's edition, Kratos shouting

(Image credit: Sony)

Spielzeit: Etwa 33 Stunden

Plattform: PS5

Erscheinungsdatum: 09. November 2022

Neben Horizon Forbidden West und Gran Tursimo 7 war wohl God of War Ragnarök der Titel, den viele sehnlichst erwartet haben. Release ist am 9. November und dann könnt ihr euch endlich mit Kratos und Atreus gegen die Wesen und Götter der nordischen Mythologie messen.

In unserem Test zu God of War Ragnarök erfahrt ihr, warum dieses Spiel auf eurer Playstation landen sollte. Damit ihr die Story entsprechend einordnen könnt, wird in diesem Test auf die Ereignisse des ersten Teils eingegangen. Essenzielle Spoiler zur Story von Ragnarök wird es hier nicht geben, denn ihr sollt das Spiel möglichst in all seinen Facetten genießen können. Passagen die ein Spoilerpotential beinhalten, werden vorher mit einer Warnung versehen.

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Der Fimbulwinter hinterlässt seine Spuren

God of War Ragnarok Kratos sitzt in einer Höhle

(Image credit: Sony)

God of War Ragnarök ist die direkte Fortsetzung von God of War aus dem Jahr 2018 und spielt einige Jahre nach dem Ende des ersten Teils. Nach dem Tod von Baldur hat in den neun Welten der Fimbulwinter eingesetzt und diese gefährlicher gemacht. Kratos und Atreus sind in dieser Zeit in Midgard geblieben und haben in den Jahren hart trainiert. Schade, dass man zu Beginn von diesem Training recht wenig merkt, da sämtliche Rüstungen, Waffen und Fähigkeiten wieder auf Null gesetzt worden sind. Trotzdem gibt es recht zu Beginn der Story die Erklärung, dass der Fimbulwinter die Schuld daran trägt und den Verschleiß der Ausrüstung von Kratos und Atreus vorangetrieben hat. 

Von der Prophezeiung über seinen eigenen Tod in den Armen von Atreus getrieben, versucht Kratos sein Möglichstes zu tun, um Atreus auf die Zeit nach seinem Tod vorzubereiten. Genau dieser Gedanke spinnt sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte des Spiels. Er ist vielleicht nicht immer gleich klar zu erkennen, doch er ist immer vorhanden.

Die Beziehung zwischen Kratos und Atreus knüpft an viele Punkte des Vorgängers an und erzählt diese konsequent weiter. Doch auch die Erzählungen, welche neben Kratos und Atreus stattfinden, sind mit einer solchen Liebe zum Detail verfasst worden, dass man sich für die Nebencharaktere mindestens genauso sehr interessiert wie für das göttliche Vater-Sohn-Duo. Sindri und Brok möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben.

Hin und wieder kommt es vor, dass man sich fragt, warum gewisse Entscheidungen in der Story so getroffen worden sind. Was zunächst vielleicht wie ein leicht banaler Kniff wirkt, um Abwechslung in das Gameplay zu bringen, entpuppt sich im späteren Spielverlauf als Geniestreich in der Kombination von Gameplay und Story. Dieser Umstand wirkt hin und wieder leider etwas langatmig, was aber durch eine phänomenale zweite Hälfte wieder in den Hintergrund rückt. Es gibt wohl kaum ein Spiel neben God of War Ragnarök, in dem Story und Gameplay so wunderbar miteinander verbunden werden. 

Betrachtet man die Entwicklung von God of War, hat es die Reihe geschafft, seine eher eindimensionalen Charaktere hin zu einer vielschichtigen Palette von Grautönen zu etablieren. Die Kategorien "Gut und Böse" sollten hier garnicht erst angewendet werden, denn in Ragnarök bekommt ihr Figuren, die die Summe ihrer Entscheidungen und den damit verbundenen Fehler sind. 

Mit Feuer und Eis gegen Ragnarök

Kratos hält eine Bestie an der Kehle, während Atreus angreift

(Image credit: Sony)

Kratos ist dafür bekannt seine Waffen ziemlich brutal einzusetzen und das könnt ihr auch im neusten Teil der God of War Serie wieder tun. Wie schon im Vorgänger könnt ihr eure Gegner mit der Leviathan Axt und den Chaosklingen (Love!) aus dem Weg räumen. Wie eingangs schon erwähnt, müsst ihr diese Waffen jedoch komplett neu leveln und die dazugehörigen Fähigkeiten wieder erlernen. Der Fimbulwinter lässt grüßen.

Insbesondere zu Beginn wird man sich sehr an den Vorgänger erinnert fühlen und mit überschaubaren Neuerungen konfrontiert. Die erwähnenswerteste wäre die Verwendung der unterschiedlichen Schilde. Mein Favorit war hier das große Steinmauerschild, welches sich wie ein Wall zwischen Kratos und seinen Feinden aufbäumt und die abgewehrten Treffer in kinetische Energie umwandelt. Wer es etwas risikoreicher haben möchte und eher auf abgepasste Blocks setzen möchte, kann hier noch zwischen dem Wächterschild und dem Furchtlosenschild wählen. 

Der nächste Absatz behandelt eine Waffe, die im Laufe der Handlung freigeschaltet wird. Wenn du dich nicht spoilern lassen möchtest, dann überspringe diesen Abschnitt.

Im späteren Spielverlauf wird das Kampfsystem durch eine weitere Waffe – den Draupnir-Speer – ergänzt und durch die Fähigkeiten des Begleiters sinnvoll ergänzt. Die Waffe setzt auf hohe Geschwindigkeit und bringt nochmal eine neue Dynamik in das Kampfgeschehen. Tatsächlich habe ich die Waffe fast lieber als die Leviathanaxt eingesetzt.

God of War collector's edition, Kratos shouting

(Image credit: Sony)

In God of War Ragnarök kann und sollte man wieder die unterschiedlichsten Kampfkombos ausführen und die Synergieeffekte der verschiedenen Elemente seiner Waffen nutzen. Mehr noch als im Vorgänger muss man darauf achten, mit welcher Waffe man welchen Feind bekämpft. Viel wichtiger ist diesmal jedoch die Reihenfolge, in der man sich die Gegnergruppen vornimmt. Santa Monica Studios hat hier sinnvolle Ergänzungen gewählt, die auch eingefleischte God of War Spieler vor die ein oder andere Herausforderung stellen dürfte.

Apropos Herausforderung: Die Bosskämpfe haben es teilweise in sich und sollten nicht auf die Leichte Schulter genommen werden. Die Mechaniken der Bosse hat man zwar relativ schnell verstanden, aber die Reaktionszeit und Geschicklichkeit nimmt einen die Analyse der Gegner auch nicht ab. Es war nicht selten von Bedeutung, mit welcher Waffe, welchem Schild und welchen Fähigkeiten man einen Boss angeht. Hier war es einfach sehr erfrischend, dass die gesammelten Booster für die Ausrüstungen auch mal zum Einsatz kommen und nicht einfach nur im Inventar vor sich hingammeln.

Selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad steckt Kratos ordentlich Schaden bei einem Treffer ein und muss nach einem kurzen Aufenthalt in Valhalla erneut in die Schlacht ziehen.

Da es gerade um die Fähigkeiten ging: Wie schon im Vorgänger, müsst ihr durch gefundene Ressourcen und gesammelte Erfahrungspunkte das Arsenal von Kratos aufmotzen. Insgesamt hat die Ausrüstung in Form von Rüstung, Waffen, Schilden und Amulett neun Stufen. Möchtet ihr beispielsweise euren Brustpanzer um ein Level erhöhen, dann benötigt ihr dafür die angesprochenen Ressourcen, die mit ansteigender Stufe auch immer seltener werden.

Ein netter Nebeneffekt von der Aufwertung der Rüstung, ist die optische Veränderung dieser. Während die anfänglichen Stufen noch etwas beholfen aussehen, wird die Rüstung auf den höheren Stufen schon eher eines Kriegsgottes würdig.

Eure Waffenverbesserungen stellen gleichzeitig eure verfügbaren Fähigkeiten im Kampf dar und äußern sich durch neue Kombos oder Spezialangriffe. Zusätzlich könnt ihr aber auch eure freigeschalteten Fähigkeiten noch upgraden, in dem ihr die Fähigkeit im Kampf schlicht einsetzt. Einerseits spornt das an, die erworbenen Fähigkeiten auch einzusetzen und andererseits werden sie mit der Übung auch besser.

Ressourcen findet ihr hauptsächlich in Truhen oder bei besonderen Gegnern. Die Truhen stecken in der Regel hinter kleineren Rätseln und variieren von leicht lösbar bis hin zu ganz schön knackig. Insgesamt sind die Rätsel wirklich schön balanciert und man hat nie ein frustriertes Gefühl beim knobeln.

God of War Ragnarok

(Image credit: Sony)

Ein technisches Meisterwerk

Grafik & Animation

Es ist einfach erstaunlich, was handelsübliche Hardware mittlerweile für grafische Leckerbissen auf euren Bildschirm zaubern kann. Grafisch zeigt God of War Ragnarök all das, was man sich von einem AAA-Titel aus dem Jahr 2022 wünscht.

Die Umgebungsdetails sehen in ihrem Fotorealismus einfach nur unfassbar gut aus und ziehen euch in der Kombination mit anderen technischen Details (bspw. die Schneeengine) in einen Bann, aus dem ihr nicht wieder herauswollt. 

Im grafischen Bereich war letztendlich die Gesichtsanimation technisch am beeindruckendsten. Emotionen nur über Mimik glaubhaft zu vermitteln ist in einem intensiven Storyspiel die Königsdisziplin. Der fließende Übergang von Gameplay zu Cutscene – und umgekehrt – ist nicht einmal negativ aufgefallen. Es gab bisher nur ein Entwicklerstudio, welches Animationen auf einem so hohen Niveau abliefert. Naughty Dog mit Spielen wie The Last of Us oder Uncharted 4. Santa Monica Studios kann sich mit dem neusten Teil der God of War Reihe nun auf eine Ebene mit diesen Titeln sehen.

Sound

Der Soundtrack, sowie auch die deutsche Vertonung bewegt sich ebenfalls auf einem äußerst hohem Standard. Auch wenn es vereinzelt Tonspuren gab, die nicht richtig abgemischt wirkten, ist das Kritik im kleinen Detail und nicht am hohen Gesamtniveau.

Wer nach einem wuchtigen Soundfeedback sucht, wenn er eine Axt auf einen Gegner schleudert oder einen heftigen Angriff mit einem Schild abwehrt, der wird bei God of War Ragnarök sein Glück finden. Dreht also eure Soundanlage oder eure Kopfhörer ordentlich auf.

Steuerung

Wer bereits einen Teil der God of War Serie gespielt hat, wird sich hier schnell zurechtfinden. Das Spiel gibt aber auch Neueinsteigern entsprechend Raum, sich mit der Steuerung vertraut zu machen und das Kampfsystem in einer dafür vorgesehenen Übungsarena zu verinnerlichen. 

Vielleicht taucht im Zusammenhang mit der Steuerung auch die Frage auf, ob es einen gravierenden Unterschied gibt, wenn man das Spiel mit dem DualSense Controller spielt. Die kurze Antwort darauf lautet: Nein! Ähnlich wie bei Horizon Forbidden West haben wir keine großen Erwartungen gehabt, denn schließlich wird God of War Ragnarök auch auf der PS4 erscheinen. In Nuancen werden die Funktionen des Controllers zwar genutzt, aber so immersiv wie bei einem Returnal wird es leider nicht.

God of War Ragnarok Kratos fighting monster

(Image credit: Sony)

Fazit

Sony Interactive und Santa Monica Studio haben mit God of War Ragnarök ein absoluten Kracher herausgebracht. In sämtlichen Bereichen wirkt dieses Spiel zu 100% durchdacht und fertig entwickelt. Ein Entwicklerstudio für ein AAA-Spiel sollte den Anspruch haben, dass Kampfsystem, Story, Worldbuilding und Sound ineinandergreifen und damit ein möglichst hohes Maß an Immersion bieten. God of War Ragnarök erfüllt diesen Anspruch beinnahe vollständig und es fällt schwer an diesem Spiel etwas Negatives zu nennen. 

Diejenigen, die bereits den Vorgänger genossen haben, können hier bedenkenlos zugreifen. Wer mit mit God of War Ragnarök einsteigen möchte, sollte sich mindestens eine ausführliche Zusammenfassung des Vorgängers ansehen oder es sogar vorher spielen. Für mich war und ist God of War Ragnarök ein absolutes Meisterwerk.

William Schubert
Freelancer - Content Creator

William Schubert ist Freier Content Creator bei TechRadar Deutschland und für die Bereiche YouTube, Gaming, Filme und Serien und VR zuständig.


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