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Amazon Prime Video: Warum bist du so schlecht?

Ein Blick auf das User Interface von Amazon Prime Video
(Image credit: Amazon)

Bevor du in diesen Artikel einsteigst, gebe ich dir einen kleinen Hinweis. Mein Kollege Henry bekundete bereits 2020 - also bereits vor zwei Jahren - seinen Unmut über die Probleme mit Prime Video. Und oh Wunder, sie sind auch heute noch aktuell. Aber was genau stimmt denn nicht? Lass es uns herausfinden!

Amazon Prime Video ist in vielerlei Hinsicht eine Erfolgsgeschichte. Als Konkurrent des führenden TV-Streamingdienstes Netflix und als Vorteil einer Amazon Prime-Mitgliedschaft - mit Lieferung am nächsten Tag, Amazon Music Unlimited und vielem mehr - hat sich der On-Demand-TV-Dienst in den letzten Jahren fest in unseren Köpfen festgesetzt.

Mit außergewöhnlichen Amazon Originals wie The Boys oder The Marvelous Mrs. Maisel sowie hochkarätigen Titeln wie The Farewell oder The Handmaiden (Die Taschendiebin) ist es nicht schwer zu verstehen, warum sich die Zuschauer zu diesem Dienst hingezogen fühlen - vor allem, wenn ein Abonnement alle möglichen exklusiven Angebote beim Shoppen und eine schnellere Lieferung mit sich bringt. Aber die Art und Weise, wie die Nutzer gezwungen sind, sich auf der Plattform zurechtzufinden, ist noch verbesserungsbedürftig.

Das Hauptproblem von Amazon Prime Video ist, dass es ganz offensichtlich als Ableger der Amazon Prime Website entwickelt wurde und nicht als eigenständige TV-Plattform.

Das hat zu einer Reihe von Problemen bei der Benutzerfreundlichkeit geführt, z. B. dazu, dass die Fernsehserien in den Amazon-Suchergebnissen getrennt aufgelistet werden, anstatt unter einem einzigen Banner zu erscheinen - eine Fortsetzung der Zeiten, als Amazon eher DVDs versandte als Hit-Serien zu streamen. 

Titel werden immer noch als einmalige Käufe behandelt und nicht als Entertainment-Erlebnisse, bei denen die Zuschauer ein gewisses Maß an Kontinuität erwarten. Um überhaupt Titel in der Browser-App zu finden, musst du in der Suchleiste zwischen "Premium Beauty" und "Schuhe und Taschen" "Prime Video" auswählen.

(Image credit: Amazon / TechRadar)

Das Ergebnis: Die Suche nach Buffy the Vampire Slayer (oder einer anderen Amazon-Fernsehserie) ist visuell verwirrend und die Plattform schafft es nicht einmal, die Staffeln in der richtigen Reihenfolge aufzulisten. Auf Browsern werden die Suchergebnisse außerdem mit "gesponserten" Artikeln aus dem Verkaufsbereich der Website eingeleitet, d. h., selbst wenn du gezielt nach Prime Video suchst, werden dir stattdessen andere Kaufoptionen angezeigt.

Unser Redakteur für Unterhaltung, Samuel Roberts, stimmt dieser Design-Mentalität zu: "Sie denken, dass du Prime Video als Vorteil einer Prime-Mitgliedschaft siehst und nicht als eigenständigen Dienst."

Du kannst weiterschauen - aber nicht dort, wo du aufgehört hast!?

Mehrere Mitglieder des TechRadar-Teams haben keine Probleme mit der Amazon Prime Video App, Serien werden dort fortgesetzt, wo sie aufgehört haben. Mein Kollege Henry allerdings hatte schon Sitcoms, die in der falschen Folge, in der falschen Staffel und sogar im falschen Teil einer neuen Folge fortgesetzt wurden (z. B. wurden die Vorspannszenen in Parks and Recreation übersprungen).

Das sind kleine, unregelmäßige Probleme, die sich leicht beheben lassen, indem du manuell nach der entsprechenden Episode suchst. Es gibt auch viele Dinge, die Amazon Prime Video richtig macht, wie z. B. die einzigartige X-Ray-Funktion, die die Produktionsdatenbank von IMDb durchsucht, um dir zu sagen, welche Schauspieler gerade auf dem Bildschirm zu sehen sind, dich über den laufenden Soundtrack zu informieren und dir allgemeine Informationen über die Serie zu geben.

(Image credit: Amazon / TechRadar)

Ein Problem, das den Dienst seit seiner Einführung plagt, ist die unklare Unterscheidung zwischen den Videoinhalten, die in einer Prime-Mitgliedschaft enthalten sind und denen, die nicht enthalten sind. Es gibt viele Titel, die man ausleihen oder kaufen kann, und es kann leicht passieren, dass man durch die Inhaltsreihen auf der Website blättert und sich für einen Titel entscheidet, um dann festzustellen, dass man einen Aufpreis zahlen muss.

Dies wurde durch die Einführung eines "Free to me"-Reiters verbessert, in dem Titel aufgelistet sind, die mit einer Prime-Mitgliedschaft kostenlos angesehen werden können - im Gegensatz zum "Store", in dem nach wie vor Leih- und Kauftitel aufgeführt sind.

Amazon hat jedoch einen großen finanziellen Anreiz, die Nutzer zu zusätzlichen Käufen zu bewegen, und es ist bezeichnend, dass die Homepage diese Titel immer noch großzügig mit Filmen und Serien mischt, für die zusätzliche Amazon Channels-Abonnements wie HBO, Showtime, Cinemax oder MUBI erforderlich sind. Alle verfügbaren Inhalte zu zeigen und dann die Bezahlschranke hochzuziehen, sobald du dich für einen Titel entschieden hast, wirkt immer wieder irreführend.

Sana Rao, der frühere Head of User Experience bei Deliveroo, sagt uns, dass Amazon Prime Video "rein auf die Konversion und nicht auf das Nutzererlebnis optimiert ist".

"Die Mentalität im E-Commerce unterscheidet sich sehr von der im Streaming", sagt Rao. "Die Website ist sehr stark von der E-Commerce-Mentalität geprägt: Du gehst auf die Website, weißt, was du willst, suchst danach und bekommst es."

Wenn du jedoch keine persönliche Vorliebe für deinen Kauf hast, ist die fehlende Kuratierung ein Stolperstein, der dir die Navigation und die Auswahl der Sendungen erschwert: "Alles wird dir präsentiert, als ob du in einem Walmart-Gang 200 verschiedene Waschmittel siehst, und keines davon wird dir als besser vorgestellt."

Für einen Prime-Abonnenten oder jemanden, der mit exklusiven Filmen und Serien von Amazon gelockt wird, gibt es viele Gründe, das Angebot zu nutzen. Aber es ist klar, dass die Benutzeroberfläche von Amazon Prime Video das Benutzererlebnis (und damit die Benutzer) nicht an die erste Stelle setzt.

Franziska Schaub
Chefredakteurin

Franziska Schaub ist Chefredakteurin bei TechRadar Deutschland und unter anderem verantwortlich für die Bereiche Smartphones, Tablets und Fitness.


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