Im Test: Crisis Core - Final Fantasy VII - REUNION

In der Welt von Final Fantasy VII will sich ein junger Spross vor größeren beweisen

Mit REUNION bekommt nun auch das Prequel zu Final Fantasy VII eine Neuauflage, diesmal als Remaster
(Image: © Square Enix Holdings Co., Ltd.)

TechRadar Fazit

In dem Remaster dürfte technisch - vor allem was die roboterhaften Animationen angeht - deutlich mehr drin gewesen sein. Nichtsdestotrotz erweitert Crisis Core - Final Fantasy VII - REUNION die Welt der 2020 gestarteten Neuauflage mit seiner spannenden und wendungsreichen Geschichte nach wie vor auf sinnvolle Weise. Vor allem das Kampfsystem bietet dabei genug Tiefe und Optimierungen, um über die Altersschwäche des im Kern 15 Jahre alten Spiels hinwegzutrösten.

Pros

  • +

    Erzählt noch immer eine tolle Geschichte

  • +

    Zahllose "Quality-of-life"-Verbesserungen

  • +

    Generell spaßiges Kampfsystem

  • +

    Zu großen Teilen erstklassige neue Vertonung

Cons

  • -

    In Sachen Grafik und Animationen wäre deutlich mehr drin gewesen

  • -

    Random-Encounter und Texttutorials wirken altmodisch

  • -

    Nebenmissionen sind sehr repetitiv

  • -

    DBW-System ist eine nette Idee, rückt aber schnell in den Hintergrund

Warum können Sie TechRadar vertrauen? Unsere Experten verbringen Stunden damit, Produkte und Dienstleistungen zu testen und zu vergleichen, damit Sie das Beste für sich auswählen können. Erfahren Sie mehr darüber, wie wir testen.

Informationen zum Test

Zack Fair

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Spielzeit: 15 -20 Stunden
Release: 13. Dezember 2022
Plattform: PlayStation5 (Öffnet sich in einem neuen Tab) / PlayStation4 (Öffnet sich in einem neuen Tab) / Xbox Series X (Öffnet sich in einem neuen Tab)|S (Öffnet sich in einem neuen Tab)/ Xbox One (Öffnet sich in einem neuen Tab) / Nintendo Switch (Öffnet sich in einem neuen Tab) / Steam
Preis: 59,99€

Ich selbst bin erst sehr spät in die Final Fantasy-Reihe eingestiegen und kann daher verstehen, falls jemand von dem wirklich langen Namen Crisis Core – Final Fantasy VII – REUNION ein wenig verwirrt ist. Immerhin umfasst die Hauptreihe mittlerweile 15 Spiele mit diversen Spin-Offs, Prequels und Fortsetzungen innerhalb einzelner Titel, wie z.B. Final Fantasy X und X-2. Wer jetzt komplett überfordert ist, kann allerdings kurz aufatmen. Auch wenn die Zahlenfolge fortgesetzt wird, erzählen die Hauptspiele immer wieder eine neue Geschichte, weswegen man nicht alle vorherigen Teile kennen muss, um zu wissen was abgeht.

So war Final Fantasy VII REMAKE einer der wenigen Teile, die ich gespielt, aber auch von Anfang bis Ende geliebt habe. Dementsprechend freute ich mich wahnsinnig, als ich mit Crisis Core – Final Fantasy VII – REUNION die Chance bekam, erneut in diese Welt einzutauchen. Denn wie die Verwandtschaft im Namen schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein Prequel. Genauer gesagt, um das Remaster eines Prequels, das 2007 für die PSP erschien und die Vorgeschichte zu Teil VII erzählte. Mit dem Untertitel REUNION setzt es aber nicht nur die Reihe an Neuauflagen fort, sondern gesellt sich auch namentlich zu seinen Cousins REMAKE und dessen für Ende 2023 angekündigten Fortsetzung REBIRTH. In meiner Preview (Öffnet sich in einem neuen Tab)habe ich bereits angemerkt, dass Entwickler Square Enix uns damit zweifellos die Wartezeit bis zum Release ein wenig versüßen möchte.

Hier findest du unsere Review auf YouTube

Gut bleibt gut, auch nach 15 Jahren

Bevor wir zur Handlung kommen, noch eine kurze Info: Bereits im Voraus war klar, dass Spieler des Originals keine neuen Story-Elemente (Öffnet sich in einem neuen Tab) erwarten dürfen. Wer die Geschichte also kennt oder gar nichts über sie wissen möchte, kann diesen Teil auch überspringen.

In REUNION schlüpfen wir in die Rolle von Zack Fair, der, wie im Hauptspiel angedeutet wurde, irgendeine Verbindung zu Figuren wie Cloud und Aerith aus Teil VII zu haben scheint. Im Laufe des Spiels zeigt sich jedoch, dass Zacks Geschichte einige Jahre zuvor beginnt. Wie auch Cloud später, ist Zack Mitglied der genetisch verbesserten Spezialeinheit SOLDAT und arbeitet als eine Art Söldner für den kontroversen Energiekonzern Shinra. Sein größter Traum ist es, ein Held und SOLDAT erster Klasse zu werden – ich weiß, klingt irgendwie abgedroschen.

Seine hehren Ideale geraten jedoch ins Wanken, als sein Mentor Angeal bei der Suche nach einem desertieren 1. Klasse SOLDAT namens Genesis ebenfalls verschwindet. Es scheint, als sei nun auch er übergelaufen. Zack ist jedoch nicht der Einzige, der das nicht wahrhaben möchte. Der berühmte SOLDAT und gefeierte Held Sephiroth – ja, ihr habt richtig gehört, DER große Antagonist aus Final Fantasy VII – will genauso wenig glauben, dass seine beiden besten Freunde die Seite gewechselt haben.

Zack und sein Gegenspieler

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Hier zeigt sich, dass auf dem Papier zwar Zack der Protagonist der Geschichte sein mag, sich die Handlung aber zu großen Teilen um die Freundschaft der drei SOLDATEN 1. Klasse dreht. Es geht um Themen wie Heldentum und Ideale, auf der anderen Seite aber auch um Zweiklassengesellschaft und Umweltverschmutzung, da dem Shinra-Konzern vorgeworfen wird, den Planeten auszubeuten.

Dabei wird die Geschichte Final-Fantasy-üblich in teils sehr cineastischen Cutscenes erzählt. Manch einer könnte die vielleicht als übertrieben bezeichnen, ich fand sie aber zum Großteil einfach nur episch. Die Wendungen waren zwar zumeist sehr vorhersehbar – auch wenn ich das Original nicht gespielt habe –, unterhalten hat sie mich trotzdem die ganze Zeit über. Wenn man dann noch der Serientypischen Weirdness etwas abgewinnen kann, sollte man mit REUNION definitiv seinen Spaß haben können.

Was die Figuren angeht, so erscheint Zacks „I wanna be a hero“-Motiv gegenüber der zerbrechenden Freundschaft der Drei anfangs etwas blass. Doch auch er macht im Laufe der Zeit eine Entwicklung durch. Der viel zu sehr von sich überzeugte Draufgänger wird mit der Zeit erwachsener und ich hatte eine Menge Spaß dabei, ihn auf diesem Weg zu begleiten.

Die drei Freunde beim Kampf

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Das Gameplay wirkt dennoch etwas angestaubt

Dabei kommt es natürlich auf den zweiten großen Punkt an: das Gameplay. Hier ist im Grunde vieles beim Alten geblieben. Wenn ihr nicht gerade der Geschichte folgt, könnt ihr hin und wieder kleinere Gebiete nach Loot erkunden, Fanclubs beitreten, um euer Mailpostfach mit Newslettern vollzumüllen, oder mit den immergleichen Passanten sprechen und damit manchmal sogar neue Nebenmissionen freischalten. Euer Mailpostfach dient dabei nicht nur als Sammelbecken für Spam-Mails, sondern auch als eine Art Archiv für Infos über die Spielwelt oder die vielen – wirklich UNENDLICH vielen – Texttutorials. Hier wird mir etwa erklärt, dass ich X zu drücken habe, wenn das Spiel mir anzeigt X zu drücken, oder aber, wie ich besagte Nebenmissionen starte.

Die sind nämlich ausschließlich über die in der Welt verteilten Speicherstationen anwählbar. Für deren Abschluss erhaltet ihr dann Belohnungen, auf die ich aber später noch genauer eingehen werde. Leider laufen die Nebenmissionen dabei in der Regel immer nach demselben Schema ab: Man durchstreift schlauchartige Level, sammelt Loot aus Truhen und haut durch Random-Encounter erscheinende Gegnergruppen kaputt. Das wirkt etwas aus der Zeit gefallen – immerhin hat sich selbst Pokémon (Öffnet sich in einem neuen Tab)mittlerweile davon gelöst – und fügt sich nicht gerade organisch in Welt ein, man gewöhnt sich aber daran.

In REUNION durchstreift man verschiedene Gebiete

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Taktische Tiefe mit einem Hauch Casino-Flair

Im Laufe des Spiels tauchen noch die einen oder anderen Minispiele auf, die das Gameplay etwas auflockern und an einigen Stellen ließ mich REUNION sogar kleinere Entscheidungen über mein Vorgehen treffen. Was mich aber trotz des sonst recht repetitiven Missionsablaufs über die Zeit hinweg bei der Stange gehalten hat, war das Kampfsystem.

Das lief bereits damals in Echtzeit ab und erinnert an das rasante Kampfsystem, das ich an Final Fantasy VII REMAKE so geliebt habe. Auch hier dürften Crisis Core-Veteranen sich sofort wieder wie zu Hause fühlen. Allerdings kommt das Remaster zudem mit einigen „Quality-of-life“-Verbesserungen gegenüber dem Original daher, was das Ganze für Neueinsteiger ebenfalls interessant macht. So greift Zack diesmal auf Druck einer eigenen Taste an, während Fertigkeiten und Magie separat über Shortcuts abgerufen werden können. Dadurch lassen sich problemlos mehrere Angriffe hintereinander ausführen, was nicht nur schick aussieht, sondern auch mehr Schaden verursacht. Hängt man an eine Reihe normaler Attacken dann noch eine Fertigkeit, erhöht sich der Schaden umso mehr. Zuletzt haben auch die Richtung, aus der ihr angreift sowie Elementarschwächen der Gegner Einfluss auf eure Effektivität. Das heißt, ist ein Monster empfindlich für Feuer, grille ich es mit Feuermagie – soweit alles bekannt.

Während man bei Final Fantasy VII REMAKE diese Schwächen aber noch selbst herausfinden musste, indem man die Gegner beispielsweise analysiert, werden sie hier einfach neben dem Namen eingeblendet. Ich fand das etwas schade, da ich mich so weniger mit den verschiedenen Gegnertypen beschäftigen musste. Allerdings gibt so viele verschiedene Magie- und Fertigkeiten-Skills, dass ich stets Spaß beim herumexperimentieren hatte. Diese Skills erhält Zack serientypisch durch sogenannte Materia, die im Ausrüstungsmenü an- und abgelegt und später im Spiel sogar fusioniert werden können, um noch mehr Arten herzustellen. Vier bzw. ab einem gewissen Zeitpunkt sechs Materia lassen sich gleichzeitig ausrüsten und über Shortcuts im Kampf abrufen.

Die Esper sind gewohnt cineastisch inszeniert

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Serienuntypisch hingegen ist die Slot Maschine am oberen Bildrand. Diese rotiert während der Kämpfe eigenständig und gewährt Zack zufällige Boni. Neben Buffs wie Unverwundbarkeit, lassen sich so auch Esper beschwören, die diesmal allerdings nicht mitkämpfen, sondern einen einzelnen starken Angriff auf das Schlachtfeld loslassen.

Ähnlich funktioniert es auch mit Zacks Limit-Attacken, von denen im Laufe des Spiels immer mehr freigeschaltet werden. Allerdings verfügen auch Bosse über derartige starke Angriffe, die sich jedoch erstmals durch eine Anzeige ankündigen. Seht ihr diese – wohlgemerkt, unübersehbare – Anzeige, solltet ihr schnellstmöglich auf den Gegner einprügeln, um den Angriff zu unterbrechen oder zumindest abzuschwächen. Für mich hat dieses Prinzip die Kämpfe nochmal um Einiges spannender gemacht, da ich so gezwungen war, in die Offensive zu gehen. Und gerade wenn mein Lebensbalken bereits den Kopf hängen ließ, war es immer wieder eine taktische Abwägung, ob ich die wenigen Sekunden der Ruhe für einen Angriff nutze oder um mich zu heilen.

Die Anzeige gibt einem die Möglichkeit, starke Angriffe zu unterbrechen

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Technisch wäre sicher mehr drin gewesen

Doch so sehr mir das Kampfsystem auch gefallen hat, gibt es am Ende trotzdem noch einen Punkt, über den ich ein wenig meckern muss. Ich meine, schaut euch doch mal das ganze Bildmaterial an! Sieht das etwa nach Next-Gen-Technik aus? Klar, Grafik ist bei Weitem nicht das Wichtigste, vor allem wenn Story und Gameplay stimmen. Wenn aber, wie hier, das Gerüst aus Geschichte und dem Großteil der Spielmechaniken bereits steht, dann frage ich mich, ob bei der Optik von REUNION nicht etwas mehr drin gewesen wäre.

Versteht mich nicht falsch, die Grafik ist nicht schlecht. Manche Reflektions- und Lichteffekte sehen wirklich klasse aus und an vielen Stellen wurde der Detailgrad stark erhöht. Seht euch nur mal Zacks Ellenbogen an. Schaut man allerdings genauer hin, finden sich unzählige verwaschene Texturen und durch den großen Unterschied zwischen In-Game-Optik und Cutscenes wirkt auch nicht alles wie aus einem Guss. Dass letztere auf meinem 4K-Bildschirm allerdings aussehen, als hätte man sie direkt aus dem Original übernommen, liegt daran, dass die Grafik „nur“ auf HD-Standard verbessert wurde. Dafür muss ich dem Spiel zugutehalten, dass es bei mir mit konstanten 60fps lief.

Selbst die immergleichen Level für die im Vergleich unendlichen Nebenmissionen kann ich irgendwo entschuldigen. Oder die Tatsache, dass die Welt scheinbar nur von zehn Leuten bevölkert wird, die mich mit ihren seelenlosen Augen nicht nur in meinen Träumen verfolgen, sondern scheinbar auch innerhalb einzelner Bereiche mehrfach auftauchen. Vielleicht hat Shinra aber auch nur ein Mitarbeiterproblem, weswegen Gardist Nr. 17 einfach in der ganzen Stadt patrouillieren muss.

Derselbe NPC immer und immer wieder

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Was mich aber mehrfach zum Lachen gebracht hat, waren die Animationen in Gesprächen. So scheint Zack lediglich über ein Repertoire von einer Handvoll Posen zu verfügen, die er immer wieder abspult. Neben den NPC-Kids, die ihre Hände betont cool hinter dem Kopf verschränken, wie ich es noch von Tidus aus Final Fantasy X kenne, war es aber vor allem das schlechte Timing in Gesprächen, das mich rausgerissen hat.

Dafür hat jeder Nebencharakter eine eigene Stimme spendiert bekommen und Leute wie mich, die das 2020er REMAKE gespielt haben, dürfte auch freuen, dass Zack, Sephiroth und Co. von denselben charismatischen Sprechern verkörpert werden. Dadurch habe ich mich direkt noch ein zweites Mal in Aerith a.k.a. Briana White verliebt. Hier sei vielleicht noch zu erwähnen, dass REUNIONs Sprachausgabe auf englisch und japanisch beschränkt ist.

Mehrere Sekunden lässt Zacks schlecht geskriptete Antwort auf sich warten

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Ein gelungenes Remaster

Letztlich muss ich aber sagen, dass für mich die positiven Aspekte des Remasters überwogen haben. Natürlich hat es Schwächen: Dinge wie die holprigen Animationen, eingeblendete Texttutorials, Random-Encounter und das öde Nebenmissionsdesign wirkten auf mich etwas altbacken. Und gerade für die Next-Gen-Konsolen hätte man optisch meiner Meinung nach noch ein bisschen mehr rausholen können. Zeitweise fühlte ich mich sogar an die späte PS3-Ära erinnert.

Auf der anderen Seite stehen jedoch das spaßige Gameplay und die toll erzählte Geschichte. Gerade für diejenigen, die damals nicht das Glück hatten, das Original auf der PSP zu spielen, ist REUNION die perfekte Möglichkeit, das jetzt nachzuholen. Es erweitert die Handlung sinnvoll, indem es einem die Charaktere näherbringt, und ist gleichzeitig eine gute Chance für Neueinsteiger, da es keinerlei Vorwissen voraussetzt. Das Kampfsystem macht dabei die ganze Zeit Spaß und wird über die Dauer des Spiels immer wieder ein wenig erweitert, wenngleich es mit einem klassischen Final Fantasy natürlich kaum noch etwas gemeinsam hat. Doch gerade in Anbetracht der näher rückenden zweiten Episode der Neuauflage, REBIRTH, kann ich REUNION nur weiterempfehlen. Vielleicht nicht unbedingt für 60€ - immerhin handelt es sich hier um ein Remaster für das Geld eines Vollpreistitels –, aber Kennern der Serie, Action-RPG-Freunden und Story-Connaisseurs sei Crisis Core – Final Fantasy VII – REUNION wärmstens ans Herz gelegt.

TBC

(Image credit: Square Enix Holdings Co., Ltd.)

Ich bin Chris und beschäftige mich für TechRadar vor allem mit den Bereichen Filme/ Serien, TV, Grafikkarten und Gaming - im Speziellen alles rund um Xbox. Ursprünglich habe ich in Stuttgart Film- und Fernsehtechnik sowie Drehbuch-Schreiben studiert. Da ich allerdings nicht nur schon immer großer Filmliebhaber, sondern auch leidenschaftlicher Gamer war und es zudem liebe zu schreiben, habe ich mich für den Journalismus in diesem Bereich entschieden. 


Erreichbar bin ich unter der Mail-Adresse cbarnes[at]purpleclouds.de