The Quarry-Interview: Horror-Talk mit Spieleregisseur Will Byles

Grace Zabriskie schlüpft in die Rolle von Eliza im neuesten Horror-Ableger von Supermassive Games, der sich auf die beliebte und bewährte Formel von Titeln wie Until Dawn beruft.
(Bildnachweis: 2K)

"Ich habe eine Menge Horror gesehen. Ich meine, sehr viel Horror", sagt der Creativ-Director des neuen Grusel-Hits The Quarry (Öffnet sich in einem neuen Tab). Weiter äußert Will Byles: "Wahrscheinlich viel zu viel, und das schon seit meiner Kindheit. Meine Schwester hat mich immer gezwungen mit ihr Horrorfilme anzuschauen [lacht]." 

Am neuesten Projekt arbeitete Byles zusammen mit dem Team von Supermassive Games in Form eines neuen Big-Budget-Horrorspiel. Dieses bedient sich an der gleichen Formel wie schon die Vorgänger-Titel Until Dawn oder die The Dark Pictures Anthology.

Entlang von The Quarry scheint der Entwickler die Erfolgsformel nun jedoch perfektioniert zu haben. Nicht nur überzeugt das Spiel mit tollen Bildern und hollywoodreifen Darbietungen, sondern vermittelt zeitgleich das Gefühl, dass die Entscheidungen des Spielers echte Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte haben. 

Aus dem Gespräch mit Byles ging dabei hervor, dass der Titel das Produkt der tiefen Liebe zum Horror-Genre sei. Es mag zwar nicht das gruseligste Videospiel aller Zeiten sein, ist jedoch derart kreativ und engagiert, dass es zu den vielversprechendsten Genre-Vertretern seit Jahren zählen dürfte.

Die Leidenschaft für Horror

The Quarry wurde kurz entlang des Summer Game Fest 2022 gezeigt und bereits dort stach insbesondere die Performance der Darsteller und die tolle Atmosphäre hervor

(Image credit: Supermassive Games)

"Im Grund genommen ist es also ein spielbarer Teenager-Horror", sagt Byles über die Grundidee seines aktuellsten Streichs. "Es ist ein traditioneller Teenie-Horror. Jeder kann leben, jeder sterben, wenn man ihn durch das Spiel spielt. Wenn du stirbst, bleibst du tut. Man wird nicht wieder gesund."

Bereits die Doppeldeutigkeit des Titels deutet an, worauf man sich einlässt.
"Der Steinbruch selbst ist ein Ort namens Hackett's Quarry", so Byles, "Und es ist ein eindrucksvoller Ort für Horror. Quarry bedeutet aber darüber hinaus "der Gejagte" oder das, was gejagt wird, ist die Beute und sobald das Spiel in Gang kommt, wird einem selbst klar, dass man auch die Beute ist."

Ein düstererer Ton

The Quarry beinhaltet eine Reihe von Hollywood Darstellern wie David Arquette als Chris Hackett

(Image credit: 2K)

Supermassive Games dürfte in der jüngsten Vergangenheit noch am ehesten für Until Dawn, den ersten Horror-Geniestreich auf der PlayStation 4 bekannt sein. Ebenso sitzt das Team jedoch hinter der The Dark Pictures Anthology-Reihe, welche sich in mehrere, episodenartige Titel aufteilt, die jeweils ein anderes Setting und eine neue Protagonistengruppe umfassen. 

Diese Ausflüge in die Subgenre des Horrors beeinflussten The Quarry insbesondere auf einer technischen Ebene. "Wir haben im Anschluss an Until Dawn einige Jahre an The Dark Pictures gearbeitet", erklärt Will Byles, "und bei Until Dawn haben wir noch Excel-Tabellen geschrieben, weil es keine entsprechende Software gab."

"Im Laufe von The Dark Pictures haben wir schließlich ein gutes System für Storytelling entwickelt. Wir schreiben ein Drehbuch immer noch zuerst in Final Draft, brechen es jedoch im Anschluss mit einer eigens entwickelten Software in spielbare Storyboard-Modi herunter. Wir haben also viel von [The Dark Pictures] gelernt."

Die Macht der Freundschaft

In The Quarry beginnt die Story in typischer Teenie-Horror-Marnier mit einer Gruppe junger Erwachsener, die sich schnell mit unheimlichen Dingen und etwaigen Problemen konfrontiert sehen

(Image credit: 2K)

Bereits in den ersten Slasher-Filmen wurden Jugendliche als Gejagte inszeniert. Klassiker wie "Texas Chainsaw Massacre" oder "Halloween" funktionieren so, dass junge Menschen von einer eiskalten, erwachsenen Figur gejagt und schließlich ermordet werden. Die Lebensphase - zwischen Kindheit und Erwachsensein - macht Teenager weiterhin zu einer hervorragenden Wahl, um größere Themen zu behandeln. Im Fall von The Quarry wollten wir uns entlang der Geschichte mit der Freundschafts-Thematik befassen.

Zwar ist der Titel "wirklich gruselig", zeitgleich bringt er jedoch "auch eine gewisse Leichtigkeit mit sich. Mehr als alles andere geht es um Beziehungen. Es geht darum, wie Dinge unter Druck funktionieren."

Byles ist voller Vorfreude in Voraussicht darauf, wie wir allein oder mit Freunden die verschiedenen Rollen spielen und erkennen, was sich dahinter verbirgt. "Es gibt eine Sache, bei der die Figuren mit einer Art Fassade beginnen, die sie aufrechthalten und sich daraufhin nach innen zurückziehen."

"Aber wenn man anfängt an diese Schauspiel zu rütteln, mit Angst, Gefahr, Verletzung oder möglicherweise dem Tod, dann fällt al dies weg und die wahre Person kommt zum Vorschein. Ich wollte also weitestgehend herausfinden, was das Wahre der Menschen ist."

Dieses Abstreifen der Persönlichkeit ist in Geschichten schon häufiger vorgekommen, aber in Spielen stellt es noch einmal eine ganz eigene Herausforderung bezüglich der Umsetzung dar. "Wenn es sich um eine interaktive Geschichte handelt, müssen wir dem Spieler die Wahl lassen, wie er sich in Situationen verhält und was seine Reaktion auf Gesagtes ist", so Byles. Folglich dürfen wir in einem gewissen Ausmaß selbst bestimmen was sich hinter den Fassaden der Figuren verbergen mag. "Darauf kommt es wirklich an. Es geht um die Ehrlichkeit der Beziehungen."

Slasher mit Starbesetzung

Hier sehen wir einen der spielbaren Protagonisten von The Quarry - Ryan

(Image credit: 2K)

Die Darsteller in The Quarry unterstützen diese Bildung und das Bröckeln der Fassade. Bereits entlang der ersten Vorstellung lässt sich laut Byles erkennen, dass die Figuren jeweils ihre ganz eigene Fassade aufsetzen. 

Jacob beispielsweise mag zu Beginn der typische Sportler sein: Selbstbewusst, stur und ein bisschen plump. Als die Bedrohung jedoch zunimmt, zeigt sich zunehmend die emotionale Intelligenz und der Beschützerinstinkt des Charakters. 

Positiv äußert sich der Creative-Director weiterhin über die zusammenarbeit. "Ich bin immer wieder erstaunt wie nett sie sind" sagt er über die Arbeit mit David Arquette, Brenda Song, Lance Henriksen oder Justice Smith. "Man hört wiederholt, dass Schauspieler Primadonnen sind, aber sie waren einfach super nett."

Ein Zeichen für den Erfolg der Horror-Ableger ist, dass einige Darsteller zu Supermassive kamen und sich direkt für Rollen bewarben. "Ein paar von ihnen haben darum gebeten, in den Spielen mitzuspielen und sind davon besessen."

Byles ergänzt: "Miles Robbins, der Dylan spielt, ist absolut besessen von Until Dawn. Siobhan Williams, die Laura verkörpert, sagt, dass alle in dieser Altersgruppe es wirklich verstehen, weil sie so etwas gesehen haben, so etwas spielen und Teil davon sind."

"Zack Tinker spielt Jacob. Er spielt eine Art 'Dummkopf'. Eine Sportskanone. Er war so energiegeladen, super energiegeladen und wollte alle seine Stunts selbst machen. Und das haben wir ihm auch erlaubt!"

"Es gibt eine Stelle, an welcher er von einem Monster gejagt wird und herumrennt, herumrutscht und auf den Boden fällt. Jedenfalls ist er ein bisschen leise weggelaufen und es stellte sich heraus, dass er sich buchstäblich den Daumen gebrochen hat. Aber Gott sei Dank hat er einfach weitergemacht."

Jedoch umfasst die Charaktervielfalt nicht nur Jugendliche, sondern auch deren Betreuer. Eine Reihe älterer SchauspielerInnen haben dem Spiel folglich ebenfalls Aussehen und Stimme geliehen. "Lance Henriksen, Lin Shaye, Ted Raimi... David Arquette. Es gab eine gewisse Verwirrung, als sie am Set ankamen und nach dem Standort der Kamera suchten. Sie fragten: 'Was sind das für kleine Punkte?' Sie mussten Helme aufsetzen und die 3D-Kamera musste ihre Gesichter einfangen. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, glaube ich. Aber letztendlich haben sie es alle geschafft."

Ein steiniger Weg

Der Prologue beginnt unter anderem mit Szenen zu Laura und Max

(Image credit: 2K)

Wie bei diversen AAA-Spielen der vergangenen Jahre, war auch die Entwicklung von The Quarry eine ganz besondere Herausforderung. "Das Schwierigste war, glaube ich, wirklich Covid. Es war wirklich schwer nach Amerika zu kommen", sagte Byles. "Wir mussten sehr viel mit der amerikanischen Botschaft arbeiten, um dorthin zu gelangen, da niemand aus Europa nach Amerika einreisen durfte."

"Die Screen Actors Guild of America ist da sehr streng und das war alles zudem vor der Impfung. Also wurde jeder jeden Tag getestet. Ich musste am Set drei Masken tragen. Eine Stoffmaske, eine N95-Maske und einen Schutzschild musst ich tragen, wenn ich mich einem Schauspieler näherte. Ich konnte also nicht atmen [lacht]."

Trotz aller Widrigkeiten mit denen das Team konfrontiert wurde, scheint sich The Quarry insbesondere für Horror-Fans als mehr als lohnende Erfahrung zu erweisen. Die Truppe von Supermassive Games hat damit einen spirituellen Nachfolger zu Until Dawn geschaffen, der sogar das vorherige Werk überflügelt und ein wirklich ambitioniertes und immersives Horror-Erlebnis abliefert, dass du dir als Fan des Genre keinesfalls entgehen lassen solltest. 

The Quarry ist im Übrigen bereits seit dem vergangenen Freitag, dem 10. Juni, für PC, PlayStation 4 (Öffnet sich in einem neuen Tab), PlayStation 5 (Öffnet sich in einem neuen Tab) sowie Xbox One (Öffnet sich in einem neuen Tab) und Series X (Öffnet sich in einem neuen Tab)|S (Öffnet sich in einem neuen Tab)erhältlich.

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.

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