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Medienwelt der Zukunft: Was das kommende Jahrzehnt bringen könnte

Schrifttafel - was bringt uns das Jahr 2031?
(Image credit: stock.adobe.com © Goss Vitalij))

Wir leben in einer Zeit, die technisch-medial so schnelllebig geworden ist, dass sich der Umfang der Änderungen nur noch ermessen lässt, wenn man auf die Jahrzehnte schaut. Beispiele gefällig? 2011 wurde das Samsung Galaxy SII als das beste Smartphone des Jahres bezeichnet. Im gleichen Jahr wurde Android 3 veröffentlicht. Instagram feierte seinen ersten Geburtstag. Amazon brachte den ersten Kindle-Reader. Steve Jobs verließ die Welt – und wer als Privatanwender Cloud-Speicherplatz benötigte, hatte ein ziemliches Problem; den gab es damals praktisch nur für Firmen.

Wundere dich nicht, wenn diese Daten auf dich wie finsterstes Tech-Mittelalter wirken. Das liegt eben einfach daran, dass die Entwicklungen so unglaublich rasant vonstattengehen. Und, das zeigt die Erfahrung ebenfalls, langsamer wird es sicherlich nicht. Für diesen Artikel haben wir deshalb zusammengetragen, wie die digital-mediale Welt in den nächsten zehn Jahren aussehen könnte.

Disclaimer: Natürlich können auch wir nicht mit absoluter Sicherheit in die Zukunft schauen. Die folgenden Punkte sind deshalb nicht in Stein gemeißelt. Allerdings sind sie alle aufgrund technosozialer Entwicklungen definitiv nicht unrealistisch, sondern im Gegenteil recht wahrscheinlich und schon heute absehbar.

1. Lineares Fernsehen wird nur noch eine Nische innehaben

Eine TV-Produktion - ein aussterbendes Format?

(Image credit: (stock.adobe.com © DeshaCAM))

Es gibt heute zwischen ARD, RTL und ZDF kaum noch einen klassischen TV-Sender, der nicht zumindest eine sehr umfangreiche Mediathek pflegt. Bei vielen tendiert die Vorgehensweise auch in Richtung (zeitlich begrenztes) On-Demand-Schauen übers Netz.

Der Grund dafür ist ganz simpel: Nur auf diese Weise können die Sender der weiterhin steigenden Marktmacht der echten (das heißt, gar nicht im Linear-TV vertretenen) Streaming-Dienstleister noch wirklich etwas entgegensetzen.

Das Problem aus Sicht der Linearsender ist jedoch: Wir alle als Konsumenten gewöhnen es uns immer mehr ab, uns zu einer bestimmten Uhrzeit vor den Fernseher zu begeben, um einen bestimmten Inhalt zu konsumieren – nur wie extrem der Wandel schon heute ist, darüber streiten sich die Studien, je nachdem, wer sie beauftragt hat.

Bis 2031 wird deshalb Linear-TV bei vielen Sendern mutmaßlich einen Rollentausch vollzogen haben: Eine Art dauerhaftes „Hintergrundrauschen“, das man zwar anbietet, welches aber weder für die Zuschauer noch Werbepartner die wichtigste Rolle spielt; die übernimmt dann das Web-Angebot. Dass allerdings Linearfernsehen ganz verschwindet, dürfte utopisch sein. Denn auch dann wird es noch Live-Übertragungen und Nachrichten geben und somit zwei Anwendungen, für die alle Streaming-Vorteile unbedeutend sind.

2. Die Werbung wird sich wandeln

Hand aufs Herz: Warum schaust du gerne Netflix, Prime und Co.? Doch wohl auch, weil dort niemand eine Sendung alle paar Minuten unterbricht, um dir zehn, fünfzehn oder noch mehr Werbespots zu zeigen. Schließlich bezahlst du für dein Abo ja gutes Geld, wodurch die Anbieter kaum auf klassische Werbeeinnahmen angewiesen sind.

Leider jedoch ist es eher unwahrscheinlich, dass 2031 die Welt noch so in Ordnung sein wird. Dafür gibt es gute Gründe:

  1. Es buhlen längst immer mehr Anbieter um die Kundengunst. Dadurch sinkt für die einzelnen Unternehmen die mögliche Geldmenge – ein Grund, warum zuletzt einige Anbieter die Preise erhöhten.
  2. Mit der sinkenden Bedeutung von Linear-TV werden gigantische Werbebudgets frei. Kein Unternehmen wird sie sich sparen, sondern mit aller Macht versuchen, anderweitig für die Kunden sichtbar zu sein.

Was passieren könnte, siehst du schon heute, wenn du YouTube benutzt: Ohne Premium-Account gibt’s fast schon standardmäßig zwei Werbespots zu Beginn, mindestens einen am Ende und bei vielen Videos auch zwischendrin.

Gut möglich, dass sich diese Welt künftig aufsplittet: Kostenlose Accounts, in denen du zwangsweise Werbung schauen musst, sowie kostenpflichtige, aber werbefreie, die jedoch wahrscheinlich teurer als ihre heutigen Pendants sein dürften.

3. Sportfernsehen verschwindet weitgehend hinter der Paywall

Verschwindet der Fußball aus dem Free-TV?

(Image credit: (stock.adobe.com © Gorodenkoff))

Bis tief in die 1980er war nicht zuletzt die (deutsche) Fußballwelt glasklar: Alles, was man brauchte, konnte man bei ARD und ZDF anschauen, auch wenn technisch bedingt nicht alle Spiele übertragen wurden, da ja meist mehrere parallel ablaufen.

1988 jedoch begann die erste Phase eines gigantischen Wandels, der sich wie ein roter Faden bis in die 2030er ziehen wird – und wahrscheinlich noch darüber hinaus: Auf RTL lief mit „Anpfiff“ erstmals Fußball im Privatfernsehen. Das zeigte Werbetreibenden, wie gigantisch viel Geld man damit verdienen konnte. Dementsprechend wurde und wird es immer teurer, Übertragungsrechte zu bekommen. In der bezeichnenden Saison 1988/89 kosteten beispielsweise die Bundesliga-Rechte 40 Millionen Euro; 2021/22 werden es 1,1 Milliarden sein.

Angesichts dessen klingt es fast nach etwas störrischem Eigenlob, wenn die ARD verkündet, auch 2021/22 die erste und zweite Bundesliga bedienen zu werden – allerdings nur im Rahmen der Sportschau und live im Radio.

Wie es in zehn Jahren vermutlich aussehen wird, kannst du dir angesichts dessen ausmalen. Zumindest bei den wirklich großen Sportarten erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass sich noch ein normaler Sender eine freie Ausstrahlung leisten kann: Die Öffentlich-Rechtlichen aufgrund der nicht grenzenlos steigerbaren Rundfunkbeiträge, die Privaten wegen geringerer finanzieller Potenz aufgrund rückläufiger Bedeutung des Linear-TVs.

Wahrscheinlich dürften darunter auch große Events leiden, die bislang noch frei empfangbar sind, etwa die Fußball-WM. Dann wird es wahrscheinlich wie schon heute bei vielen anderen Sportarten nötig sein, bei den dann tonangebenden Bezahlanbietern ein Ticket nur für diese Veranstaltung zu lösen, um sie zuhause sehen zu können.

4. Analogradio ist weg

Ende 2020 wurde in Deutschland eine EU-Vorgabe umgesetzt, die 2031 in der Retrospektive als Initialzündung angesehen werden dürfte: Alle Neufahrzeuge sowie alle Hörfunkgeräte mit Display dürfen nur noch mit Digitalradio DAB+ verkauft werden.

Damit beginnt auch für den analogen UKW-Rundfunk etwas, das auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle schon seit den 1990ern vollzogen wurde: das Ende. Als Grund dafür wird immer wieder angeführt, dass Digitalradio mehr Sender bei geringeren Sendeleistungen und günstigerer Technik ermöglicht – neben einem verbesserten Klang.

Allerdings ist es eben „Digital“-Rundfunk. Das heißt, entweder gibt es brillanten Empfang oder gar keinen. Rauschende, aber noch hörbare Übertragungen wie im Analogfunk sind technisch unmöglich. Noch beherrschen zwar alle DAB-Geräte auch Analogfunk, das dürfte sich jedoch in den kommenden Jahren ändern.

Dazu solltest du auch wissen, dass die EU-Kommission bereits 2012 als Abschaltjahr für sämtliche analogen Übertragungen (Radio und TV) vorgeschlagen hatte. Das Radio ist also bereits heute sozusagen „längst überfällig“. Wo du heute noch einen alten Radioschatz von Oma problemlos benutzen kannst (sofern er UKW beherrscht), werden wohl irgendwann im Verlauf der 20er alle diese Geräte auf einen Schlag zu Dekorationsobjekten werden.

5. Die Zeitung kehrt zurück – vielleicht

Eine neue Art der klassischen Zeitung?

(Image credit: (stock.adobe.com © Shawn Hempel))

Klassische Medien im Allgemeinen sowie solche, die auf Papier gedruckt werden, haben seit dem Jahrtausendwechsel eine Absatzkrise nach der anderen erlebt. Um dir ein Beispiel von vielen zu präsentieren: Die BILD als auflagenstärkste deutsche Tageszeitung. Anfang 1998 wurden von ihr täglich etwa 4,5 Millionen Exemplare verkauft. 2021 waren es nur noch 1,24 Millionen.  

Bei kaum einer anderen Zeitung sieht es anders aus. Überall hat sich das Interesse der Leser ins Internet verlagert. Abermals mit der BILD als Beispiel: Deren Angebot Bild Plus ist das nutzerstärkste, kostenpflichtige Nachrichtenangebot in Europa.

Grundsätzlich wird es in den nächsten Jahren so weitergehen: Das Internet wird größer, die analogen Medien immer kleiner. Und wohl so manches Blatt wird bis 2031 noch auf der Strecke blieben. Wird es dann jedoch auch keine Zeitungsregale mehr geben? Klares Nein, zumindest nicht aus heutiger Sicht:

  1. Es gibt speziell im Special-Interest-Segment einige Themengebiete, die wohl noch deutlich länger analog bleiben werden. Einfach, weil es die Leser verlangen.
  2. Wir stehen derzeit an einer Schwelle, in der gedruckte Elektronik erst damit beginnt, so richtig Fahrt aufzunehmen.

Vor allem letzteres dürfte für Tech-affine Menschen ziemlich interessant sein. Denn um Elektronik jeglicher Art zu drucken, braucht es im Prinzip keine anderen Techniken als das, was auch schon heutige Druckmaschinen beherrschen – sie müssen lediglich präziser sein, also noch feiner drucken können.

Nicht zuletzt, weil sich auf diese Weise durchaus auch E-Ink-Displays auf ein dünnes, flexibles Trägermedium aufdrucken lassen, könnte es 2031 an manchen Stellen zu einer Symbiose gekommen sein: Analoge, gedruckte Zeitungen und Magazine, die jedoch durch gedruckte Elektronik digitale und womöglich aktualisierbare Inhalte enthalten.