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Filmkritik: 007 James Bond - Viel Zeit zu sterben

Daniel Craig in No Time to Die
(Image credit: MGM Studios)

Im neuen 007 Streifen „Keine Zeit zu sterben“ gibt man uns mit 163 Minuten den bisher längsten Film der Reihe und lässt uns ein weiteres Mal neben Daniel Craig weitere großkalibrige Schauspieler auf der Leinwand bestaunen. Rami Malek spielt Lyutsifer Safin, der diesmal den Gegenspieler von James Bond darstellt und durch seine Pläne eine neue Weltordnung erschaffen will. 

Für Mr. Bond allerdings kein günstiger Zeitpunkt. Dieser befindet sich nach seinen Erlebnissen in "Spectre" nämlich im Ruhestand mit Madeleine Swann, welche erneut von Léa Sevdoux verkörpert wird. Es lässt sich schon recht früh erkennen, dass das scheinbare Paradies nur von kurzer Dauer sein wird und die wundervollen Schauplätze von Matera in Italien in den nächsten Minuten mit Kugeln und Explosionen überzogen werden.

Nach einem Ereignis, welches hier nicht gespoilert werden soll, gibt es einen Zeitsprung von 5 Jahren und Felix Leiter (Jeffrey Wright), ein alter Freund von der CIA, macht Bond ausfindig und bittet ihn um Hilfe. Die Rettung der Welt kann beginnen!

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Frauenpower

Lashana Lynch in No Time to Die

(Image credit: MGM)

Zieht man die bisherigen James-Bond-Filme mit Daniel Craig heran und vergleicht diese mit "Keine Zeit zu sterben" könnte man vermuten, dass James Bond über sein Frauenbild nochmal nachgedacht hat.

Besonders in den Szenen mit Paloma (Ana de Armas) wird das deutlich. In ihrer Rolle als frisch gebackene Agentin, macht sie James Bond zwar hübsche Augen, allerdings zögert dieser an Stellen sie zu verführen. In Casino Royale oder Quantum Trost noch undenkbar. Es ist wirklich schade, dass ihre Rolle in dem Films nur kurz ausfällt, da sie als Duo mit Craig eines der Highlights war.

Auch die Einführung von Nomi (Lashana Lynch) als neue 00 Agentin spielt mit dem Frauenbild von 007 der vorhergehenden Filme. Sie dreht den Spieß der Verführungsspielchen von James Bond gekonnt um und kontert gewitzt mit prägnanten Sprüchen. 

Abseits dieser Szenen wirkt der Humor eher aufgesetzt und reicht maximal für ein leichtes Schmunzeln.

Zähe Unterhaltung

James Bond in No Time To Die.

(Image credit: © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED.)

Da es sich bei "Keine Zeit zu sterben" um den längsten James-Bond-Film überhaupt handelt, stellt sich die Frage, ob die 163 Minuten auch unterhaltsam sind?  Cary Joji Fukunaga (Regisseur) hätte den Film deutlich kürzen können, ohne dass den Zuschauern etwas gefehlt hätte. Die Action gibt dem Film zwar ein gutes Tempo, allerdings wird dieser Fluss durch zähe Dialoge gebremst. Besonders die zweite Hälfte des Films erfordert Geduld und Sitzfleisch. "Keine Zeit zu sterben" versucht zu viele Erzählstränge gleichzeitig zu bedienen und wird den dadurch geweckten Ansprüchen nicht gerecht. 

Man hat hier versucht mehrere Dinge unter einen Hut zu bringen. Zum einen wollte man möglichst vielen Weggefährten von James Bond aus den vorhergehenden Filmen nochmal zeigen, gleichzeitig einen neuen Schurken einführen und neuen  Charakteren ebenfalls die nötige Zeit auf der Leinwand geben. Dadurch fügt sich allerdings nichts davon wirklich stimmig in den Film ein und die Erzählstränge zerfasern sich. Wäre der Film 20 - 25 Minuten kürzer gewesen, hätte es nicht geschadet.

Maleks Fluch

Rami Malek as Lyutsifer Safin in No Time to Die

(Image credit: Universal Pictures/MGM)

Rami Malek ist ein Schauspieler, der eine wirklich großartige Performance auf der Leinwand darbieten kann. Das hat er uns spätestens in seiner Rolle als Freddie Mercury in "Bohemian Rhapsody" gezeigt und dafür auch verdientermaßen den Oscar erhalten. 

In "Keine Zeit zu sterben" kann Malek jedoch nicht viel von seiner Leistung als Schauspieler zeigen. Das liegt auch nicht an Rami Malek, sondern an der schwachen Rolle die er ausfüllen muss. Seine Rolle als Lyutsifer Safin hat die Diabolik zwar schon im Namen, allerdings ist dieser Bond Bösewicht der wohl langweiligste der gesamten Daniel Craig Reihe. Sein Motiv wird den gesamten Film über nämlich nicht wirklich klar und seine Handlungen und Aussagen sind platt oder haben sogar Logiklücken.

Vergleicht man Safin beispielsweise mit Le Chiffre aus "Casino Royale" wird einem klar, wie unterschiedlich gut Bösewichte geschrieben sein können. Bei Le Chiffre ist das Motiv klar und seine Handlungen werden dadurch nachvollziehbarer. Er ist kein Schurke, der einfach nur böse ist und durch stumpfe Rache angetrieben wird. Nein! Er ist ein Schurke, der selbst von Schurken bedroht wird und er dadurch zu drastischen Maßnahmen gedrängt wird. 

Das man für einen so eindimensionalen Bösewicht ein Talent wie Rami Malek einsetzt, ist schwer zu ertragen und nimmt dem Film auch den primären Spannungsbogen.

Action aus zwei Welten

No Time to Die still shot

(Image credit: MGM)

Wenn 007 auf dem Kinoticket steht, darf natürlich nicht die fulminante Action fehlen und die bekommt ihr garantiert in "Keine Zeit zu sterben" ... wenn auch mit einigen Abstrichen.

Im ersten drittel des Filmes gibt es eine Szene, die viele Facetten gleichzeitig bedient und - in einem positiven Sinne - merkwürdig anzusehen war. James Bond ist zusammen mit Madeleine Swann auf der Flucht vor Spectre. Sie werden eingekesselt und geraten unter schweren Beschuss. Eine Schrotflinte feuert nur wenige Zentimeter von der Scheibe entfernt ununterbrochen auf das kugelsichere Fenster und man spürt förmlich, wie das Glas immer weiter  nachgibt. Swann gerät immer mehr unter Panik, während Bond resigniert daneben sitzt und erst nach mehreren Aufforderungen zum Gegenschlag ausholt. 

So toll diese Situation in Szene gesetzt worden ist, desto schwächer sind leider andere Actionsequenzen in diesem Film. Der Schnitt wirkt zu schnell, die Action zu plump und man soll durch kurze unpassende Oneliner zum Lachen gebracht werden. Verlässt man das Kino, wird man das Gefühl nicht los zwei verschiedene James-Bond-Filme gesehen zu haben.

Fazit

No Time to Die

(Image credit: Danjaq / Universal Pictures)

Daniel Craig hat seine Rolle als James Bond in den nun insgesamt fünf Filmen überzeugend rübergebracht und jeder James Bond Fan sollte sich "Keine Zeit zu sterben" ansehen. Besonders in der ersten Hälfte des Filmes gibt es großartige Schauplätze und Action-Szenen zu bestaunen und man hat einfach nur Spaß im Kinosessel zu sitzen.

James Bond Fans und Cineasten sollten sich den Film definitiv ansehen, allerdings sollte man hier nicht den besten Bond-Film aller Zeiten erwarten und auch nicht den besten mit Daniel Craig. 

Dadurch, dass der Bösewicht zu eindimensional ist, sich die Erzählstränge zu sehr zerfasern und der Film gefühlt 20 Minuten zu lang geht, kann man hier leider nicht von einem Meisterwerk reden. Es ist eben nur ein mittelmäßiger Abschluss der James Bond Ära mit Daniel Craig und es ist schade, dass das vorhandene Potenzial in sämtlichen Bereichen nicht vollständig in diesen Film eingeflossen ist.