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Microsoft stellt sich im Streit mit Apple hinter Epic Games

Epic vs. Apple
(Image credit: Epic Games)

Die wohl interessanteste Auseinandersetzung des Jahres in der Technik-Branche geht in die nächste Runde. Am Sonntag erklärte Phil Spencer, Chef von Xbox, dass Microsoft eine Stellungnahme zur Auseinandersetzung zwischen Epic Games und Apple zugunsten von Epic gemacht hätte.

In der Unterstützungsschrift erklärt Kevin Gammill, General Manager der Gaming Developer Experiences bei Microsoft, dass Epics Unreal Engine eine wichtige Plattform für viele Spieleentwickler ist, weil viele Firmen nicht die Ressourcen haben, um eigene plattformübergreifende Engines zu schreiben.

Der Ausschluss von Epic Games von der Apple SDK sei daher problematisch, da die Unreal Engine für iOS und macOS nicht weiterentwickelt kann und im Umkehrschluss unzählige Entwickler Apples Plattformen nicht mehr bedienen können. Natürlich ist der Aufruf nicht uneigennützig, denn auch Microsoft selbst setzt auf die Unreal Engine. So erklärt Gammill, dass Microsoft eine unternehmensweite Lizenz über mehrere Jahre für die Unreal Engine besitzt und sehr viel Zeit und Geld investiert hat, um die Engine bestmöglich kompatibel mit PC, Xbox und mobilen Plattformen, einschließlich iOS, zu machen.

Die komplette Stellungnahme könnt ihr hier auf Englisch nachlesen.

Nicht Microsofts einziger Beef mit Apple

Wer den Streit zwischen Epic und Apple verfolgt, wird merken, dass es in Microsofts Unterstützungsschrift nur um Symptome geht – der Ausschluss von Epics Entwicklern aus der Apple SDK – und nicht die Ursache: dass Apple, laut Epic, durch sein völlig geschlossenes System mit 30 % Gewinnbeteiligung an App-Verkäufen dem Wettbewerb schadet.

Im Gegensatz zu Epic Games geht Microsoft mit seiner Stellungnahme nicht all in. Jedoch ist die Unterstützungsschrift kein Tweet oder Blog-Eintrag, sondern an das Gericht gerichtet, das sich mit dem Fall Epic vs. Apple beschäftigt – und damit eine durchaus nennenswerte Geste.

Für Microsoft ist es nicht das erste Problem mit Apple – nicht einmal im letzten Monat. Erst vor wenigen Wochen äußerte das Unternehmen seine Frustration über Apples App-Store-Richtlinien, die Microsoft davon abhielten, Project xCloud auf iOS zu bringen. Den Richtlinien zufolge muss nämlich jede Software einzeln von Apple überprüft werden. Für Project xCloud würde das bedeuten, dass jedes enthaltene Spiel separat zur Bewertung eingereicht werden müsste, auch wenn streng genommen nur Video gestreamt und kein Spiel auf dem iOS-Gerät ausgeführt wird. Dass sämtliche Spiele erfolgreich staatliche Kontrollen durchlaufen haben – in Deutschland z.B. die USK – interessiert Apple auch reichlich wenig.

Was bisher geschah

Epic Games hatte vor knapp 2 Wochen ein Update für die iOS- und Android-Version seines Battle-Royale-Hits Fortnite veröffentlicht, mit dem es eine alternative Bezahlmethode für die In-Game-Währung V-Bucks einführte. Diese wiederum war im Vergleich zur Bezahlung mit Apples oder Googles eigenen Systemen wesentlich günstiger und damit auch direkte Kritik an der Preisgestaltung der beiden Plattformen, allen voran aber Apple.

Denn sowohl Google als auch Apple behalten 30 % der Einnahmen aus App-Verkäufen. Zwar bedient Epics eigener Epic Games Store eine andere Nische, hier behält das Unternehmen nur 12 % der Einnahmen ein, im Gegensatz zum direkten Konkurrenten Steam, wo Valve auch bis zu 30 % verlangt, abhängig vom Umsatz eines Spiels.

Folglich wurde Fortnite sowohl aus Apples App Store als auch aus Googles Play Store geschmissen. Epic reichte Klage ein, veröffentlichte eine Hommage an Apples 1984-Werbespot, Apple feuerte zurück und machte Epics Entwickler-Lizenzen für seine Plattformen ungültig.

Ein koordinierter Angriff?

Die Geschwindigkeit, mit der die Dinge ihren Lauf gingen, machen stutzig: Innerhalb weniger Stunden nach dem verheerenden Fortnite-Update stand ein akkurat nachgemachtes Promo-Video, ein passender Hashtag (#freefortnite), eine Anklageschrift. All das klingt verdächtig danach, dass die ganze Aktion von langer Hand geplant war. Epic hat Apple geködert und Apple hat zugebissen.

Tim Sweeney, CEO von Epic, erklärt auf Twitter, dass es dem Unternehmen „um die Freiheit der Menschen, die Smartphones gekauft haben[, geht], Apps aus Quellen ihrer Wahl zu installieren, und die Freiheit von App-Entwicklern, ihre Apps anzubieten, wie sie wollen, und die Freiheit beider Parteien, Geschäfte direkt zu machen.“

Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass Geld auch eine Rolle spielt. Denn selbst für ein Milliarden-schweres Unternehmen wie Epic sind 30 % keine Peanuts. Aber zumindest nach außen hin kämpft Epic den Kampf der Gerechten, laut eigener Aussage in erster Linie zum Vorteil von Spielern. Über verdeckte Motive kann man lediglich spekulieren, auch wenn Tim Sweeney selbst schon erwähnt hat, dass es nicht verwerflich sei, um Geld zu streiten.

Google hingegen dürfte wohl nicht ganz so sehr im Visier des Unternehmens stehen, da es auf Android immerhin möglich ist, Apps aus externen Quellen zu installieren, darunter auch aus alternativen Stores wie f-droid – Google ist in dem Punkt also deutlich weniger restriktiv als Apple. So war auch lange Zeit Fortnite für Android nur über externe Quellen zu beziehen, bis es erst Anfang des Jahres endlich auch dort bereitgestellt wurde.

Apples Provisionsmodell im Kreuzfeuer

Besonders Apples 30 % Provision sind Entwicklern schon lange ein Dorn im Auge. So hatte z.B. der Music-Streaming-Riese Spotify erst März 2019 eine Beschwerde bei der EU-Kommission wegen Wettbewerbsverzerrung eingereicht. Die Kommission hat der Beschwerde stattgegeben und am 16. Juni 2020 in einer Pressemitteilung erklärt, dass sie „förmliche kartellrechtliche Untersuchungen eingeleitet [habe], um zu prüfen, ob Apples Regeln für App-Entwickler zum Vertrieb von Apps über den App-Store gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstoßen.“

Mit Epic nimmt jetzt ein weiteres Branchen-Schwergewicht Apples Geschäftsmodell unter Beschuss, das immer stärker in Kritik und ins Wanken gerät. Und wir beobachten die Situation mit großem Interesse. Im Bestfall fällt Apples hermetisch abgeschlossenes Bollwerk. Im schlimmsten Fall bleibt alles wie es ist und wir haben eine interessante Story, die uns vom Corona-Alltag ablenkt.