Im Test: A Plague Tale: Requiem

Bildhübscher, historischer Eskapismus

A Plague Tale Requiem Screenshot
(Image: © Focus Entertainment)

TechRadar Fazit

A Plague Tale: Requiem, das Sequel zum Abenteuer rund um das Geschwisterpärchen Amicia und Hugo, weiß erneut durch eine absolut bombastische Story und wunderhübsche Bilder bei uns zu punkten. In etwas mehr als 20 Stunden begleitet man eine Geschichte sondergleichen, die einzig durch Macken wie suboptimale Optimierung auf Konsole und ihr recht behäbiges Pacing Federn lässt.

Pros

  • +

    Bildhübsche Umgebungen, Figuren und Szenerien

  • +

    Geschichte und Soundtrack, die direkt ins Herz gehen

Cons

  • -

    Im Hinblick auf KI bleibt großer Fortschritt aus

  • -

    Recht miserable Optimierung auf Konsolen

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2-Minuten-Rezension

Tod, Leid und Hoffnungslosigkeit – die Welt von A Plague Tale: Requiem ist noch immer von den Themen betroffen, die auch den Erstling zu einem interessanten, aber äußerst düsteren Abenteuer machten. Wer sich eine gelungene Fortsetzung des ersten Abenteuers der Geschwister Amicia und Hugo de Rune erhofft hat, der wird allerdings in vielerlei Hinsicht bestens versorgt.

Informationen zum Testbericht

Spielzeit: 22 Stunden

Plattform: Xbox Series X, PC 

Die Kampagne ist doppelt so lang, die Welt und ihre Charaktere sind noch detaillierter und auch in Sachen Gameplay wurden einige sinnvolle Optimierungen vorgenommen. Das größere Budget – welches durch den Erfolg des Erstlings begründet wurde – dürfte hier sinnvoll investiert sein.

Wie auch in Innocence von 2019, muss sich das Geschwisterpaar de Rune dabei in Requiem mit der Ratten, Söldnern und anderen Schrecken plagen, während einzig die familiäre Zuneigung zueinander sie als friedvoller Funke durch das verseuchte Südeuropa begleitet. Aufgelockert wird der Überlebenskampf hierbei immer wieder durch tolle Rätsel und abwechslungsreiche Kulissen. 

Jedoch ist auch Requiem nicht fehlerfrei. Gerade in Sachen Optimierung (auf Konsolen) und dem Pacing der Geschichte hätten wir uns oft noch etwas mehr Feinschliff gewünscht. Insgesamt bleibt Requiem aber allein für seine fantastische Story einen Playthrough wert und gehört zu unseren jüngeren Spiele-Highlights!

A Plague Tale: Requiem: Preis und Veröffentlichungstermin

  •  Was ist es? Asobo Studios Fortsetzung des großen Action-Adventure-Erfolgs
  •  Wann erscheint das Sequel? Am 18. Oktober 2022
  •  Was kostet A Plague Tale: Requiem? Zu haben ab 49,99 Euro (PC) bzw. 59,99 Euro (Konsole)
  •  Wo kann ich A Plague Tale: Requiem spielen? Wahlweise auf PC, Playstation 5 (Öffnet sich in einem neuen Tab) oder Xbox Series X (Öffnet sich in einem neuen Tab)|S (Öffnet sich in einem neuen Tab)

Die Fortsetzung des Pestmärchens

Am Anfang ist noch alles gut...

(Image credit: Focus Entertainment)

Bereits der Erstling, A Plague Tale: Innocence, musste sich aufgrund der Stealth- und Survivalelemente sowie der Paar-Dynamik unserer Protagonisten den Vergleich zum großartigen The Last of Us (Part 1) (Öffnet sich in einem neuen Tab) gefallen lassen. Und auch die jeweiligen Nachfolger der IPs weißen einige Parallelen zueinander auf. 

Einerseits erkennbar im actionreicheren Gameplay und den neuen Möglichkeiten, die in beiden Titeln eingeführt wurden. Andererseits ist aber auch die Charakterentwicklung der weiblichen Protagonistinnen gar nicht weit voneinander entfernt. Entsprechend muss sich auch Amicia de Rune in Requiem, wie einst Ellie in The Last of Us, mit ihren Gewalttaten, dem wachsenden Leichenkonto und psychischen Folgen dessen auseinandersetzen...

...zumindest in den frühen Spielabschnitten. Leider geht dieser Handlungsstrang zunehmend unter – oder wird zumindest hintergründig –, sobald sich im weiteren Verlauf das Geschehen auf die Rettung des krankheitsgeplagten Hugo konzentriert.

A Plague Tale begleitet das Geschwisterpaar mitunter auch durch einige erholsamere Passagen, jenseits vom Überlebenskampf gegen Ratten, Soldaten und Co.

(Image credit: Focus Entertainment)

Im Verlauf der umfangreichen Geschichte beruft sich die Fortsetzung einmal mehr auf die Qualitäten des ersten A Plague Tale-Abenteuers von Asobo Studio. Entsprechend wechselt die Szenerie im angenehmen Tempo zwischen verseuchten, heruntergekommenen Ortschaften, die Ekel und Unbehagen hervorrufen, sowie bildhübschen Szenerien, die der Current-Gen mehr als würdig sind und uns mit fantastischen Bildern eines mittelalterlichen Südeuropas entzücken – da macht nicht nur Hugo große Augen!

Apropos Hugo: Es ist natürlich Geschmacksfrage, ob man den kleinen Bruder von Amicia wertschätzt oder eher als lästig empfindet. Wir müssen allerdings gestehen, dass uns Hugo, nach knapp zwei Dutzend Spielstunden, als äußerst angenehmer und nahbarer Weggefährte in Erinnerung bleiben wird. Ja, er ist ein Kind und häufig dementsprechend ungestüm oder gar anstrengend... aber irgendwie macht genau das diesen Charakter sowie dessen Ängste oder Vorlieben nachvollziehbar und realistisch.

Es ist natürlich Geschmacksfrage, ob man den kleinen Bruder von Amicia wertschätzt oder eher als lästig empfindet.

Insgesamt entspinnt sich in A Plague Tale: Requiem eine höchst interessante Geschichte, die für uns einmal mehr die größte Stärke des Titels darstellte. Insbesondere infolge der letzten Kapitel entwickelt sich ein fesselndes Erlebnis, dass mit vielen Highlights sowie spannenden Charakterentwicklungen der De Rune-Geschwister sowie ihrer Begleiter aufwartet.

Vielfalt gegen die Plage

Amicia ist neuerdings auch mit einer schicken und besonders mächtigen Armbrust ausgestattet

(Image credit: Focus Entertainment)

Jedoch macht Requiem nicht nur im Hinblick auf die Story einen gewaltigen Schritt nach vorn. Auch spielerisch wurde aufgestockt und entsprechend greift Amicia inzwischen auf ein deutlich größeres Waffen- und Werkzeugarsenal zurück, welches sie gegen die Nager und Söldner schützen soll. 

Das Highlight dürfte im Sequel die Armbrust darstellen, dank derer sich Amicia fortan schneller und todbringend um behelmte Widersacher kümmern kann. Meist wirst du dich allerdings nach wie vor mit der altbewährten Schleuder zur Wehr setzen. Primär liegt das an der Ressourcenknappheit im zweiten Teil, die vor allem die Pfeile betrifft und vorausschauendes Agieren vom Spieler verlangt. 

Spielerisch hat uns aber auch die Änderung in Hinblick auf die Gameplay-Progression gut gefallen. Zwar ist auch wieder einmal die Werkbank für Erweiterung der Taschen und ähnliche Spielereien mit von der Partie, ergänzt werden die Upgrademöglichkeiten aber durch ein spannendes Fertigkeitensystem, welches sich am präferierten Spielstil des Spielenden orientiert.

Infolgedessen werden also Schleichmanöver durch entsprechende Freischaltungen für Leisetreter belohnt, während Kampf- und Ablenkungsmanöver entsprechende Fähigkeiten und Verbesserungen in den jeweiligen Kategorien freischalten. Es ergibt sich ein recht frisches System, in welchem sich Fähigkeiten an deinen Spielstil anpassen, statt umgekehrt. 

Steine im Weg...

A Plague Tale Requiem bietet beeindruckende Einblicke in grandiose Spielwelt von Südeuropa

(Image credit: Focus Entertainment)

Nach zahlreichen Lobgesängen ergibt sich ein positiver Gesamteindruck, der leider vereinzelt durch weniger gelungene Elemente und Fauxpas getrübt wird.

Im Hinblick auf das Gameplay geschieht das vor allem durch eine (spürbar) kaum verbesserte KI der Widersacher. Diese ist zwar noch immer solide – wie auch im Erstling –, aber eben auch nicht mehr. Hier hätten wir uns mehr Konsequenz gewünscht, wo der Rest doch recht gut an moderne Standards angepasst wurde. 

Außerdem lässt sich der Innocence-Nachfolger sehr viel Zeit bei seiner Erzählung. Das kann man mögen, da hiermit immerhin viele Charaktere mehr Tiefe und Interaktionsraum beschert bekommen... wir können aber auch die Stimmen verstehen, denen die Hauptgeschichte dadurch zu aufgeblasen und langatmig wird. Gewiss ein Streitpunkt, aber bei 20 Stunden womöglich noch verkraftbar.

Weniger gut verkraften dürften einige Spieler wohl eher die schlechte Optimierung des Titels auf Konsolen. Zumindest finden wir die festgelegten 4K und 30FPS ohne Anpassungsoptionen im Hinblick auf Leistung oder Qualität recht fragwürdig. Und da wir bezweifeln, dass die aktuellen Konsolen bereits so früh in ihrem Lebenszyklus in die Knie gezwungen worden, wünschen wir uns hier noch etwas mehr Nach- und Optimierungsarbeit in Form von dem ein oder anderen Patch.

Fazit: The Best of the Pest 

Das Geschwisterpaar muss sich mitunter auch mit der beklemmenden Atmosphäre auseinandersetzen

(Image credit: Focus Entertainment)

Ist A Plague Tale: Requiem fehlerfrei? Keineswegs.
Ist der Innocence-Nachfolger dennoch ein tolles Spiel? Absolut!

A Plague Tale: Requiem begeistert allein mit der Kampagne, die die Story rund um Amicia und Geschwisterchen Hugo fortführt, bereits Fans des Erstlings. Durch spielerische Finesse und sinnvollen Neuerungen dürften aber auch einige neue Interessenten hinzugewonnen werden. Außerdem ist das größere Budget deutlich erkennbar und lässt beinahe Vergessen, dass es sich hierbei noch immer nur um einen AA-Titel handelt.

Stealth- und Rätsel-Einlagen sind zum Großteil gelungen, die gezeigten Bilder sind atemberaubend und laden zum Verweilen ein, während das hohe Interesse an der Story einen zeitgleich aber immer vorantreibt. Insgesamt ist A Plague Tale: Requiem ein wundervolles, modernes und spielbares Märchen, welches trotz kleinerer Macken schon jetzt zu unseren Spiele-Highlights im aktuellen Kalenderjahr zählt.

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.