Eine Verzögerung des iPhone 14 ist vielleicht gar nicht so schlecht... für Apple

Ein iPhone XR in Rot
Das iPhone XR wurde von Apple erheblich verzögert, aber das hat den Verkaufszahlen nicht geschadet (Bildnachweis: Future)

Ich verrate dir ein Geheimnis: Vor Kurzem habe ich mit dem Gedanken gespielt, ob ich mir das in die Jahre gekommene iPhone XR kaufen soll. Ich überlegte, ob ich mir ein neues iPhone 14 zulegen oder nur sehr wenig Geld für eines der besten iPhones (Öffnet sich in einem neuen Tab) ausgeben soll, die ich je getestet habe.

Ich entschied mich dagegen - vor allem, weil ich gerade einen Langzeittest des iPhone 13 Pro Max (Öffnet sich in einem neuen Tab) beende und gespannt bin, was das iPhone 14 Max bringen wird.

Dann las ich zu meinem Entsetzen von möglichen Verzögerungen bei den Apple-Geräten im Jahr 2022 (Öffnet sich in einem neuen Tab), insbesondere beim neuen Max. Doch dann fragte ich mich: Wäre eine solche Verlangsamung wirklich eine schlechte Sache? 

Immerhin gab es beim iPhone XR (Öffnet sich in einem neuen Tab) große Verspätungen, und das hat sich über Jahre hinweg gut verkauft, also ist es nicht unbedingt ein Problem für Apple, wenn es auch in diesem Jahr Probleme gibt.

Spulen wir ein wenig zurück: Seit letztem Jahr gab es immer wieder Gerüchte, dass Apple Schwierigkeiten haben würde, seine neue iPhone 14-Serie rechtzeitig auf den Markt zu bringen. Vor allem ein Covid-Ausbruch in Shanghai hatte dazu geführt, dass einige Hersteller seiner Handys, wie Pegatron, die Produktion für kurze Zeit eingestellt hatten.

Das hat natürlich Auswirkungen auf alle, die am Tag der Markteinführung auf einen großen Nachschub an neuen iPhones hoffen - die Chancen dafür sind geringer, wenn sie im Moment nicht schnell hergestellt werden können.

Aber ist das etwas Schlechtes? Nehmen wir den Fall des iPhone 13 (Öffnet sich in einem neuen Tab), das letztes Jahr auf den Markt kam: Die Auswirkungen von Covid und die Chip-Knappheit führten dazu, dass das 2021er iPhone bis Februar 2022 nicht mit voller Kapazität produziert wurde - und trotzdem war es eine der meistverkauften iPhone-Reihen aller Zeiten (Öffnet sich in einem neuen Tab).

Die Rückseite eines iPhone 13 Pro

(Image credit: TechRadar)

Wie kann das sein, wenn die Produktion nicht ausgelastet war? Selbst im Dezember 2021, Monate nach der Markteinführung, hatte man noch Probleme, einige der iPhone-Modelle zu bekommen. Das iPhone 13 Pro (Öffnet sich in einem neuen Tab) und das iPhone 13 Pro Max waren ständig nicht in den Geschäften erhältlich und hatten lange Lieferzeiten.

Ich bin mir zwar sicher, dass Apple die Lagerbestände nicht absichtlich begrenzt hat, aber man muss sich nur den Eifer ansehen, der durch das Ausbleiben der PS5-Nachlieferung ausgelöst wurde, um zu sehen, wie groß die Begeisterung ist, wenn etwas nicht mehr auf Lager zu sein scheint.

Selbst jetzt höre ich noch, wie Leute eine PS5 kaufen und nicke zustimmend, als hätten sie einen tückischen Gipfel erklommen oder im Lotto gewonnen, da doch die Bestände nur spärlich vorhanden sind.

Die Psychologie des leeren Regals ist bekannt: Laut einer Studie der University of Alberta (Öffnet sich in einem neuen Tab) reagieren Käufer auf leere Regale mit größerer Manie als auf ein reichliches Angebot - in diesen Tagen können wir das hier in Deutschland sogar tagtäglich am eigenen Leib spüren, ich sage nur drei Wörter: Mehl, Öl, Toilettenpapier.

"Ein Mangel an gängigen Artikeln kann den Verbrauchern signalisieren, dass der Laden nicht richtig geführt wird, weil der Nachschub nicht richtig bestellt wurde." 

"Bei neueren Artikeln können die Geschäfte dies als Botschaft nutzen: Es lag nicht daran, dass sie nicht genug bestellt haben, sondern daran, dass sich das Produkt so schnell verkauft hat, dass niemand damit rechnen konnte, also kauft es, solange ihr könnt", sagt Paul Messinger, Professor an der University of Alberta's School of Business, dessen Studie den Verkauf zahlreicher Artikel wie Skipässe und Wein untersuchte.

Die Illusion der Begierde

Wenn Apple also bei der Markteinführung des iPhone 14 einen Lieferengpass hat, wird das wahrscheinlich dafür sorgen, dass die Lagerbestände schneller ausverkauft sind und diejenigen, die sich bisher noch nicht entschieden haben, ein iPhone zu kaufen, ein Gefühl der Dringlichkeit entwickeln.

Die Studie gibt uns auch einen Hinweis darauf, warum das iPhone 13 so ein Verkaufsschlager war, obwohl es im Vergleich zu den Vorgängermodellen kritisch betrachtet nicht um eine Liga besser war:

"Ausverkaufte Produkte vermitteln den Kunden ein Gefühl der Unmittelbarkeit; sie haben das Gefühl, dass, wenn ein Produkt ausverkauft ist, auch der nächste Artikel ausverkauft sein könnte", so Messinger weiter.

Auch das ist ein echtes Verkaufsargument für Apple. Die Gerüchte deuten darauf hin, dass das neue iPhone 14 Max bei der Markteinführung nicht in vollem Umfang verfügbar sein wird, was den Verbrauchern, die aufrüsten wollen, einen doppelten Anreiz bieten würde: Während viele auf das faszinierende neue Modell warten würden (das zwar billiger, aber leistungsschwächer als das Pro Max wäre, aber immer noch den größeren Bildschirm und den größeren Akku hätte), könnten andere von der Aufregung am "Tag des neuen Smartphones" so gefangen sein, dass sie sich für eines der verfügbaren Modelle entscheiden würden.

Ähnlich verhält es sich mit den Modellen iPhone 12 (Öffnet sich in einem neuen Tab) und iPhone 13, so dass die Verkäufe plötzlich viel mehr Sinn ergeben - vielleicht ist es jetzt doch an der Zeit, ein älteres iPhone XR gebraucht zu kaufen.

Franziska Schaub
Chefredakteurin

Franziska Schaub ist Chefredakteurin bei TechRadar Deutschland und unter anderem verantwortlich für die Bereiche Smartphones, Tablets und Fitness.


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