Hands-On zum Huawei Mate 50 Pro – Neue Stärken und bleibende Probleme

Das Huawei Mate 50 Pro erscheint nun endlich auch in Deutschland. Aber taugt das aktuelle Flaggschiff auch etwas gegen die jüngste Konkurrenz im Smartphone-Segment?
(Bildnachweis: Huawei)

Nachdem man auf der IFA 2022 (Öffnet sich in einem neuen Tab) bereits mit dem ein oder anderen Kracher Pluspunkte einfahren konnte, dreht das chinesische Unternehmen Huawei auch Richtung Jahresende noch einmal ordentlich auf und bringt mit dem Mate 50 Pro das jüngste Flaggschiff auch auf den deutschen Smartphone-Markt. 

Doch was genau kann das Mate 50 Pro? Für wen ist es eine Überlegung wert? Und ist es überhaupt noch konkurrenzfähig gegen die Alternativen von Apple, Samsung und Co.? 

Wir haben uns das Mate 50 Pro entlang einer Enthüllungsveranstaltung einmal näher angeschaut und verraten dir unterhalb, ob und wie sich das Huawei-Flaggschiff im Smartphone-Segment behaupten kann. 

Optischer Leckerbissen

Huawei Mate 50 Pro erhältst du wahlweise im schicken Silber oder einer schwarzen Klavierlack-Optik

(Image credit: Huawei)

Ein echter Hingucker! – Das waren so etwa die ersten Gedanken, als wir das Mate 50 Pro erstmals aus seiner Verpackung entnehmen durften. Was sich daran anschließt ist ein sehr angenehmes Gefühl des Handlings in den ersten Minuten mit dem 6,74 Zoll Smartphones. Nicht zuletzt sind jene Gefühle den sanften Rundungen sowie dem geringen Gewicht von 209 Gramm geschuldet, die die Steuerung zum Genuss machen. 

Auf der Vorderseite ist sonst einzig die kleine Displayeinkerbung herausstechend, welche die Sensoren der 3D-Gesichtserkennung beherbergt und entsprechend das Huawei-Äquivalent zur Face ID von Apple darstellen dürfte. Das Gehäuse ist – wie heutzutage auf diesem Niveau üblich – mit IP68 Zertifizierung ausgestattet und wahlweise wird man auf der Rückseite mit einem matten oder glänzenden Glasrücken begrüßt. Abhängig ist dieser Fakt von der Farbwahl...

... wobei uns zunächst in Deutschland nur die silberne sowie eine schwarze Variante zur Verfügung stehen. Die Wahl ist natürlich Geschmacksache, auf dem ersten Blick waren wir vom silbernen Ableger aber mehr angetan. Ursächlich hierfür ist die Klavierlack-Optik bei der schwarzen Alternative, die zwar seeehr Edel daherkommt, aber auch äußerst anfällig für Fingerabdrücke scheint.

Darüber hinaus werden wir aber auch direkt mit einem der großen Highlights des Mate 50 Pro konfrontiert: Dem ringförmigen Kamerasystem. Was das in Sachen Foto- und Videoqualität kann, schauen wir uns allerdings erst später an. Festzuhalten ist aber, dass die zentrale Positionierung des Kamera-Systems sowie die schicken, dezenten Akzente rund um den Ring dem ganzen Smartphonerücken ein High-Class-Finish verleihen, was uns stark zugesagt hat.

Anhaltende Probleme

Wie bereits erwähnt, macht der 6,74 Zoll große Bildschirm eine gute Figur. Nicht zuletzt ist das aber auch der flotten Bildrate von 120 Hertz zu danken, die man sich bei einem Flaggschiff-Modell heutzutage auch erwartet. 

Für eine starke Performance sorgt weiterhin aber das Arbeitstier Snapdragon 8 + Gen 1 4G sowie 8 GB Arbeitsspeicher. Um die wichtigsten Apps, Fotos und Spiele immer dabei zu haben, stellt Huawei außerdem 256 GB internen Speicher parat, der wahlweise noch mit Speicherkarten oder über die hauseigenen, preisgünstigen Cloud-Angebote (Öffnet sich in einem neuen Tab) erweitert werden kann.

Huawei Mate 50 Pro Mood-Picture

(Image credit: Huawei)

Jedoch wird der chinesische Entwickler auch Ende 2022 noch immer durch ein großes, anhaltendes Problem tangiert: Die US-Sanktionierungen. Im Klartext heißt das, dass auch dem Mate 50 Pro die 5G-Technologie sowie die massive Angebotsvielfalt des Google Play Stores verwehrt bleiben.

Natürlich wirkt man dem in Form des erweiterten, eigenen Store-Angebots sowie der modifizierten 4G-Variante im Mate 50 Pro entgegen... für ein konkurrenzfähiges Flaggschiff ist das in diesem Bereich aber leider noch immer ein wenig zu lasch. 

Wir wollen dem Mate 50 Pro aber keinesfalls seine softwarespezifische Leistungsfähigkeit streitig machen. Denn trotz dieser Abstriche gibt es auch einige Neuerungen, die dem ein oder anderen Interessenten die Wahl eines Huawei-Smartphones durchaus schmackhaft machen könnten. 

EMUI 13 mit Innovationen im Gepäck

Im Hinblick auf die Software halten mit dem aktualisiertem Betriebssystem EMUI 13 einige frische, innovative Alleinstellungsmerkmal Einzug. 

Das erste schicke Feature ist eine neue, spezielle Variante eines Notfall- und Energiesparmodus. Dieser Emergency Mode wird aktiviert, sobald das Mate 50 Pro nur noch über einen einzigen Akkuprozentpunkt verfügt und arbeitet infolgedessen mit der niedrigen Restspannung, die im Normalfall für den vollumfänglichen Betrieb nicht ausreicht.

Im Emergency Mode soll es nun aber möglich sein, noch bis zu 3 Stunden Standby-Nutzung bzw. etwa 12 Minuten aktive Nutzung einer kleine App-Auswahl zu genießen. Anrufe in letzter Sekunde oder die letzte Nachricht beantworten, ist hiermit also absolut kein Problem. Auf Nachfrage bestätigte uns Huawei weiterhin, dass sich dieser Modus nicht negativ auf die Langlebigkeit des Akkus auswirken soll, allerdings auch eher als eine Art Notfalloption gedacht sei. 

EMUI 13 ist natürlich auch im neuen Flaggschiff in Form des Mate 50 Pro als leistungsfähige Software-Basis vertreten

(Image credit: Huawei)

Keinesfalls nur für die Notfälle ist allerdings der sogenannte "SuperHub" konzipiert. Hierbei handelt es sich um eine innovative Zwischenablage, die es erlaubt bis zu 15 Dateien, Texte oder anderweitiges Kopiermaterial in einem kleinen Pop-Up-Symbol auf der rechten Seite anzusammeln und auf Wunsch wieder hieraus hinauszuziehen. 

Besonders gut hat uns hierbei gefallen, dass das Feature auch als Cross-Device-Option (die sich aktuell noch in der Beta befindet) folgen soll. Huawei arbeitet also weiter an der Optimierung sowie etwaigen Alleinstellungsmerkmalen des eigenen Ökosystem. Weitere Indizien hierfür sind die Erweiterung des App-Sortiments um (neue Versionen von) Petal Maps (Karten-Applikation) , Search (Suchmaschine) sowie Petal Clip (Videoeditor). 

Zuletzt hat uns aber auch die SuperStorage-Funktion hellhörig werden lassen. Hierbei handelt es sich um eine Art Cleaner-Funktion, die doppelte Mediendateien erfasst und auf Wunsch Duplikate entfernt, um Speicherplatz freizugeben. Außerdem werden ungenutzt Applikationen in ihrer verbrauchten Speichergröße minimiert, um noch mehr MB nutzbar zu machen. Laut Herstellerangaben können hiermit bis zu 20 GB an zusätzlichem Speicher verfügbar werden, was durchaus für eine Handvoll Apps oder das ein oder andere Bild sowie Video wichtig sein könnte.

Und Apropos Bilder und Videos...

Ernstzunehmende Alternative für Foto-Fans?

Wie bereits weiter oben erwähnt, dürfte die Kamera des Huawei Mate 50 Pro wohl zweifellos der Star des Hands-On gewesen sein. 

Erstmals verbaut Huawei nämlich eine variable Blende, die mit 10 Lamellen und somit einem recht üppigen Spielwiese für Hobby-Fotografen punkten will. Zwischen den Blenden F1.4 und F4.0 gibt es insgesamt 10 Stufen, die mitunter auch verbesserte Nachtaufnahmen gewährleisten sollen.

Zwar sind wir keine Star-Fotografen, aber im Test konnten wir auch als Laien hiermit bereits erstaunliche Unterschiede und Ergebnisse feststellen:

Unterstützend sind dabei natürlich auch die zahlreichen Modi, mit entsprechenden Voreinstellungen, die es auch Anfängern erlauben tolle Momentaufnahmen zu erhaschen und festzuhalten. Profis dürfen sich aber gleichermaßen auf einen dedizierten Modus mit einigen Einstellungen fürs Fein-Tuning freuen. Fototechnisch dürfe hier also jeder Nutzer auf seine Kosten kommen. Ein voller Erfolg... 

... würden wir am liebsten sagen. Aber leider gab es in unserem ersten Hands-On noch ein, zwei Problemstellen, die nicht unerwähnt bleiben sollen.

Eine hiervon ist das (softwarebedingte?) Ruckeln im Kamera-Modus, welches die Geschmeidigkeit der Konkurrenz von Apple und Co. noch streckenweise missen lässt. Aber auch bildtechnisch war noch Luft nach oben – und das obwohl die Kamera ja eigentlich das Highlight ist. Allerdings sind wir uns recht sicher, dass es eher an einzelnen Modi lag, die für unseren Geschmack nicht immer das optimale Ergebnis aus der Kameraleistung herauskitzeln konnten – aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Fazit: Ernstzunehmender Konkurrenz, wenn auch nicht durch und durch erstklassig.

Huawei bleibt zusammen mit dem Mate 50 Pro auch 2022 weiterhin ein ernstzunehmender Mitstreiter, der sich durch den steinigen Weg nicht vor weiteren Vorstößen auf dem deutschen Smartphone-Markt abhalten lässt. 

Das Mate 50 Pro punktet hierbei durch eine High-Class-Optik, grundsolide Hard- und Software sowie einige innovative Neuerungen, die Lust und neugierig auf mehr machen. Auch die Kamera konnte als zentrales Merkmal bei uns Eindruck schinden, auch wenn Kritik hier nicht ausblieb. Betonen sollte man allerdings, dass diese womöglich auch etwas strenger ausfällt, weil man an einigen Stellen das immense Potenzial der Hardware erkennt, welches jetzt weiter durch die entsprechende Software oder Updates herausgearbeitet werden muss.

Insgesamt bleibt aber ein durchaus positiver Ersteindruck. Entsprechend spielt das Mate 50 Pro trotz kleinere Defizite für uns ganz oben mit, wenn es um die Smartphone-Neuerscheinungen aus 2022 geht.

Verfügbar ist das Huawei Mate 50 Pro (Öffnet sich in einem neuen Tab) ab dem 27. Oktober für 1.199 Euro. Wer hierbei schnell ist, der kann sich beim Kauf eines Mate 50 Pro noch bis zum 30. November die Huawei FreeBuds Pro 2 (UVP: 199 Euro) kostenfrei on top sichern.

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.