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Dune ist eine Pflichtveranstaltung für alle Sci-Fi-Fans und die bisher beste Verfilmung des Kult-Romans

Timothee Chalamet und Rebecca Ferguson in Dune
(Image credit: Chiabella James/Warner Bros.)

Seit seiner Oscar-Nominierung für die beste Regie bei „Arrival“, spätestens aber mit dem bildgewaltigen „Blade Runner 2049“, gilt der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve als Garant für visuell anspruchsvolles High-Concept-Science-Fiction. Bei Letzterem hat er auch gekonnt zur Schau gestellt, dass er einen vorhandenen Stoff aufgreifen und würdig darauf aufbauen kann, denn unter der Vielzahl von Fortsetzungen, Remakes und Spin-offs von älteren Kultfilmen steht „Blade Runner 2049“ als einer der wenigen Filme da, die ihrer Vorlage weitestgehend treu bleiben.

Zu behaupten, dass es eine logische Schlussfolgerung sei, wäre vielleicht zu viel des Guten. Aber zumindest die Voraussetzungen waren soweit gegeben, dass sich Villeneuve nun dem nächsten Kult und, wie er in einem Interview mit Stephen Colbert vor ziemlich genau einem Jahr sagte, einer der prägendsten Geschichten seiner Kindheit und Jugend widmen konnte: Frank Herberts „Dune“, ein Mammutwerk, an dem sich 1984 bereits David Lynch und 2000 John Harrison ausgebissen hatten und eine Handvoll anderer gescheitert waren.

Dune bewegt sich vom Anspruch her irgendwo zwischen High-Concept „Arrival“ und Fan-Service-Popcorn-Kino wie den letzten drei „Star Wars“-Filmen. In Dune ist für jeden etwas dabei: Sci-Fi-Fans, die gerne etwas tiefer in die Materie eintauchen, werden viel Gefallen an Villeneuves world building finden, während Fans von Action, Explosionen und gewaltigen set pieces auch nicht auf dem Trockenen bleiben müssen.

Josh Brolin als Gurney Halleck, Oscar Isaac als Fürst Leto Atreides und Stephen McKinley Henderson als Thufir Hawat in Dune

(Image credit: Warner Bros. Pictures/Legendary Pictures)

Wie die Faust aufs Auge

Was man zuerst über den neuen „Dune“ wissen sollte, ist, dass es sich hierbei um den ersten von zwei Teilen handelt. Villeneuve ist nämlich der Meinung, dass ein einziger Film dem ersten Buch von Frank Herbert nicht gerecht würde – etwas, was seinerzeit der Version von David Lynch angekreidet wurde – und er es des halb in zwei Teile aufteilen wollte.

Wer also in den neuen „Dune“ geht, nach dem kurzen Intro das klein gedruckte „Part One“ unter dem großen DUNE-Schriftzug übersieht und denkt, hier gäbe es ein zufriedenstellendes Ende, der wird enttäuscht sein. Andererseits endet der Film auch nicht mit einem Cliffhanger zum Fingernägel beißen. Es ist eher wie der Abschluss eines Kapitels.

Die Besetzung ist großartig: Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Stellan Skarsgård, Dave Bautista, Jason Momoa und Javier Bardem, um mal einige zu nennen.

Besonders Bautista und Skarsgård überzeugen in ihren Rollen als Glossu Rabban und dessen Onkel und Baron des Hauses Harkonnen, Vladimir Harkonnen, als gewalttätige, sadistische und insgesamt schlichtweg widerwärtige Charaktere. 

Insgesamt passt die Auswahl der Schauspieler wie die Faust aufs Auge: Chalamet gibt einen glaubwürdigen Paul Atreides ab, für den die Handlung von Dune gewissermaßen eine Coming-of-Age-Story ist. Rebecca Ferguson legt als Lady Jessica, die Mutter von Paul, eine wundervolle emotionale Bandbreite an den Tag und bringt so den Spagat zwischen Mutter und Mitglied der Bene Gesserit, einer Art Geheimbund, die im Hintergrund politische und religiöse Stränge spinnen.

Stellan Skarsgard als Baron Harkonnen im neuen Dune-Film

(Image credit: Warner Bros. Pictures/Legendary Pictures)

Ein Spiel mit Kontrasten

Dune, ähnlich wie bereits Arrival und Blade Runner 2049, lebt stark von seiner Atmosphäre. Dabei lassen sich in Dune definitiv Ähnlichkeiten zu den anderen beiden Filmen von Villeneuve erkennen. Eine Szene am Anfang, in der ein Botenschiff auf dem Heimatplaneten des Haus Atreides landet, weckt Erinnerungen an die regnerisch-neblige Landschaft, in der Arrival größtenteils spielt.

Musik und Sounddesign hingegen erinnern – zumindest in ihren Ansätzen – an Blade Runner. Das ist keine große Überraschung, denn bei beiden Filmen war Hans Zimmer am Werk.

Insgesamt ist Dune ein Film der Kontraste: Der kühlen und nassen Heimatwelt der Atreides, Caladan, steht der heiße, trockene Wüstenplanet Arrakis gegenüber.  Szenen in Innenräumen sind dunkel, Szenen draußen gleißend hell. Wo es notwendig ist, ist der Film bombastisch laut. An anderen Stellen ist er wiederum flüsterleise, damit man zwischendurch zur Ruhe kommt. Auch zwischen Gut und Böse gibt es eine klare Trennung: Atreides ist gut, Harkonnen ist böse.

Doch so einfach ist es auch wieder nicht: Während die beiden genannten Planeten deutlich im Gegensatz zueinander stehen, ist keiner der beiden besonders einladend. Der eine ist kalt und nass, der andere heiß und trocken – von Idylle ist weit und breit nichts zu sehen. Und Giedi Prime, die Heimatwelt des Haus Harkonnen, ist nun wirklich das allerletzte Urlaubsziel.

Zwischen diesen Kontrasten gibt es auf den ersten Blick wenig, doch überall im Film schwingt eine gewisse Spiritualität mit – was nicht zuletzt daran liegt, dass das Spice von den Fremen, den Eingeborenen von Arrakis, wie Weihrauch behandelt und eine religiöse Komponente erhält.

Abgesehen vom Spice ist diese Spiritualität allerdings nicht besonders greifbar, sondern wird von Villeneuve fast ausschließlich durch eine perfekte Symbiose aus Bild und Ton geschaffen.

eine Kampfszene aus dem neuen Dune-Film

(Image credit: Warner Bros. Pictures/Legendary Pictures)

Action, wo sie hingehört

Das Pacing ist für einen Sci-Fi-Blockbuster eher untypisch. Wo andere Filme den Höhepunkt aus Action und Explosionen eher ans Ende des Films legen, sind die größten „Popcorn-Szenen“ bei Dune eher in der Mitte zu finden – und das auch nicht komprimiert auf einen Block, sondern etwas verteilt, hier und da.

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sich der Film mit seinen 155 Minuten nicht so langwierig anfühlt wie manch anderer. Insgesamt ist Dune nämlich einigermaßen ruhig. Wäre die ganze Action nur am Ende, würde sich spätestens nach 90 Minuten bei vielen Zuschauern das Gähnen einstellen. So gibt es zwischendurch noch den ein oder anderen Paukenschlag, der den Puls wieder in die Höhe treibt.

Fast perfekt

Doch nicht alles ist Spice Gold, was glänzt. Auch wenn wir von Villeneuves Vision von Dune völlig begeistert sind, gibt es hier und da einige Kritikpunkte.

Wir haben das Sounddesign zwar gelobt, aber ganz darüber hinwegkommen wir nicht, dass der Film für unseren Geschmack stellenweise einfach zu laut ist und gerade bei der Musik der Kontrast zwischen laut und leise eher in die erstere Hälfte fällt. Wir hätten uns gefreut, wenn Villeneuve sich in diesem Punkt etwas mehr von Mad Max: Fury Road abgeguckt hätte, wo nach der gefühlt halbstündigen, hektischen Verfolgungsjagd zu Beginn des Films eine längere ruhige Passage kommt.

Und wo wir gerade bei Fury Road sind: Für unseren Geschmack könnte die Wüste in Dune noch etwas unwirtlicher sein. Rein optisch gefällt uns nämlich die Version von George Miller etwas besser und selbst die in The Mandalorian wirken gefährlicher. Vielleicht liegt es an der Farbe: Die Darstellung von Villeneuve entspricht eher einer realistischen Wüste, während Fury Road und Mandalorian eher ins Rötliche fallen.

Zu guter Letzt finden wir es etwas seltsam, dass – Vorsicht, vielleicht Spoiler, vielleicht nicht – die Freme Chani, gespielt von Zendaya, abgesehen von Pauls Träumen erst in der letzten Viertelstunde im Film auftaucht. 

Timothee Chalamet als Paul Atreides im neuen Dune-Film

(Image credit: Warner Bros. Pictures/Legendary Pictures)

Fazit

Für uns – also für den verantwortlichen Redakteur – ist Dune schlicht und einfach das Kino-Highlight des Jahres, vielleicht sogar der letzten paar Jahre. Ja, es kommt noch ein neuer James Bond und ein neuer Spider-Man und besonders ein neuer Matrix, aber wir sind bereit, uns so weit aus dem Fenster zu lehnen und das einfach so als Tatsache stehenzulassen.

Dune ist bildgewaltig, trieft vor Atmosphäre und hat eine traumhafte Besetzung, die ihre jeweiligen Charaktere glaubhaft zum Leben erweckt. Wenn wir diese neue Verfilmung von Frank Herberts Sci-Fi-Klassiker alleine betrachten, würden wir sagen, dass es mit großem Abstand die beste ist. Aber es kommt ja noch ein zweiter Teil. Und gleichwohl Villeneuve sich seine eigene Messlatte sehr hoch gesetzt hat, haben wir ausgehend von dieser Teiletappe wirklich keine Angst, dass er sie reißt.

Eugen Wegmann ist Online-Redakteur für PurpleClouds Deutschland GmbH / TechRadar Region DACH und zuständig für Gaming und Computer-Hardware.