Skip to main content

Schutz vor Drohnen: Ist eine neue Pistole die Lösung?

Schutz vor Drohnen
(Image credit: Future)

Es brummt über den Köpfen, man sieht hoch und erblickt eine Drohne. Wie gerne würde man diese vom Himmel holen, wenn diese im eigenen Garten die Privatsphäre stört?

Tatsächlich ist es schon vorgekommen, dass Anwohner selbst zur Schusswaffe griffen und die Fluggeräte beschossen haben. Hierzu gab es im Anschluss diverse Gerichtsverfahren, in denen teils der Schütze des gefährlichen Eingriffes in den Luftverkehr, teils der Drohnenpilot des Verstoßes gegen die Drohnenverordnung und die Persönlichkeitsrechte schuldig gesprochen wurde.

Praktischer ist es, wenn man die Drohne zwingen könnte, vor Ort zu landen oder zum Steuerer zurückzukehren. So ließe sich auch der Standort des Steuerers feststellen.

Solche "Electronic Countermaeasures/ECM" (Deutsch = elektronische Gegenmaßnahmen) gibt es schon länger und werden beispielsweise bei großen Staatsbesuchen genutzt, um Personen wie den amerikanischen Präsidenten gegen einen Anschlag mittels Drohne zu beschützen. Hersteller wie DeDrone bieten bereits seit Jahren komplexe Systeme, um Drohnen aufzuspüren und diese landen zu lassen als auch den Steuerer zu lokalisieren.

Darüber hinaus gibt es proaktive Maßnahmen wie die sogenannten Bereichs-Jammer die in einem gewissen Radius alle GPS- und Wifisignale (Steuerfrequenzen der Drohnen) stören. Der Nachteil ist, dass man hier alle Geräte im Wirkungsradius durchgängig stört, auch solche, die eigentlich weiter funktionieren sollen.

Die Drohnenabwehr-Pistole Paladyne E1000MP

Die Drohnenabwehr-Pistole Paladyne E1000MP (Image credit: Drone Defence)

Schutz vor Drohnen: Notwendigkeit von Abwehr-Systemen

In den letzten Jahren ist die Anzahl ziviler Drohnen extrem gestiegen. Komplexe Systeme werden in der Industrie und der Filmbranche genutzt, aber dank des technischen Fortschritts kann jeder nach ein paar Minuten mit einer Drohne umgehen und coole Flugmanöver vollführen oder atemberaubende Videos und Fotos im Urlaub oder beim Sport machen.

Der Marktführer DJI hat mit seinen Produkten wie der bei Profis populären DJI Mavic 2 Pro oder der bei Einsteigern enorm beliebten DJI Mavic Mini den Markt für jedermann zugänglich gemacht. Immer öfter liegt eine Drohne unter dem Weihnachtsbaum oder bei den Geburtstagsgeschenken. Enorm stabil in der Luft, lange Flugzeiten, einfache Bedienung und tolle (Live-) Bildqualität.

Das hat aber auch seine Kehrseite. In Deutschland gab es bereits Ende 2018 fast 500.000 Drohnen, der Verband Unbemannte Luftfahrt (VUL) schätzt, dass bis 2030 fast eine Million Drohnen in Deutschland privat oder gewerblich genutzt werden.

Bei dieser Menge an Drohnen gibt es rein statistisch bereits einige Steuerer, die absichtlich oder unabsichtlich gegen die Gesetze zum Drohnenfliegen verstoßen. In einigen Fällen kann das zu ernsten Situationen führen, wenn Drohnen zum Beispiel Flughäfen, Flugzeugen, Rettungshelikoptern oder auch Kraftwerken zu nahe kommen.

Schutz vor Drohnen: Kompakt und gezielt

Es gibt wie erwähnt bereits Lösungen, die eine (reagierende) Drohnen-Abwehr ermöglichen, diese sind jedoch meist noch groß und entweder fest an Gebäuden oder auch auf großen Transportern verbaut, um mobil Gebiete abzusichern.

Seit ein bis zwei Jahren sind nun aber auch die ersten verlässlichen Serienmodelle kleinerer Handgeräte verfügbar, die gezielt Drohnen elektronisch bekämpfen können. Dedrone hat 2019 ein martialisch anmutendes Drohnengewehr namens DroneDefender vorgestellt, welches gezielt die Flugobjekte stören und zur Landung zwingen kann.

Schutz vor Drohnen

Der DroneDefender, ein 7,5kg schweres Anti-Drohnen Gewehr (Image credit: DeDrone)

Der DroneDefender von Dedrone bringt es allerdings auf stolze 7,5kg und ist damit kein Leichtgewicht. Die Aufmachung des Gerätes und ein Blick auf die Homepage des Herstellers verraten es dann auch schnell: dieses Gerät richtet sich vornehmlich an Militär und Polizei. Der DroneDefender wird aktuell zum Beispiel vom gesamten US-Militär im In- und Ausland verwendet.

Besonders Behörden und Flughäfen haben auch in Deutschland das Problem, bisher nicht angemessen auf Drohnen reagieren zu können. Die Fluggeräte werden genutzt, um Gegenstände über Justizanstalten abzuwerfen oder legen internationale Flughäfen über Stunden lahm. Der Flughafen Frankfurt oder auch der Flughafen Gatwick in London haben bereits schon öfter wegen gesichteten Drohnen den Flugbetrieb einstellen müssen. Dann summieren sich Millionenverluste innerhalb von Stunden.

Die Lösung wären komplexe und fest verbaute Systeme, die solche Drohnen lokalisieren - und je nach Abwehrsystem kann dann sogar die Kontrolle über das Fluggerät und die Kamera ergriffen sowie der Steuerer ermittelt und festgesetzt werden.

Solche Technik ist allerdings immens teuer. Eine schnelle und kostengünstigere Eingreiftechnik ähnlich dem DroneDefender wäre eine gute (Übergangs-) Lösung oder allgemein für mobile Einsätze hilfreich, sollte jedoch leichter sein und nicht so militärisch-martialisch wirken wie das Gewehr von Dedrone.

Schutz vor Drohnen

Die Paladyne E1000MP (Image credit: Drone Defence)

Der britische Hersteller DroneDefence hat hier nun die Lösung vorgestellt. Die Paladyne E1000MP ist quasi das Pistolen-Pendant zum DroneDefender. Das Gerät wirkt wie ein neuer Waffen-Controller für die Wii und hat damit keine militärische Optik, darüber hinaus ist die Anti-Drohnen Waffe mit 3,5 kg weniger als halb so schwer wie das erwähnte Gewehr.

Es kann ebenfalls sowohl die Steuersignale, das GPS Signal und das Videosignal der Drohne blockieren und ist mit einer Reichweite von 1km sehr effektiv.

Durch zwei unterschiedliche Antennensysteme kann man das Störsignal entweder breiter streuen oder bei direktem Sichtkontakt zur Drohne auch extrem gerichtet die Drohne anpeilen (und dabei vermeiden, andere Systeme zu stören).

Das System benötigt zwei Stunden, bis es hochgefahren und "geladen" ist. Danach ist es über 12 Stunden einsatzbereit. Die Akkus benötigen 4 Stunden Ladezeit.

Und wem das Weiß zu knallig ist, kann auch eine individuelle Lackierung wählen.

Schutz vor Drohnen: Einsatzgebiet der Paladyne E1000MP

Wer jetzt direkt eine Paladyne E1000MP Pistole für den Hausgebrauch kaufen möchte, wird leider enttäuscht. Das Anti-Drohnen System richtet sich exklusiv an Militär, Behörden, Betreiber sensibler Infrastruktur (wie Kraftwerke oder Flughäfen) und andere Einrichtungen mit Sicherheitsaufgaben.

Elektronische Störsysteme sind nämlich auch weiterhin für Zivilisten in Deutschland ohne Ausnahmegenehmigung nicht erlaubt.

Damit man selbst beim Drohnenfliegen nicht plötzlich abgefangen wird, sollte man sich immer zuerst informieren, ob man vor Ort auch wirklich fliegen darf. Hilfreich sind da die Internetseiten der deutschen Flugsicherung und des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.