Atlas Fallen im Test: Gute Ideen, die im Sande verwehen

Zwischen erstklassigem Bewegungsfluss und Dialogen voller Stuss ...

Atlas Fallen begeistert mit tollen Bewegungsoptionen und spektakulären Kämpfen, überfordert simultan aber bei letzteren, während Dialoge ein Totalausfall sind ...
(Image: © Deck13/Focus Entertainment)

TechRadar Fazit

Atlas Fallen ist ein grundsolides, wenn auch wenig inspiriertes Open-World-Fantasy-Rollenspiel, welches vor allem durch seine geniale Bewegungssteuerung punktet. In einer zunehmend überfüllten Welt voller Fantasy-RPGs lässt der Titel jedoch in vielerlei Hinsicht (Geschichte, Charaktere, Design) noch zu viel liegen, als dass er sich wirklich als denkwürdiges Ereignis in die Köpfe seiner Spielerschaft brennen dürfte.

Pro

  • +

    *Hervorragende* Fortbewegung

  • +

    Flüssige, spaßige Kämpfe

  • +

    Durchaus interessante Welt und mit hübschen Kulissen

Kontra

  • -

    Hölzerne Charaktere und uninspirierte Dialoge

  • -

    ... Kämpfe teils jedoch zu komplex

  • -

    Geschichte zum Vergessen

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Informationen zum Test

Getestete Version: PS5
Verfügbar für: PS5, Xbox Series X|S, PC
Veröffentlichungsdatum: 10. August 2023

Wenn es um die reine Fortbewegungsmöglichkeit ginge, wäre Atlas Fallen in 2023 bisher zweifelsohne komplett konkurrenzlos – zumindest bis Marvel's Spider-Man 2 erscheint!

Das Gleiten über ausgedehnte Sandlandschaften ist ein regelrechtes Vergnügen und lässt sich komplett mühelos steuern, während (Doppel-)Sprünge die Überquerung von Klippen und Abgründen zum Kinderspiel machen. Leider, oh leider, kann aber der Rest des Spiels längst nicht an die Qualität der Fortbewegung anknüpfen. Steife Charaktere, enttäuschende Handlung, spaßige, aber viel zu komplizierte Kämpfe – Spielspaß geht irgendwie anders ...

Dabei klingt auf dem Papier vieles sogar ganz gut: Klar, der eine oder andere mag die "Soulslike"-Elemente nicht mehr sehen können und auch ich würde gern einmal auf wiederkehrende Feinde verzichten. Das Leuchtfeuer-ähnliche Prinzip der Speicherpunktverteilung auf der Karte, wie auch die Aufwertungsmöglichkeiten der Ausrüstung oder die herausfordernden Kämpfe, dürfen aber gern beibehalten werden. Und Atlas Fallen ist längst nicht nur der nächste Souls-Abklatsch, sondern versucht sich eine eigene Identität zu schaffen ... nur enttäuschenderweise nicht mit dem gewünschten Erfolg.

Alles in allem ist Atlas Fallen zwar ein unterhaltsamer Einstieg in die Welt der Open-World-Fantasy, vom Titel eines Genre-Primus aber noch endlose Sandrutschpartien entfernt – heißt nicht, dass man keinen Spaß haben kann, nur, dass man viel verzeihen können muss.

Sand, noch mehr Sand und Sand mit Deko

Durch den Sand heizen ist eines der größten Schmankerl von Atlas Fallen

Die Bewegungsoptionen sind zweifelsohne einer der größten Pluspunkte des neuesten Deck13-Eintrags!  (Image credit: Deck13/Focus Entertainment)

Ich hoffe, du magst Sand, denn in der Fantasy-Welt von Atlas Fallen wirst du mit reichlich hiervon zugeballert. Zu Beginn durchläufst du noch einige typische Tutorials in Form einer Traumsequenz, die dir – wie so häufig – zentrale Kampf- und Bewegungsabläufe näher bringt und dich Anpassungen an deiner Spielfigur vornehmen lässt. Im Anschluss wirst du in die freie Welt entlassen und hier mit mehr als genug Dünenlandschaften konfrontiert. 

Story? Ja, die gibt es. Ehrlich gesagt ist diese aber so unspektakulär wie nur irgendmöglich. Du bist irgendein Abenteurer, der aus einfachen Verhältnissen stammt, einen magischen Traum hat und nun einen ebenso zauberhaften Gegenstand aufschnappt, der ihm den Pakt mit einem geheimnisvollen Wesen "gewährt". Innovation? Fehlanzeige.

Besser kommt da schon die Spielwelt weg. Zentral ist diese in vier Hauptkarten aufgeteilt, die jeweils mit eigenen Knotenpunkten, Siedlungen und Landschaften, die zum Durchqueren einladen, punkten. Und ja, hier gibt es tatsächlich auch Sand, aber natürlich auch noch viel mehr zu entdecken. Tatsächlich war die Erkundung der Welt eines meiner Highlights neben der Fortbewegung selbst, wo die Gebiete doch wunderschöne Ausblicke und Umgebungen zum Verlieben offerieren. Von alten, verfallenen Ruinen über sandverschmierten Höhlen bis hin zu ausgedehnten Dünen und Waldumgebungen wird hier zwar weitgehend auch nur das gewohnte Sammelsurium abgeklappert, dank liebevoller Gestaltung würde ich hier aber jederzeit wieder ein Auge (oder gar beide) zudrücken.

Malerische Landschaften verspricht Atlas Fallen natürlich ebenso

Aus rein optischer Perspektive muss sich Atlas Fallen keinesfalls verstecken!  (Image credit: Deck13/Focus Entertainment)
Mein liebster Aspekt an Atlas Fallen:

Es gibt wohl nichts Besseres, als in Atlas Fallen über den Sand zu surfen und sich immer weiter treiben zu lassen; es ist flüssig, schnell, wendig und macht jede Menge Freude. Wie einst SSX nur eben im Sand! In Kombination mit der entsprechenden Luftakrobatik definitiv mein Highlight im neuesten Deck13-Abenteuer!

Wie schon eingangs erwähnt, so ist der Star der Show aber zweifelsohne die grandiose Manövrierfähigkeit der Spielfigur durch die sandigen sowie mehr oder weniger steinigen Landschaften. Wenn du den magischen Handschuh anlegst, erhältst du nämlich allerhand verschiedener Fähigkeiten, die aus dem Sand stammen und für die Fortbewegung in selbigem dienlich sind – konkret in Form von Surfen. Wie ein Snowboarder heizen wir also fortan durch die Prärie, manövrieren durch enge Klippenumgebungen oder springen über die nächste scheinbar unpassierbare Kante. Dass eben diese geniale Bewegungsmöglichkeit schließlich noch durch entsprechend wertige Soundeffekte untermalt wird und dank automatischer Sammelfunktion kaum unterbrochen werden muss, ist da nur das i-Tüpfelchen.

Eben weil es das beste Feature ist, wird dir aber nicht direkt zu Beginn schon das komplette Arsenal der Möglichkeiten beiseite gestellt. Dein ganzes Repertoire will nämlich erst entlang der Progression in der Story freigespielt werden, um das nächste coole Manöver anschließend in der freien Erkundung zu nutzen. Und so quäle ich mich schließlich doch durch die wenig inspirierten Dialoge und sehne mich hierbei schon wieder nach der nächsten coolen Rutschpartie ...

Aus eigenem Sandbau

Im Kampf gegen gigantische Kreaturen vertraust du auf ... wie sollte es anders sein ... Sand

(Image credit: Deck13/Focus Entertainment)

Und Sand spielt nicht nur in der Gestaltung der Umgebung, sondern auch der Kämpfe eine zentrale Bedeutung (womöglich hätte man das auch irgendwie deutlicher im Titel unterbringen sollen ... es geht echt viel um Sand): 

Innerhalb weniger Millisekunden wechseln wir so von der Bewegung in den Kampf, während unser Spielcharakter seine Umgebung zur Schaffung einer tödlichen Waffe gegen das Monstergesocks nutzt. Diese Darstellung ist nicht nur äußerst stylisch, sondern funktioniert auch entsprechend smooth, weswegen der rasche Wechsel zwischen Bewegungs- und Kampfpassagen nur in den seltensten Fällen als störend empfunden werden dürfte. 

Konkret haben Spieler hierbei eine Auswahl von drei todbringenden Werkzeugen von Deck13 bereitgestellt bekommen: Einem ausbalancierten Hammer, einem stachligen Handschuh oder aber einer Peitsche, die durch temporeiche Manöver bei mir am meisten punkten konnte. Jede Waffe hat aber natürlich auch gleich eine ganze Palette an Manövern im Gepäck, die beherrscht und kombiniert werden wollen. 

Entgegen deiner möglichen Erwartung ist der Kampf allerdings nicht an eine Ausdaueranzeige für deine eindrucksvollsten Angriffe oder lebensrettende Heilungsmanöver gekoppelt, sondern von einer Momentums-Anzeige bestimmt. Du willst mächtige Manöver ausführen? Dann knüppel den Widersacher zunächst einmal sekundenlang mit schwächeren Angriffen zu Brei und weiche geschickt aus! Du willst dich heilen, bevor dich die nächste Pranke erwischt? Nix da, zumindest nicht, wenn deine Heilungsladung blockiert ist, weil du zu passiv gekämpft hast.

Ja, Atlas Fallen forciert nahezu eine aggressive Spielweise. Persönlich fand ich das aber gar nicht einmal so störend, könnte aber auch verstehen, wenn Spieler diese Begrenzung der kämpferischen Möglichkeiten als lästig empfinden – vor allem, wenn die nächste Heilung nur noch wenige Hiebe entfernt war!

Ein besonderes Schmankerl für alle Deck13-Veteranen: Wie auch in The Surge kannst du die Sandbiester nach belieben entlang ihrer (mitunter zahlreichen) Körperteile anvisieren und so Stück für Stück zerpflücken.

Für das nötige Maß an Progressionsgefühl sorgen im Kampf übrigens Essenzsteine, welche als passive wie auch aktive Talente ausrüstbar sind. So kannst du alsbald von Stärkungszaubern profitieren oder dein Vorgehen anderweitig personalisieren – das reizt die Experimentierfreudigen unter uns sicherlich! 

Ausprobieren wird auch spätestens bei den zunehmend tafferen Gegnern unabdingbar. Und damit du hier nicht in Ressourcenknappheit gerätst (wo diese doch für die Aufrüstung der Talente essenziell sind, spendiert dir die Welt von Atlas Fallen glücklicherweise mehr als genug der notwendigen Materialien und alternativen Essenzsteine, sodass einer Build-Anpassungen auch im weiteren Spielverlauf nicht viel im Weg steht. 

Ein besonderes Schmankerl für alle Deck13-Veteranen: Wie auch in The Surge kannst du die Sandbiester nach belieben entlang ihrer (mitunter zahlreichen) Körperteile anvisieren und so Stück für Stück zerpflücken. So konzentrierst du deine mächtigen Manöver auf Beine um die Bewegungsmöglichkeiten einzuschränken oder aber Klauen, um die Angriffsmöglichkeiten zu begrenzen. Gern kannst du auch auf den Kopf gehen, um den Biestern ein "schnelles Ende" zu machen ... allerdings wirst du hier häufig in die Lüfte gezwungen, wo sich diese scheinbar leichte Aufgabe als mühsame und langwierige Tätigkeit entpuppt – vielleicht also doch nicht bei jedem Gegner zu empfehlen.

Und wie in jedem guten Action-Adventure lassen die Kämpfe natürlich auch keinen Block oder aber eine Ausweichrolle missen. Die Effektivität dieser Manöver ist aber von deiner derzeitigen Position auf dem Schlachtfeld wie auch dem entsprechenden Timing abhängig ... und hat zu allem Überfluss eine Abklingzeit. Nicht selten stand ich also ohne jede Verteidigungsmöglichkeit vor meinem gehörnten Widersacher und durfte prompt die letzten Minuten aufs Neue beginnen ... 

Teils mein Fehler, teils bescheiden im Design.

Der Kampf in Atlas Fallen erinnert an ein flotteres Monster Hunter

Wie ein temporeiches Monster Hunter mit einer Brise The Surge: Die Kämpfe in Atlas Fallen (Image credit: Deck13/Focus Entertainment)

Alles in allem machen mir aber auch die Kämpfe in Atlas Fallen Spaß, wobei weniger Komplexität dem Ganzen sicher keinen Abbruch getan hätte. Waffen, Kombinationen, Heilungsmanöver, Momentumbalken, Block-Cooldown, begrenzte Optionen zum Ausweichen ... einfach bisschen zu viel, was es zu beachten gilt. Und entsprechend schnell neigt man dann zum plumpen Button-Mashing, was wiederum erstaunlich gut funktioniert, mir selbst schlussendlich aber auch keine große Spielfreude mehr brachte. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera – zumindest subjektiv gesprochen.

Und bis zum Ende konnte ich leider auch der Geschichte rund um das altbekannte Gut und Böse nicht groß etwas abgewinnen. Sicher muss nicht gleich jeder Titel die Qualität eines Baldur's Gate 3 im Gepäck haben, etwas mehr Abwechslung und Abweichung zum altbekannten 0815-Einheitsbrei wäre aber schon toll! Wettmachen das schließlich nur die entlang dessen freigeschalteten Upgrades, die mich zurück zu den Stärken von Atlas Fallen, der freien Erkundung und Bewegung in der Welt, lotsen.

Was soll man noch zu Atlas Fallen sagen? Ist irgendwie ein komischer Mix. Viel Potenzial, einiges zündet, anderes verpufft schlichtweg. Traversal ist exquisit, die Charaktere wie auch die Geschichte eher zum Vergessen und das Kampfsystem ... ist schlussendlich ein zweischneidiges Schwert für mich. 

Womöglich sind wir zuletzt aber auch mit Titeln wie Final Fantasy 16, Diablo 4 oder Baldur's Gate schlichtweg zu sehr verwöhnt worden. Wer aber dennoch einen Blick riskieren mag, der hat hiermit mein "Go". Denn trotz aller Macken und dem liegengelassenen Potenzial ... Spaß macht es irgendwie schon! 

Zugänglichkeitsoptionen

Zugänglichkeit sieht irgendwie anders aus, liebes Atlas Fallen ...

(Image credit: Deck13/Focus Entertainment)

Auch in puncto Zugänglichkeit glänzt Atlas Fallen leider nicht allzu sehr. Es gibt nur wenige spezielle Einstellungsoptionen zur Barrierefreiheit, wobei die meisten auf Sprache und Untertitel ausgerichtet sind. Ja, es gibt noch eine Option, um das Verwackeln der Kamera auf Wunsch zu- oder abzuschalten, insgesamt ist das aber schon etwas dürftig. 

So habe ich Atlas Fallen getestet

Dank unserer englischen Kollegen konnten wir Atlas Fallen bereits vor Release auf der PS5 spielen. Hier haben wir etwa 12 Stunden in der Fantasy-Welt verbracht, bis uns der Abspann erwartete. Zeitgleich haben wir einen Großteil der Nebeninhalte abgeklappert und den Titel sowohl im Leistungs- als auch dem Qualitätsmodus auf die Belastungsprobe gestellt. Entsprechend der Erwartung fühlt sich die Bewegung in der Leistungsvariante noch etwas flüssiger an, was ich in Anbetracht des spaßbringenden Faktors selbiger auch jedem als Wahl ans Herz legen würde. 

In den belebtesten Städten der Welt kam es zudem zwar zu kleineren Leistungseinbrüchen, insgesamt aber nichts weltbewegendes. 

Gespielt wurde der Titel auf einem 4K-TV-Modell von Samsung in Paarung mit einem Gaming-Headset für den Ton – letztgenanntes fand übrigens auch in unseren Koop-Partien seine Anwendung.

Atlas Fallen erscheint am 10. August 2023 für PS5, Xbox Series X|S sowie PC. Und auch wenn es nicht ganz für die Bestenliste unserer PS5-, Xbox-Titel reicht, kann jeder Deck13-Fan, der schon vom Gameplay-Trailer angetan war, guten Gewissens mal einen Blick riskieren – spätestens im entsprechenden Sale! 

Christian Schmidt
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