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BleuJour Move Ultimate

Ein Wolf im Schafspelz unter den Gaming-PCs

BleuJour Move Ultimate Gaming-PC
(Image: © Eugen Wegmann)

Unser Fazit

Für einen Gaming-PC strahlt der Move Ultimate sehr viel Eleganz aus – was uns persönlich sehr gefällt, der breiten Gaming-Masse vielleicht aber nicht so sehr. Er ist in der Hinsicht ein Wolf im Schafspelz, denn Gaming selbst in 4K mit hohen Einstellungen ist möglich, weil es die Spezifikationen zweifelsohne hergeben. Des Gesamtpakets wegen sehen wir den Move Ultimate aber eher als Workstation im Kreativbereich, wo sein wunderschönes Design auch gewürdigt werden kann.

Vorteile

  • Wunderschönes, kompaktes Gehäuse
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Extrem gute Konfigurationsoptionen

Nachteile

  • Sehr teuer
  • Keine Frontanschlüsse
  • Power-Knopf hinten
Datenblatt

Folgende Konfiguration hat TechRadar zum Testen erhalten:

CPU: Intel Core i9-9980HK (2,40 GHz Grundtakt, 5,00 GHz Boost, 16 MB Cache)
Grafik: PNY GeForce RTX 2070 Super
RAM: SODIMM 16 GB DDR4-2666
Speicher: 1x 256 GB M.2 SSD, 2x 512 GB M.2 SSD
Anschlüsse: 3x DisplayPort, 1x HDMI, 1x HDMI (Onboard), 4x USB-A (3.1 Gen2), 2x Thunderbolt 3 (USB-C 3.1 Gen2), 2x Ethernet, 1x 3,5-mm-Audio/TOSLINK
Konnektivität: Gigabit Ethernet, Wi-Fi 6 2x2, Bluetooth 5.0

Der Move Ultimate der französischen Manufaktur BleuJour positioniert sich als Gaming-PC, was prinzipiell völlig naheliegend ist: Die Mindestausstattung beginnt bei einem Intel Core i5-9300H, der mit seiner integrierten Intel UHD 630-Grafik zumindest für die Gaming-Grundbedürfnisse völlig ausreicht. Nach oben sind praktisch keine Grenzen gesetzt: Selbst eine GeForce RTX 3090 von PNY ist gegen Aufpreis erhältlich.

Auffällig am Move Ultimate ist, dass er bemerkenswert unauffällig ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gaming-Produkten gibt es hier keine RGB-LEDs, kein Glas – selbst auf Farbakzente wird verzichtet. Insgesamt sieht er nicht einmal nach einem PC aus, bis man auf die Anschlüsse auf der Rückseite sieht. Vielmehr verhält er sich zu seiner blinkenden Konkurrenz wie die Xbox Series X zur PS5: Zurückhaltend, minimalistisch, zeitlos, aber auch nicht sehr spektakulär.

Tatsächlich steckt in einem derart kompakten Gehäuse extrem viel Leistung, aber ob die Gaming-Ausrichtung für den Move Ultimate die beste ist, würden wir ganz vorsichtig infrage stellen, denn für die breite Masse wird er einfach nicht genug nach Gaming aussehen.

Preis und Verfügbarkeit

BleuJour Move Ultimate: Preis und Verfügbarkeit

Der BleuJour Move Ultimate wurde im September auf der ifa 2020 vorgestellt. Nur zufällig sind wir über den Stand der französischen Manufaktur gestolpert, obwohl er weder klein und unauffällig noch in der hintersten Ecke versteckt war – tatsächlich befand er sich in unmittelbarer Nähe zu Huawei, dem größten Aussteller auf der Messe.

Was dort hauptsächlich präsentiert wurde, waren nämlich viele kleine, bunte Würfel, die sehr dekorativ, aber nicht besonders nach PC ausgesehen haben. Erst auf den zweiten Blick und auf Nachfrage fanden wir heraus, dass es sich um den KUBB handelt, eine kleine, bunte Workstation auf Intel NUC-Basis. Und daneben stand der Move Ultimate, der zwar größer war als der KUBB, aber auch nicht besonders „PC“ geschrien hat. Auch er basiert auf Intels NUC-Plattform.

Tatsächlich auf den Markt gekommen ist der Move Ultimate dann im Oktober. Die Preisspanne ist enorm. Die minimale Konfiguration (Intel i5-9300H, 16 GB DDR4-2666 RAM, 1 TB M.2 SSD, Intel UHD 360 integrierte Grafik, Linux) beginnt bereits bei sehr knackigen € 1.150, für Windows 10 Pro muss man weitere € 185 drauflegen. Für die maximale Konfiguration kann man dann aber schon fünf Riesen hinlegen: Für exakt 5.044,75 Euro bekommt man allerdings ein Setup, das sich sehen lassen kann: Intel i9-9980HK, 64 GB DDR4-2666 RAM, 3x 2 TB Intel 660P SSD und eine PNY GeForce RTX 3090 24 GB XLR8 Gaming. Kein Schnäppchen also. Vertrieben wird der Move Ultimate ausschließlich im Webshop von BleuJour.

Design

BleuJour Move Ultimate

(Image credit: Eugen Wegmann)

BleuJour Move Ultimate: Design

Wie oben bereits erwähnt, sieht der Move Ultimate nicht unbedingt wie ein PC aus. Das Gehäuse ist – ganz grob gesagt – ein sechseckiges Prisma und besteht komplett aus handgefertigtem, anthrazitfarbenem – oder Graphit, wie BleuJour es nennt –Aluminium. Das ganze Gerät wiegt etwas über 3 kg und misst mit Griff lediglich 37 × 17,5 × 23 cm.

Die Vorderseite ist komplett nackt und einigermaßen glatt, die Seiten haben ein recht raues, glitzerndes Finish und Mäander-förmig ausgefräste Ausschnitte zur Belüftung. Auch die Oberseite hat dasselbe griechisch anmutende ausgefräste Muster, hinter dem sich zwei Lüfter für die Abluft befinden. Sämtliche Anschlüsse, die zwei WLAN-Antennen und seltsamerweise auch der Power-Knopf befinden sich auf der Rückseite.

Die glitzernden Seitenteile sind nicht symmetrisch, denn eins biegt sich zur Oberseite und das andere eins ist nach oben zum erwähnten Tragegriff verlängert. Das macht den Transport ungemein einfacher und macht den Move Ultimate perfekt für LAN-Partys. In 2020 vielleicht nicht ganz so passend, aber vielleicht kommt’s ja wieder. Wir können uns vorstellen, dass dieser Griff namensgebend für den Move Ultimate ist, haben aber nicht explizit nachgefragt.

BleuJour Move Ultimate

Geschwister im Geiste: Die Xbox Series X (links) und der Move Ultimate (rechts) (Image credit: Eugen Wegmann)

An der Unterseite biegen sich die beiden Seitenteile zu zwei langen „Füßen“. Das ist, unserer Meinung nach, einerseits recht cleveres Design, weil es weniger Einzelteile gibt. Andererseits können wir uns aber auch gut vorstellen, dass das raue Metall problemlos Tische zerkratzen kann. Wirklich ausprobieren wollten wir das aber nicht – im Fall der Fälle wären uns unsere Arbeitsflächen zu schade. Abhilfe könnten hier jedenfalls Filzaufkleber schaffen.

Das Gehäuse lässt sich auch recht einfach öffnen: Zwei Inbus-Schrauben an der Unterseite und zwei unterhalb vom Griff lösen die Seite mit dem Griff, zwei weitere an der Unterseite die andere. Nimmt man die erste Hälfte ab, bekommt man Zugang zur Grafikkarte, für den Rest muss man noch die Kabel der beiden Lüfter lösen.

Das komplette Gehäuse ist insgesamt also recht schlicht gehalten. RGB-Beleuchtung sucht man vergebens, auch ein Plexiglas-Fenster, um die Innereien präsentieren zu können, gibt es auch nicht. Absolut nichts an diesem Gehäuse strahlt „Gaming“ aus und dafür lieben wir es. Lässt man die griechischen Ornamente, den Griff und die etwas größeren Abmessungen außen vor, erinnert der Move Ultimate ein bisschen an die Xbox Series X – ein Vergleich, den wir einfach festhalten mussten.

Neben den Füßen ist unserer Meinung nach der größte Kritikpunkt am Design der Mangel an Anschlüssen, besonders vorne am Gerät: Zusätzliche, leicht zugängliche USB-Anschlüsse, 3,5-mm-Buchsen für Mikrofon und Kopfhörer sucht man vergebens, obwohl die Intel NUC-Plattform die nötigen Anschlüsse dafür besitzt.

Performance

BleuJour Move Ultimate

Eine Power-Taste auf der Rückseite ist nicht sehr intuitiv und war beim ersten Einschalten ein leichtes Aha-Erlebnis. (Image credit: Eugen Wegmann)

BleuJour Move Ultimate: Performance

Benchmarks

So hat der BleuJour Move Ultimate in unseren Tests abgeschnitten:

Cinebench R20: 3.407
3DMark Time Spy: 8.726 | Fire Strike: 10.660 | Port Royal: 5.374
Geekbench 5 Singlecore: 1.192 | Multicore: 6.049
PCMark 10: 6.185
Gears Tactics: 76,4 fps (1080p, Ultra); 64,1 fps (4K, Ultra)
Forza Horizon 4: 93,2 fps (1080p, Ultra), 76,2 fps (4K, Ultra)

Zwischen unserem Test und der Veröffentlichung dieses Artikels haben sich die Konfigurationsmöglichkeiten verändert und die, die wir getestet haben, ist nicht mehr verfügbar. Dafür gibt es jetzt die Wahl zwischen einer GeForce RTX 3070, RTX 3080 und RTX 3090. Die Option mit der PNY GeForce RTX 3070 kommt unserer Konfiguration im Prinzip am nächsten, kostet aber etwas weniger – bei erheblich besserer Grafikperformance. Der folgende Abschnitt bezieht sich aber dennoch auf das Setup mit der PNY GeForce RTX 2070 Super.

Der Move Ultimate basiert auf der Intel NUC 9 Extreme-Plattform (Ghost Canyon). Diese kommt in Ausführungen mit verschiedenen Prozessoren (i5, i7, i9), weshalb die Performance stark schwanken kann.

Unser Testgerät kommt mit dem Intel Core i9-9980HK, einem Prozessor ganz weit am oberen Ende der 9. Generation. Dass Windows 10 und die üblichen Programme völlig reibungslos laufen, ist daher selbstverständlich. Prinzipiell eignet sich der Move Ultimate in dieser Ausführung also hervorragend als Workstation, auch wenn für SD-Karten zusätzliche Geräte benötigt werden, die wiederum unnötig USB-Slots belegen.

Dank der verbauten PNY GeForce RTX 2070 Super richtet sich der Move Ultimate aber sowieso eher an Gamer. Die Karte basiert auf Nvidias Turing-Architektur und ist von Werk aus übertaktet – und zwar nur der Boost. Dieser liegt mit 1.815 MHz nämlich 45 MHz über den 1.770 MHz von Nvidias Referenzkarte. Abgesehen davon unterscheidet sich die Karte von PNY nur im Design, das man im Gehäuse aber sowieso nicht sieht.

Der Move Ultimate kommt mit den meisten Spielen problemlos klar, auch in 4K und in 1080p sowieso. Einzige Ausreißer sind Spiele wie Metro Exodus, die auf höchsten Grafikeinstellungen selbst in 1080p die 30 FPS nur knapp reißen und erst auf mittleren Einstellungen auf 60 FPS kommen. Mit den neuen RTX 3000-Karten, die BleuJour anbietet, sollten aber auch aktuelle Spiele kein Problem darstellen. Etwas ältere oder weniger anspruchsvolle Spiele laufen aber auch in 4K völlig flüssig, wie an den Benchmarks von Gears Tactics und Forza Horizon 4 zu sehen ist.

Auffällig ist jedoch, dass der BleuJour in den synthetischen Benchmarks etwas schlechter performt als das Referenzmodell des Intel NUC 9 Extreme-Kits, das unsere britischen Kollegen getestet haben, was an unterschiedlichen Software-Einstellungen liegen kann.

Upgrades

BleuJour Move Ultimate

Der Griff des BleuJour Move Ultimate weckt Erinnerungen an den Nintendo GameCube. (Image credit: Eugen Wegmann)

BleuJour Move Ultimate: Upgrades

Das Gute am Move Ultimate ist, dass man ihn auch abgesehen von den Konfigurationen, die BleuJour selbst anbietet, gut upgraden kann, was nicht zuletzt am verbauten Intel NUC 9 Extreme-Kit liegt. Dieses kommt mit drei M.2-Slots, zwei RAM-Slots für bis zu 64 GB Arbeitsspeicher (zwei Riegel à 32 GB) und einem PCIe-Slot für Grafikkarten. Es ist also durchaus möglich, den Move Ultimate mit minimaler Ausstattung zu kaufen und ihn mit eigenen Komponenten zu bestücken, denn das Highlight hier ist sowieso das Design.

Was uns bei der Auswahl an Grafikkarten von BleuJour auffällt, sind die PNY GeForce RTX 3080 und RTX 3090. In den Testberichten zu Nvidias Referenzkarten haben wir bereits festgestellt, dass bei der RTX 3080, spätestens aber bei der RTX 3090 der Prozessor beim Gaming zum Flaschenhals wird. In unseren Tests war das der AMD Ryzen 9 3900X, der in Singlecore-Benchmarks etwas und in Multicore-Benchmarks wesentlich besser performt als der Intel Core i9-9980HK. Solange man den Move Ultimate also nicht als Workstation für Videobearbeitung und 3D-Rendering verwenden will, gibt es keinen Grund, über die RTX 3070 hinauszugehen.

Fazit

BleuJour Move Ultimate Gaming-PC

(Image credit: Eugen Wegmann)

Fazit

Mit dem BleuJour Move Ultimate bekommt man einen superkompakten, extrem gut verarbeiteten und schön anzusehenden Gaming-PC, den man, ohne mit der Wimper zu zucken, auf den Tisch stellen kann.

Tatsächlich wäre es wegen seines Designs auch einfach viel zu schade, ihn irgendwo zu verstecken. Der PC will gesehen werden, aber nicht, weil er – im Gegensatz zu vielen anderen Gaming-PCs – blinkt und leuchtet wie ein Weihnachtsbaum, sondern genau ohne solchen Schnickschnack auskommt. Es handelt sich hierbei beinahe um ein dekoratives Kunstobjekt, das am Schreibtisch trotz seiner kompakten Bauweise etwas Platz braucht, damit sich das Design entfalten kann – dabei aber ordentliche Gaming-Performance bietet.

Doch hier liegt auch die Crux: Legt man weniger Wert auf Design oder will etwas, das in-your-face nach Gaming aussieht, bekommt man anderswo dieselbe Performance für weitaus weniger Geld. Denn selbst wenn man den Move Ultimate mit nur einer SSD und ohne Grafikkarte bestellt, landet man bei der Variante mit dem Intel Core i9-9980HK bei stolzen € 1.895 – und muss dann noch Geld für mehr Speicher und eine GPU ausgeben. Kunstobjekte wollen eben bezahlt werden.

Auch stört uns ein wenig, dass für das minimalistische Design selbst Frontanschlüsse geopfert werden mussten, die auf der Vorderseite mehr als genug Platz gehabt hätten und wahrscheinlich einigermaßen stilvoll eingearbeitet werden könnten.

Alles in allem finden wir das ein bisschen schade, weil wir vom Move Ultimate eigentlich sehr angetan sind. Da er aber so teuer ist und den meisten einfach nicht genug nach Gaming-PC aussieht, dürfte er im Gaming-Bereich nur eine sehr kleine, spezifische Nische bedienen, und zwar Gamer mit viel Geld und einem ausgeprägten Sinn für Design.

Vielleicht liegt hier auch das Problem: Das Werbematerial für den Move Ultimate richtet sich explizit an Gamer, aber so wirklich wohlfühlen würde er sich eigentlich eher in einem großen, hellen, modernen Büro in der Kreativbranche, wo sein zurückhaltendes Design auch gewürdigt werden kann.

Erstmals getestet im November 2020.

Eugen Wegmann ist Online-Redakteur für PurpleClouds Deutschland GmbH / TechRadar Region DACH und zuständig für Gaming und Computer-Hardware.