Shazam! Fury of the Gods Review: Superman mal sechs

Ein weiterer Sargnagel für das DCEU?

Shazam! Fury of the Gods Review: Ein weiterer Sargnagel für das DCEU?
(Image: © Warner Bros. Pictures)

TechRadar Fazit

Shazam! Fury of the Gods bietet jede Menge Figuren, Gags und Coming of Age. Aus letzterem hätte sich deutlich mehr herausholen lassen und auch einige der Shazam-Familie bleiben eher blass, dafür sind die Bösewichte interessant anzusehen und vor allem Freddy ist der geheime Star des Films. Am Ende ist es jedoch ein Superheldenfilm unter vielen, der das DCEU nicht retten wird, aber mit seiner leichten Unterhaltung auch keinem wehtut.

Pro

  • +

    Jede Menge Gags, von denen viele zünden

  • +

    Spannende Konflikte zwischen beiden Geschwistergruppen

  • +

    Jack Dylan Grazer als Freddy ist der geheime Star

Kontra

  • -

    Shazam als Charakter wird eher vernachlässigt

  • -

    Schwieriges Ende

  • -

    CGI und Kamera nur okay

  • -

    In-your-face Product-Placement

  • -

    Allgemein eher Standard-Superheldenkost

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Das DC Extendet Universe ist am Ende – oder zumindest nahezu. Und das sage ich nicht, weil ich mit vielen der bisherigen Filme eher wenig anfangen konnte. Ich sage das, weil selbst die DC-Chefs mehr oder weniger zugegeben haben, dass sie nicht mehr daran glauben, indem sie James Gunn und Peter Safran die Zügel für ihr eigenes DCU in die Hand gaben. Da die große Konkurrenz in Form des Marvel Cinematic Universe aber inzwischen immer mehr schwächelt, könnte das tatsächlich eine große Chance sein.

Ironischerweise waren es gerade die leichtfüßigeren Versuche wie Shazam!, die mir persönlich besser gefallen haben als etwa Batman v Superman oder die jeweils ersten Versionen von Suicide Squad und Justice League. Diese Inkohärenz wirkt leider, als hätte das DCEU von Anfang an in einer Identitätskrise gesteckt.

Und damit wären wir nun bei Shazam! Fury of the Gods, der morgen am 16. März in die Kinos kommt und dessen titelgebender Held ebenfalls in einer gewissen Identitätskrise steckt. Ob mir der nächste Auftritt von Shazam und seiner Familie gefallen hat, oder ob der Film nur ein weiterer Sargnagel für das DCEU ist, das erzähle ich dir in dieser Kritik.

Jede Menge Figuren

Billy Batson, a. k. a. Shazam nutzt seine Superkräfte nun seit zwei Jahren, um Verbrechen zu bekämpfen und die Menschen vor Katastrophen zu schützen. Das tut er allerdings nicht alleine, sondern gemeinsam mit seinen fünf Pflegegeschwistern, die seit dem Ende des ersten Teils ebenfalls über einige von Shazams Fähigkeiten verfügen. Doch während sie langsam älter werden, drängen sich nicht nur unterschiedliche Prioritäten zwischen die Gruppe, sondern es tauchen auch die gefährlichen Töchter des Atlas auf, die Rache für die Zerstörung ihrer Welt suchen.

Im 2019er Shazam war Mark Strong als eher eindimensionaler Bösewicht eines der größten Mankos. Dafür gefielen mir die Monster, die gerade in der Büroszene zeigten, dass sich der Film doch etwas von der locker leichten Marvel-Formel abzugrenzen weiß. Ein ähnliches Gefühl stellte sich hier auch wieder bei mir ein, als die Töchter des Atlas direkt zu Beginn zeigen, wie ernst es ihnen ist. Dem Ganzen dennoch die FSK 12 aufzudrücken schadet der Reihe meiner Meinung nach, da z. B. Deadpool gezeigt hat, dass ein wenig Blut den Ernst der Lage unterstreicht und dem Humor, ebenso wie dem Einspielergebnis, nicht zwingend schaden muss.

Schauspielerisch geschieht hier zwar nicht besonders viel, wodurch ich mich gefragt habe, ob große Namen wie Helen Mirren und Lucy Liu hier nicht etwas vergeudet waren, dafür mochte ich aber die Dynamik zwischen den Schwestern. Denn obwohl sie dasselbe Ziel verfolgen, sind sie sich sehr oft über ihre Vorgehensweise uneins, was ebenfalls von Anfang an angedeutet wird. So entstehen immer wieder Konflikte zwischen ihnen, die den Figuren mehr Tiefe verleihen und gleichzeitig eine interessante Parallele zur Shazam-Familie darstellen.

Shazam zeigt auf etwas in Shazam! Fury of the Gods

Die Shazamily ist zurück für weitere Comic-Abenteuer. (Image credit: Warner Bros. Pictures)

Wo die Schwestern allerdings noch recht viel Screentime bekommen, ist das bei den sechs Shazams und ihren Alter Egos deutlich schwieriger. Glücklicherweise hat sich Regisseur David F. Sandberg dazu entschieden, wieder hauptsächlich Billy und Freddy in den Vordergrund zu stellen. Die Freundschaft der beiden war bereits in Teil 1 ein zentraler Aspekt und vor allem Jack Dylan Grazer als Freddy ist der absolute Star des Films.

Im Prinzip spielt er dieselbe Rolle wie in It, wo ich sein Dauerfeuer an witzigen Sprüchen aber auch schon sehr mochte. Laut gelacht habe ich zwar nie und ein paar Gags hatten einen wirklichen Fremdschamfaktor, insgesamt war ich durch den Humor aber allein schon wegen seiner Frequenz und den unzähligen Popkulturanspielungen ganz gut unterhalten.

Für den Rest der Gags ist Shazam selbst größtenteils verantwortlich, der von Zachary Levi wieder mit gewohnt jugendlichem Enthusiasmus verkörpert wird. Es kam unzählige Male vor, dass ich mir dachte, „ja, genauso würde ein 17-jähriger sich verhalten, wenn er Superkräfte hätte“. Ob er seine Gegner verarscht oder mit Unmengen von Pathos aufgeladene Dialoge aufbricht, ich hatte stets das Gefühl, dass das zu der Figur passt.

Billy und Freddy unterhalten sich vor der Schule in Shazam! Fury of the Gods

Shazam! 2 schiebt sein Hauptthema im Verlauf der Handlung beiseite. (Image credit: Warner Bros. Pictures)

Dafür geht aber auch einiges an Ernsthaftigkeit verloren, was gerade im Zusammenspiel mit den Töchtern des Atlas dazu führt, dass die Figuren nicht so viel Tiefe bekommen, wie möglich gewesen wäre. Dadurch fand ich die Schwestern und ihre Beziehung untereinander zwar sehr interessant, richtig beleuchtet wurden sie aber leider nicht. Außerdem schien mir Helen Mirrens Figur aufgrund der erwähnten Uneinigkeiten immer nur genauso böse zu sein, wie das Drehbuch gerade verlangte.

Ein großer emotionaler Fixpunkt der Handlung sind dagegen Shazams bzw. Billys Selbstzweifel, die wiederum mit seinen Uneinigkeiten mit seiner Familie zusammenhängen. Seine Angst vor Ablehnung trifft hier nämlich auf den Wunsch der Anderen, ihre eigenen Wege zu gehen. Neben Billy und Freddy bekommt lediglich Mary noch etwas mehr Charakter, die übrigens als einzige der Gruppe jetzt auch in ihrer Superheldenform von Grace Caroline Currey gespielt wird – scheinbar, weil ihre Figur als einzige bereits erwachsen ist. Die verbleibenden drei Geschwister bleiben dagegen eher blass, bekommen aber zumindest alle ihren kurzen Moment im Rampenlicht.

Bei einem so großen Ensemble ergibt das durchaus Sinn. Dass Asher Angel als Billy aber gerade eine Handvoll mal vorkommt, hat mich sehr verwundert. Denn, wie die Trailer verraten, besteht die Macht der bösen Schwestern unter anderem darin, den Shazams ihre Kräfte nehmen zu können. Dieser Side-Plot, der meiner Meinung sehr viel spannender als das übliche Superheldengekloppe ist, wird jedoch fast gänzlich durch Freddy erzählt. Der spielt das wie gesagt hervorragend und schafft es auch, den Coming of Age-Teil des Films zu transportieren. Billy mehr mit diesem Aspekt zu konfrontieren hätte hingegen eine Menge Potenzial für seine Charakterentwicklung gehabt. Die gibt es zwar, wird einem aber oft auf nicht gerade subtile Weise auf die Nase gebunden.

Über das Ende, worauf diese ganzen Entwicklungen natürlich hinauslaufen, kann ich nicht allzu viel sagen, ohne zu viel zu verraten. Mir hat es aber gar nicht gut gefallen und auch der mysteriöse Cameo-Auftritt, um den man im Internet ja kaum herumkommt, hat mich eher genervt. Nicht nur, weil er aufgrund der eingangs erwähnten produktionellen Hintergründe ein wenig hereingepresst wirkt, sondern auch wegen dem, was er in der Handlung bewirkt.

Es macht Spaß, wenn man nicht zu genau hinschaut

Freddy is held aloft by Hespera in Shazam! Fury of the Gods

Jack Dylan Grazer's Freddy is the best part of Fury of the Gods. (Image credit: Warner Bros. Pictures)

Auch nur mäßig gefallen haben mir einige der Effekte. Obwohl man Fury oft the Gods sein – verglichen mit dem ersten Teil höheres – Budget ansieht, gab es in der finalen CGI-Schlacht dennoch einige nicht besonders schöne Nahaufnahmen. Es kam oft vor, dass ein Shot im ersten Moment sehr episch aussah, aber für mich recht schnell an Magie verlor, nachdem mir die Greenscreens ins Auge stachen.

Das alles kann ich jedoch noch verzeihen, da ich ein großer Fan von Fantasy und griechischer Mythologie bin, aus der die Töchter des Atlas und viele ihrer Kreaturen stammen. Außerdem sahen die gebauten Sets dagegen deutlich schicker aus. Weit mehr genervt haben mich die gegen Ende immer häufiger auftretenden Slow-Mo-Aufnahmen. Gegenüber Black Adam hält sich Shazam! 2 zwar etwas zurück, aber trotzdem dauerten einige davon einfach viel zu lang, während andere gänzlich unnötig waren.

Am Ende alles wie immer

Shazam vor einem riesigen Drachen

Zachary Levi verleiht Shazam einmal mehr einen kindlichen Charme. (Image credit: Warner Bros. Pictures)

Ob die beiden Post-Credit-Scenes unnötig waren, wird sich erst noch zeigen, da aktuell noch unklar ist, ob Shazams Geschichte im kommenden DCU aufgegriffen wird. Das hängt wohl mit dem Erfolg von Fury oft the Gods zusammen. Ob dir der Film gefallen wird, hängt wiederum davon ab, wie übersättigt du von der immer noch anhaltenden Superheldenflut bist. Für sich betrachtet kann ich durchaus sagen, dass mich Shazam! 2 durchweg unterhalten und nie gelangweilt hat. Die Katastrophe, die ich erwartet hatte, als ich erfuhr, dass die Pressevorführungen so nah am Kinorelease sind, ist er also definitiv nicht geworden. Das ist nämlich häufig ein Indiz dafür, dass die Macher selbst wenig Vertrauen in ihr Werk haben und durch das enge Zeitfenster schlechter Presse vorbeugen wollen.

Etwas wirklich Neues macht er allerdings auch nicht. Dafür bleiben die Bösewichte dann doch zu blass, aus dem Coming of Age-Plot und Billys Charakter hätte sich deutlich mehr herausholen lassen, es sind generell einfach zu viele Figuren und dafür, dass das Finale so mit CGI vollgepackt war, hat es für meinen Geschmack deutlich zu wenig geknallt. Zudem hat mich die Entscheidung am Ende leider emotional kalt gelassen und das fette Product-Placement, das so dermaßen in-your-face war, dass einige im Kino laut gelacht haben, habe ich da noch gar nicht erwähnt – ebenso wie eine etwas „problematische“ Beziehung zweier Figuren.

Auf der anderen Seite hat mich vor allem der Humor und insbesondere die Darstellung von Freddy durch den Film getragen. Die behandelten Themen fand ich ebenfalls spannend und auch wenn die Atmosphäre insgesamt deutlich erwachsener und blutiger hätte sein dürfen, gibt es zumindest einige düstere Ansätze.

Kurz gesagt: Wenn du leichte Superhelden-Unterhaltung noch nicht Leid bist oder vielleicht einfach den ersten Teil mochtest, wirst du auch diesen hier mögen. Bist du dagegen von dem Ganzen mittlerweile eher angeödet, wird dich dieser Film definitiv nicht vom Gegenteil überzeugen. Da ich die humorvolleren DC-Filme, wie James Gunns The Suicide Squad, aber wirklich mag, bin ich trotzdem gespannt, ob Shazam im DCU auftauchen wird, oder ob die Einspielergebnisse ihn beerdigen werden.

Christopher Barnes
Redakteur

Ich bin Chris und beschäftige mich für TechRadar vor allem mit den Bereichen Filme/ Serien, TV, Grafikkarten und Gaming - im Speziellen alles rund um Xbox. Ursprünglich habe ich in Stuttgart Film- und Fernsehtechnik sowie Drehbuch-Schreiben studiert. Da ich allerdings nicht nur schon immer großer Filmliebhaber, sondern auch leidenschaftlicher Gamer war und es zudem liebe zu schreiben, habe ich mich für den Journalismus in diesem Bereich entschieden. 


Erreichbar bin ich unter der Mail-Adresse cbarnes[at]purpleclouds.de