Bowers & Wilkins Pi7 S2 im Test: Die Edelheimer mit viel zu großem Preisschild

Bowers & Wilkins Pi7 S2: "Premium-Earbuds", die man sich nicht leisten kann.

Bowers & Wilkins Pi7 S2
(Image: © Michael Winkel)

TechRadar Fazit

Mit den Pi7 S2 will der britische Audiohersteller Bowers & Wilkins in das absolute Premium-Segment vorstoßen. Und sind wir ehrlich: Das hat so überhaupt nicht funktioniert. Zwar sind die Pi7 klanglich durchaus überzeugend, aber der gesamte Rest muss – gelinde gesagt – fast schon als Katastrophe bezeichnet werden.

Pro

  • +

    Gute und ausgewogene Klangqualität

  • +

    Anständige ANC

  • +

    Trageerkennung

  • +

    Ladecase kann als Audiotransmitter verwendet werden

Kontra

  • -

    Funktionen in der App sind quasi nicht existent

  • -

    Keine Multipoint-Verbindung

  • -

    Viel zu teuer

  • -

    Kurze Akkulaufzeit

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Für eines ist Bowers & Wilkins definitiv bekannt: Premium-Audioprodukte mit so unverschämt hohen Preisen auf den Markt zu bringen, dass man zurecht die Frage "ist das mein Geld überhaupt wert?" in den Raum wirft. Die Pi7 S2 des britischen Audiospezialisten sind hier auch keine Ausnahme. Zwar können die Kopfhörer durch ihre Klangqualität und das clevere Ladecase begeistern, aber sonst gibt es nicht viel Positives zu erwähnen. Aber fangen wir von vorne an.

Im Lieferumfang der Bowers & Wilkins Pi7 S2 befinden sich neben Earbuds und Ladecase die üblichen Verdächtigen: Quick Start Guide, USB-C-Kabel und zwei weitere Paare an Silikon-Ohrstöpseln in verschiedenen Größen. Zusätzlich enthalten ist ein USB-C-auf-AUX-Kabel, wodurch du das Ladecase mit einer beliebigen Audioquelle verbinden kannst. Durch seinen Bluetooth-Sender kann das Ladecase so Audio-Signale direkt an die Pi7 S2 senden. Somit steht dem Musikhören über deine Stereoanlage und dem Zocken an deiner Nintendo Switch oder anderen Konsolen nichts mehr im Wege.

Klanglich konnten mich die Bowers & Wilkins Pi7 S2 überzeugen. Der Sound ist kraftvoll, detailliert und ausgewogen. Alle Frequenzen haben bei diesen Earbuds genug zum Atmen und bieten die nötige Fülle. Gut klingende Kopfhörer zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie jeder Musikrichtung standhalten und diese gut zur Geltung bringen. Und das gelingt den Bowers & Wilkins Pi7 S2 durchaus. Bei so ziemlich jedem Genre, das ich mit den Pi7 S2 hörte, sind Höhen, Mitten und Bass zu einer sehr guten Klangkurve verschmolzen. Nicht einmal hatte ich das Gefühl, dass diese nicht miteinander harmonierten.

Bowers & Wilkins Pi7 S2

(Image credit: Michael Winkel)

Die ANC ist im Großen und Ganzen in Ordnung, aber kann auch leider nicht so ganz mit der von marktführenden Earbuds – wie zum Beispiel den Sony WF-1000MX4 –mithalten. Gespräche in unseren Büros waren noch immer dumpf zu hören und auch das Tippen von Tastaturen sowie das Klicken von Mäusen war entfernt wahrzunehmen. Trotzdem dürfte die Geräuschunterdrückung ausreichen, um typischen Straßenlärm besser auszublenden.

Wie viele Audiohersteller bietet auch Bowers & Wilkins eine kostenlose App, mit der die eigene Produktlinie kompatibel ist. Nur bewegt sich die Existenz dieser App auf einem schmalen Grat zwischen fragwürdig und völlig obsolet. Zwar mag es cool sein, dass du mit dieser deine Konten von Soundcloud, Deezer, Tidel und ein paar anderen Musik-Streaming-Diensten verknüpfen kannst, aber das ist so ziemlich die einzig auffällige Funktion. Sonst hebt sie sich nicht von Apps anderer Hersteller ab. Es gibt nicht mal einen Equalizer. Bei einem Unternehmen, das Kopfhörer für rund 400 Euro und mehr verkauft, kann man zumindest erwarten, dass die App einen anständigen benutzerdefinierten EQ bietet. Und wenn es einen geben sollte, ist der ganz schön gut versteckt. Zu allem Überfluss muss man außerdem einen Account erstellen und sich mit diesem in der App anmelden, um sie nutzen zu dürfen.

Leider hört es bei der App nicht auf. Auf gängige Funktionen wie zum Beispiel eine Multipoint-Verbindung muss man bei den Earbuds von Bowers & Wilkins ebenfalls verzichten. Und da der Preis noch nicht genug erwähnt wurde: Die Pi7 S2 kosten rund 400 Euro. Vierhundert. Viele Kopfhörer zum Drittel dieses Preises bieten Multipoint, haben eine mindestens genauso gute Klangqualität und eine weit bessere Akkulaufzeit. 

Bowers & Wilkins Pi7 S2

(Image credit: Michael Winkel)

Ja, richtig gelesen. Auch die Akkulaufzeit der Pi7 S2 ist für diesen Preis alles andere als angemessen. Bei deaktivierter ANC halten die Kopfhörer etwa fünf Stunden. Bei einem 8-Stunden-Arbeitstag bist du also gezwungen, sie ans Ladekabel anzuschließen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Earbuds bei aktivierter ANC noch schneller an Akku verlieren. Bowers & Wilkins nennt keine offiziellen Zahlen, aber bei mir ging den Pi7 S2 nach etwa viereinhalb Stunden der Saft aus. Und hier sei noch erwähnt, dass ich die ANC nicht im Dauerbetrieb verwendete. Es ist also stark davon auszugehen, dass sie noch weniger durchhalten, wenn die Geräuschunterdrückung permanent aktiviert ist.

Immerhin sind die Pi7 S2 hochwertig verarbeitet und haben einen bequemen sowie festen Sitz. Allerdings sind sie relativ klobig und schwer, wodurch sie für besonders kleine Ohren wohl eher ungeeignet sind. Optisch sind sie ansprechend, aber das ist wie immer Geschmackssache. Die Touch-Bedienelemente funktionieren gut, sind aber ziemlicher Standard. Hier sind die 400 Euro also auch nicht gerechtfertigt.

Im Großen und Ganzen muss ich den Bowers & Wilkins Pi7 S2 eher einen Daumen nach unten geben. Zwar überzeugen sie mit ihrer anständigen Klangqualität, aber guter Sound bringt dir nichts, wenn du ihn dir nicht leisten kannst. Und hier liegt auch der Hund begraben. Das mit Abstand größte Problem dieser Earbuds ist ihr unverschämt hoher Preis im Vergleich zu Konkurrenz. Wenn du das mit der überflüssigen App, dem Fehlen von Multipoint und der sehr schlechten Akkulaufzeit kombinierst, fällt es mir wirklich schwer, die Bowers & Wilkins Pi7 S2 zu empfehlen. Würden sie nur ein Drittel ihres jetzigen Preises kosten, hätten sie im Test weitaus besser abgeschnitten. Man kann sein Produkt eben nicht zu einem unverhältnismäßigen Preis verkaufen und dann nicht im gleichen Maße abliefern.

Bowers & Wilkins Pi7 S2

(Image credit: Michael Winkel)

Bowers & Wilkins Pi7 S2: Preis & Verfügbarkeit

  • Preis: 399,00€
  • Verfügbarkeit: Jetzt erhältlich
  • Farben: Schwarz, Weiß, Blau

Die Bowers & Wilkins Pi7 S2 sind auf Amazon, der offiziellen Webseite und ausgewählten Versandhändlern zu einem Preis von 399 Euro erhältlich. Hin und wieder stolpert man auch mal auf Angebote für 375 Euro. Damit gehören sie aber trotzdem mit zu den teuersten True-Wireless-Kopfhörern überhaupt.

Bowers & Wilkins Pi7 S2: Spezifikationen

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Treiber9,2mm
ANCJa
Akkulaufzeit5 Stunden (ohne ANC), bis zu 16 Stunden (Ladecase)
Gewicht7g (pro Bud)
KonnektivitätBluetooth 5.0, USB-C
Frequenzbereich2402MHz - 2480MHz
WasserschutzIP54
Andere FunktionenMusic | Bowers & Wilkins App, Ladecase mit Bluetooth-Sender

Sollte ich die Bowers & Wilkins Pi7 S2 kaufen?

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EigenschaftenAnmerkungPunkte
FunktionenANC, Trageerkennung, Bluetooth-Sender im Ladecase und eine unterirdische Akkulaufzeit für diesen Preis. Das wars. Die App bietet keine nennenswerten Funktionen.★★☆☆☆
KlangqualitätEin ausgewogener, knalliger und dynamischer Sound, der bei jeden Genre gut zur Geltung kommt.★★★★★
DesignIm Großen und Ganzen bequem, wenn auch etwas klobig. Vorsicht ist bei kleinen Ohren geboten. Die Optik ist Geschmackssache.★★★★☆
MehrwertDie Klangqualität mag zwar gut sein, aber rechtfertigt nicht das Fehlen gängiger Funktionen und schon gar nicht den viel zu hohen Preis.★★☆☆☆

Kaufe die Bowers & Wilkins Pi7 S2, wenn...

...du gute Klangqualität suchst.
Wenn es eine Sache gibt, welche die Bowers & Wilkins Pi7 S2 gut beherrschen, dann ist es gut zu klingen.

...du ein Ladecase mit Funktionen möchtest.
Das Ladecase der Bowers & Wilkins Pi7 S2 ist via Bluetooth mit den Earbuds verbunden und kann so Audio-Signale von diversen Endgeräten an diese senden.

Kaufe die Bowers & Wilkins Pi7 S2 nicht, wenn...

...du kein großes Budget hast.
Die Bowers & Wilkins Pi7 S2 sind einfach ungerechtfertigt teuer. Es gibt viele Alternativen, welche die gleiche Fülle an Funktionen bieten und nur einen Drittel kosten.

...du eine gute App möchtest.
Die Funktionen der App sind nahezu nicht existent. Mehr als ANC ein- und auszuschalten geht hier offenbar nicht. Und ein Account muss vor der Benutzung auch noch erstellt werden.

...du oft zwischen deinen Endgeräten wechselst.
Die Bowers & Wilkins Pi7 S2 besitzen keine Multipoint-Verbindung. Wenn du also von Handy zu Laptop und wieder zurück wechseln willst, musst du jedes Mal die Verbindung trennen.

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ANCJaJaJa
Akkulaufzeit5 Stunden (ohne ANC), bis zu 16 Stunden (Ladecase)6 Stunden (ohne ANC), bis zu 18 Stunden (Ladecase)12 Stunden (ohne ANC), 8 Stunden (mit ANC), bis zu 16 Stunden (Ladecase)
Gewicht7g (pro Bud)6,2g (pro Bud)7,3g (pro Bud)
KonnektivitätBluetooth 5.0, USB-CBluetooth 5.3, USB-CBluetooth 5.2, USB-C
Frequenzbereich2402MHz - 2480MHz/20Hz - 40kHz (Hi-Res Audio)
WasserschutzIP54IPX4IPX4
Andere FunktionenMusic | Bowers & Wilkins App, Ladecase mit Bluetooth-SenderBose Connect AppSony Hadphones Connect App, Multipoint-Verbindung
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So habe ich die Bowers & Wilkins Pi7 S2 getestet

Bowers & Wilkins Pi7 S2

(Image credit: Michael Winkel)
  • Für etwa zwei Wochen getestet
  • Primärer Nutzen während der Arbeit im Büro, aber auch zu Hause und unterwegs
  • Musikhören lief hauptsächlich über YouTube Music auf einem Xiaomi Mi 11 Lite 5G und einem Lenovo-Notebook

Um die Bowers & Wilkins Pi7 S2 zu testen, habe ich sie im Rahmen meiner normalen Routine verwendet – ich habe Musik über Bluetooth von meinem Handy via YouTube Music gehört, während ich gearbeitet habe oder in der Stadt unterwegs gewesen bin. Auch habe ich sie mit meinem Redaktions-Laptop gekoppelt. Da die Bowers & Wilkins Pi7 S2 allerdings nicht über eine Multipoint-Verbindung verfügen, musste ich sie immer vom aktuellen Endgerät trennen.

Neben des Streamings von Titeln aus YouTube Music habe ich auch Podcasts via Podigee gehört und Videos auf meinem Smartphone angeschaut.

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Michael Winkel
Volontär

Ich bin Michael und ich beschäftige mich vor allem mit den Themen Gaming, Nintendo und Audio. Noch bevor es mich zu TechRadar Deutschland verschlagen hat, absolvierte ich an der Akademie für Neue Medien eine Kompaktausbildung zum Crossmedia-Journalisten. Dort lernte ich nicht nur das journalistische Handwerk, sondern auch wie man moderiert und gute Kurzfilme produziert. Nun bin ich bei TechRadar Deutschland als Volontär gelandet und tierisch froh, leidenschaftlich über Videospiele, Gaming und Tech zu schreiben.

Erreichbar bin ich unter mwinkel[at]purpleclouds.de.