Im Test: Saints Row

Chaotisch – aber nicht auf die gute Art...

Endlich wieder Saints Row, endlich wieder Chaos – leider ist der Titel aber häufiger an den falschen Stellen chaotisch und lässt einiges an Potenzial auf der Strecke
(Image: © Volition)

TechRadar Fazit

Volitions große Rückkehr zur Saints Row-IP ist leider nur zum Teil geglückt. In seinen besten Momenten lässt der Titel allerdings sein großes Potenzial durchscheinen – geschehen tut dies jedoch seltener, als uns lieb wäre.

Pros

  • +

    Chaotischer Spielkasten zum Austoben

  • +

    Genialer Charakter-Editor

  • +

    Witzige Dialoge und Momente...

Cons

  • -

    Grafisch eher angestaubte Kost

  • -

    Wiederholtes Auftreten von kleineren Bugs

  • -

    ... die bei Weitem nicht immer zünden

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Informationen zum Test

Spielzeit: etwa 20 Stunden 

Plattform: Xbox Series X 

Saints Row steckt 2022 in einer offensichtlichen Identitätskrise. Obwohl der neueste Ableger stellenweise durch seinen Charme punktet, ringt der Titel genauso wie Entwickler Volition noch immer damit, was Saints Row heute und in Zukunft darstellen soll. Und trotzdem ist der Besuch in Santo Ileso eine Überlegung wert, wenn man schon länger nach neuem Futter lechzt. 

Saints Row ist auch in seiner jüngsten Form ein Third-Person-Shooter mit weitläufiger Spielwelt, in welcher wir die Rolle eines aufstrebenden Gangsterbosses übernehmen, den wir ganz nach eigenen Vorstellungen gestalten. Viel vom einstigen Witz der Reihe geht aber entlang eines forcierten ernsteren Tones verloren, der uns als Fans der IP leider enttäuscht zurückließ. 

Seit dem letzten Eintrag sind dabei satte sieben Jahre vergangen. Spielerisch machen sich diese aber an den falschen Stellen bemerkbar. Entsprechend werden wir mit nervtötenden Jungspunden konfrontiert, die vor modernen Klischees nur so strotzen und uns meiste lediglich ein müdes Lächeln abringen können.

Aufgrund seiner Schwächen und identitären Uneinigkeit holt der Titel abschließend leider weder die Fans des überdrehten 3. und 4. Eintrags ab, noch Spieler, die Fans der ersten beiden ernsteren Einträge waren – Schade! 

Saints Row: Preis und Veröffentlichungsdatum

  • Warum handelt es sich? Ein Open-World Third-Person-Shooter, in dem wir die Rolle eines aufstrebenden Gangsterbosses übernehmen
  • Wann erscheint es? 23. August 2022
  • Was kostet mich Saints Row (2022)? Ab 59,99 Euro zu haben
  • Wo kann ich den neuen Ableger spielen? PlayStation 4 (Öffnet sich in einem neuen Tab), PlayStation 5 (Öffnet sich in einem neuen Tab), Xbox One (Öffnet sich in einem neuen Tab), Xbox Series S (Öffnet sich in einem neuen Tab), Xbox Series X (Öffnet sich in einem neuen Tab) sowie auf PC über den Epic Games Store

Sturmtruppler-Präzision

In Saints Row würden wir eher auf Nahkampf setzen – zumindest sorgt auf Konsole das unpräzise steuern des Fadenkreuzes häufiger für Frustmomente

(Image credit: Future)

In Saints Row verbringst du einen Großteil deiner Zeit damit auf Gegner zu schießen – oder eher zu zielen. Eigentlich wollen wir nur schnell auftauchen, die Gegnerhorden überwinden und zeitnah weiterziehen, bevor die Übermacht zu groß wird. Häufig macht uns die (standardmäßig) unpräzise Steuerung aber einen Strich durch die Rechnung. 

Und selbst jenseits hiervon macht der repetitive Ablauf der Konfrontationen auf Dauer nur wenig Spaß.

Vor allem die schicken Takedowns zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, weil sie gewohnt überglorifiziert sind und direkt aus einem Bollywood-Streifen stammen könnten.

Saints Row bietet kein tolles Shooter-Erlebnis! Insofern man sich jedoch darauf einlassen kann und ein bisschen an den Einstellungen herumschraubt, kann man dem Ganzen aber immerhin ein wenig Spielspaß entlocken.

Jenseits hiervon sind die Kämpfe nämlich gewohnt wuchtig, gelungen, aber leider auch repetitiv. Immerhin wissen aber die schicken Takedowns weiterhin zu punkten und lassen uns in bester Bollywood-Action-Manier Gegner auf die Bretter schicken. 

Und dann gäbe es da noch das neue Flow-System. So erhalten wir Zugang zu Gadgets wie Granaten und Rauchbomben bis hin zu Anime-ähnlichen Feuerstößen, insofern wir genug Punkte durch Abschüsse erlangen. 

Auch 2022 fühlen wir uns dabei in Kämpfen noch wie der Übermensch aus Teil 4. Zum ernsteren Ton der Story mag das aber irgendwie nicht so recht passen...

Saints Row präsentiert wieder einige ulkige Charaktere, wirkt aber deutlich ernster als die letzten Einträge (und die entsprechenden DLCs)

(Image credit: Deep Silver)

Im Missionsdesign scheint auch die größte Problematik der Neuauflage durch. Entsprechend treffen stinklangweilige Missionen auf phänomenale Vertreter, die durch überspitzte Action, bissige Verweise auf Popkultur-Elemente und witzige Einzeiler punkten. 

Ein Beispiel für Erstere findet sich leider ausgerechnet in weiten Strecken des Spielbeginns wieder. Entsprechend führt der Titel mit ernsten Ton in die Welt von Santo Ileso ein. Wieso bekommen wir hier nicht eine ähnliche Einführung wie den Bankraub aus Saints Row 3 präsentiert? Wieso wird auf Ernsthaftigkeit gesetzt, der es schlussendlich ohnehin an Konsequenz mangelt? 

Zugutehalten müssen wir Volition aber immerhin, dass man sich gerade im späteren Verlauf auf die Stärken der Reihe besinnt. Entsprechend werden Seitenhiebe an Elden Ring, Fortnite und Co. ausgeteilt, wenn wir uns auf einer gespenstischen Insel mit herunterfliegenden Waffen aus dem Himmel konfrontiert sehen und in einer Art Battle-Royale durchsetzen müssen. 

Engel und Teufel

Saints Row, the gang

(Image credit: Future)

Ähnliche Design-Fauxpas erlaubt man sich bei der Charakterdarstellung. In den stärksten Momenten schimmert hier der tolle Witz der Reih durch, in den meisten allerdings nicht.

In der Anfangsphase lernen wir unsere Gen-Z-Freunde Eli, Neenah sowie Kevin kennen und helfen ihnen aus ihrer wirtschaftlichen Misslage. Manchmal blicken hier charmante Dialoge und amüsante Kommentare durch, an anderen Stellen gehen diese aber komplett unter. Dabei tut sich Volition auch keinen Gefallen damit, dass die Charaktere mit stereotypischen und überspitzten Charakteristika "moderner" Jugend bestückt wurden. 

Gleichermaßen tragisch ist der Umgang mit gesellschaftlichen Themen und Problemen. Beispielsweise wird in einem Moment Kritik am Kapitalismus aufgenommen und charmant präsentiert, im weiteren Verlauf wird diese aber leider nie zu Ende gedacht oder wieder aufgegriffen – und dann wäre doch die Frage, warum man es überhaupt einbindet...

Sei dein eigener Chef

Deinen Charakter kannst du in Saints Row wieder nach ganz eigenen Vorstellungen gestalten – Bock auf einen Cowboy/Cowgirl-Look? Kein Problem!

(Image credit: Future)

Zwischen diesem ganzen Mischmasch gibt es aber auch einige positive Aspekte am aktuellsten Serieneintrag. Beispielsweise bleiben uns Nebenaufgaben und das Venture-System positiv in Erinnerung.

Als Boss einer Straßengang ist es immerhin auch unsere Aufgabe die finanziellen Aussichten zu optimieren. Entsprechend generieren wir neue Einnahmequellen und betreiben zwielichtige Geschäfte, um uns weiter zu bereichern. Mit dem Abschluss von Nebenmissionen können wir damit einerseits direkt die Finanzen aufbessern, andererseits werden aber auch die passiven Einkommen der Saints erhöht. Das kennen wir bereits aus den Vorgängern, haben die abwechslungsreichen Nebentätigkeiten aber auch 2022 wertgeschätzt.

Der zweite Pluspunkt war schließlich der Charakter-Editor, den wir bereits aus der Demo kennen. Unzählige Optionen laden hier zur kreativen (und beinahe grenzenlosen) Gestaltung von Körper und Outfit ein. Und es ist wiederholt amüsant, wenn wir unsere ulkige Kreation in bitterernsten Gesprächen beobachten.

Auch bei den Vehikeln lässt sich dabei wieder einiges anpassen. So steht uns eine breite Auswahl an Lackierungen, Zusätzen und Moterhaubenverzierungen zur Bearbeitung bereit. Und genau wie die Anpassung, so ist auch die Auswahl an Fahrzeugen vielfältig. Von Cabrios über Muscle Cars bis hin zu Bikes und dem eigenen Jet ist alles dabei, was das Herz begehrt. Dann noch die passenden Tracks dank diverser Radiosender auf die Ohren und wir sind bereit für allerhand Action – zumindest in der Theorie.

Fazit: Weder Fisch noch Fleisch...

Saints Row ist weder Fisch noch Fleisch und leidet spürbar unter der uneinigen Identität – mehr Konsequenz und Finesse bei der Entwicklung hätte dem Titel spürbar geholfen

(Image credit: Future)

Saints Row ist ambitioniert und trotzdem zu inkonsequent in seinen Entscheidungen. Vielleicht wollte man sich zu sehr am großen Vorbild GTA V orientieren, vielleicht hat man aber auch ganz eigene Vorstellungen gehabt, die nur nicht funktionieren. Sicher ist allerdings, dass der Titel es der Spielerschaft nicht eindeutig erkennbar macht, was er überhaupt sein will.

Entsprechend trifft Gelächter schnell auf bitterbösen Ernst und umgekehrt. Außerdem wird der Titel leider noch von einigen Bugs geplagt und spiegelt damit auf technischer Ebene die Inkonsequenz seiner Inhalte wieder. 

Charaktere blieben uns größtenteils egal, das Gameplay wirkt weitestgehend innovationslos und jenseits des erweiterten Editors und der neue Spielwelt wirkt der Titel leider auch nicht mehr wirklich zeitgemäß – zumindest nicht für 2022.

Und trotzdem hatten wir stellenweise Spaß beim Spielen von Saints Row. Vielleicht zündet nicht jeder Einzeiler und vielleicht ist nicht jede Mission genial, allerdings bleiben die guten Elemente keinesfalls aus und sorgen zumindest dafür, dass wir unseren Ausflug nacht Santo Ileso nicht bereuen. 

Saints Row ist gewissermaßen wie Pizza Hawaii: Man weiß irgendwie, dass Einiges da nicht zusammenpassen dürfte und eigentlich wirkt es alles andere als gelungen und trotzdem wagen so Einige den Versuch, probieren es aus... und genießen es!

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.

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