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Gamification im Recruiting-Prozess – So gewinnt man die passenden Mitarbeiter

Unsplash | Vinicius Amano
(Image credit: Unsplash | Vinicius Amano)

Im Recruiting ist man immer auf der Suche nach neuen, effektiven Methoden, um die passenden Arbeitskräfte zu finden. Gamification ist ein Trend, der nicht nur im Alltag immer mehr Einzug hält. Auch im Bewerbungsprozess ist er längst angelangt. Aber wie kann man Spiele nutzen, um die besten Arbeitskräfte zu finden? Erfahre im Folgenden mehr zum Thema Gamification im Recruiting-Prozess.

Was ist Gamification?

Gamification beschreibt im Grunde eine spielerische Art und Weise, an ein bestimmtes Ziel zu kommen. Die spieltypischen Elemente, die dabei eingesetzt werden, nutzt man hier jedoch in einer eigentlich spieluntypische Umgebung – z. B. am Bahnhof, im Supermarkt oder im beruflichen Umfeld. Da wir Menschen das Spielen lieben und dadurch sogar zu bestimmten Handlungen animiert werden können, wird Gamification heutzutage von verschiedensten Instanzen genutzt.

Wird Gamification während des Recruiting-Prozesses eingesetzt, spricht man auch von Recrutainment. Dabei werden spielerische Elemente verwendet, um die Personalsuche (opens in new tab) zu verbessern und passende Bewerber mit den geeigneten Arbeitgebern zusammenzubringen.

Spielen während des Bewerbungsprozesses klingt natürlich erst mal etwas komisch. Deshalb muss man klarstellen, dass es sich natürlich nicht um ein klassisches Brett- oder Kartenspiel handelt. Es sollen lediglich spielerische Elemente genutzt werden, um den Recruiting-Prozess aufzulockern und mehr über die Eigenschaften und Fähigkeiten der Bewerber zu erfahren.

Gamification im Recruiting: Wann kann man es einsetzen?

Gamification kann sowohl vor der eigentlichen Bewerbung als auch währenddessen eingesetzt werden. Noch bevor sich jemand auf eine bestimmte Stelle bewirbt, kann beispielsweise ein spielerischer Selbsttest eine gute Option sein. Dort erfährt die Person schon zu Beginn des Prozesses, ob sie für die jeweilige Stelle geeignet ist. Aber auch Firma und Recruiter können dadurch die Bewerber:innen besser einschätzen.

Im Zuge eines Vorstellungsgesprächs oder eines anderen Bewerbungstermins können den Bewerbern Aufgaben mit spielerischem Charakter gestellt werden, die sie lösen sollen. Diese können einerseits ihre fachlichen Kompetenzen überprüfen, aber auch auf Charaktereigenschaften wie Kreativität oder logisches Denken abzielen.

Die spielerischen Elemente müssen dabei nicht übermäßig kompliziert sein, sie können durchaus auch aus simplen Ja/Nein-Fragen bestehen. Wichtig ist nur, dass man als Recruiter durch das Spiel genau das erfährt, was man von den Bewerbern wissen will. Nun aber zu konkreten Beispielen.

Recrutainment in der Praxis: So kann es aussehen

Gamification konnte sich im Recruiting-Prozess vieler großer und kleiner Unternehmen bzw. Institutionen bereits erfolgreich durchsetzen. Von einfachen interaktiven Fragebögen bis hin zu aufwendigen Simulationsspielen – all diese Games können Aufschluss über die fachliche und persönliche Eignung der Bewerber geben.

U.S. Army als Vorreiter

Die U.S. Army war eine der ersten Institutionen, die Gamification für ihre Rekrutierungsprozesse nutzte. Dafür programmierten sie ein Ego-Shooter-Spiel, das die Bewerber in ein virtuelles Kriegsszenario versetzte. Mithilfe des Spiels sollten unter anderem taktisches Geschick, Reaktionszeit, Stressresistenz und Entscheidungsgeschwindigkeit getestet werden. Aber keine Angst, in Deutschland ist ein Ego-Shooter-Spiel beim Bewerbungsgespräch keine Option – auch beim Militär nicht!

Simulationsspiele bei Siemens & Marriott

Was jedoch durchaus in deutschen Firmen zum Einsatz kommt, sind andere Simulationsspiele, die spezielle Fähigkeiten von bspw. Servierkräften oder Hotelmanagern testen. So setzt etwa Siemens das virtuelle Spiel „Plantville“ beim Recruiting von Facility Managern ein, während die Hotelkette Marriott im Spiel „My Marriott Hotel“ die Fähigkeiten von angehenden Hotelmanagern testet.

Codes knacken beim Britischen Geheimdienst

Der britische Geheimdienst nutzte außerdem bereits komplizierte Programmieraufgaben, bei denen die Bewerber einen Cryptocode knacken mussten. Erst durch die Lösung der Aufgabe, konnte man sich dort bewerben. Aber das ist natürlich nicht die Regel. Meist sind es weitaus einfachere Spiele, die zum Einsatz kommen.

Die Vorteile von Gamification im Recruiting-Prozess

Im Bewerbungsprozess bringt Gamification viele Vorteile mit sich, aber die folgenden stechen hervor.

Bessere Einschätzung der Bewerber

In erster Linie hilft Gamification den Recruitern bzw. Unternehmen bestimmte Fertigkeiten abzufragen – insbesondere auch jene, die in Standard-Bewerbungen oft untergehen. Dazu zählen etwa Kreativität oder kombinatorische Fähigkeiten. So gelingt eine bessere Einschätzung der Personen, was in der Folge auch den Recruiting-Prozess beschleunigt und die Trefferquote an passenden Arbeitskräften erhöht.

Förderung von Entspannung und Motivation

Gleichzeitig entspannt eine spielerische Umgebung die Entspannung der Bewerber. So können sich diese eher so zeigen, wie sie wirklich sind – ohne die Aufregung eines Bewerbungsgesprächs. Die Recruiter können somit auch besser einschätzen, ob die Person zum Unternehmen passt. Weiterhin kann ein Spiel aus der digitalen Welt (opens in new tab) auch die Motivation der potenziellen Arbeitskräfte fördern.

Employer Branding durch Gamification

Setzen Unternehmen Gamification zur Rekrutierung von neuen Arbeitskräften ein, kann sich das stark auf das Employer Branding (opens in new tab) auswirken. Durch die Nutzung von originellen Recruiting-Maßnahmen, wird die Firma bzw. Institution als modern, flexibel, innovativ und kreativ wahrgenommen. Das kann das Unternehmen vor allen für jünger Bewerber zu einem attraktiven und interessanten Arbeitgeber machen.

Nicht immer die beste Wahl: Nachteile von Gamification im Recruiting

Nicht für jedes Unternehmen ist Gamification die beste Wahl, um potenzielle Bewerber anzusprechen. Deswegen sollten man sehr gut abwägen, ob es dem Unternehmen überhaupt nützt, bevor man die umfangreiche Projektplanung in Angriff nimmt – zumal die Entwicklung eines Spiels durchaus teuer werden kann. Außerdem ist es mit Sicherheit nicht für jeden Posten sinnvoll, Gamification einzusetzen.

Und zu guter Letzt muss das entwickelte Spiel natürlich auch das bringen, was man sich davon verspricht: Das Spiel soll sinnvolle Rückschlüsse auf die Kompetenzen der Bewerber ermöglichen. Ansonsten hat es seinen Zweck verfehlt.

Fazit: Gamification gegen eintönige Bewerbungsprozesse

Auch wenn Computerspiele heutzutage meist einen schlechten Ruf haben, so sind gezielt eingesetzte spielerische Elemente dennoch eine gute Möglichkeit, die Kompatibilität von Bewerber und Unternehmen besser einschätzen können. Allerdings muss man natürlich abwägen, ob Recrutainment für das jeweilige Unternehmen und die ausgeschriebene Position auch wirklich zielführend ist. Aber eines ist klar: Gamification ist ein spannendes Mittel, um Bewerbungsprozesse für beide Seiten interessanter zu gestalten.