Im Test: Scorn

Kurzer, knackiger Horror-Abstecher mit grotesker Bildgewalt

Scorns Cover Art gibt schon einen ersten Hinweis darauf, dass uns im Titel groteske Design erwarten werden.
(Image: © Kepler Interactive)

TechRadar Fazit

Scorn lädt zum kurzen und knackigen Aufenthalt in neuen Sphären ein. Herausstechend ist dabei natürlich die an Giger und Beksiński angelehnte Ästhetik der Welt. Das Labyrinth ist ein Ort sondergleichen, der mit Gewalt, Befremdlichkeit, aber auch Faszination lockt. Spielerisch sind die Rätsel klasse, die Balgereien weniger. Wer sich jedoch an den Bildern einen Narren gefressen hat, der sollte sich diesen Kurztrip ins Unbekannte nicht entgehen lassen.

Pros

  • +

    Beeindruckende visuelle Inszenierung

  • +

    Tolle Einbettung von Horror-Elementen in obskures Setting

  • +

    Gut gestaltete, mehrteilige Puzzle-Einlagen

Cons

  • -

    Labyrinth-Charakter sorgt mitunter für anhaltende Passagen des Umherirrens

  • -

    Kampfabschnitte können stark frustrierend sein

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Informationen zum Test

Spielzeit: etwa 6 Stunden

Plattform: Xbox Series S 

Verwirrung, Ungewissheit und irgendwo vielleicht sogar Überforderung. Der Anfang von Scorn ist genau so, wie man es sich vorstellen würde, wenn man tatsächlich in einer komplett fremden Welt landet. Recht schnell kommt aber auch der Forscherdrang zum Vorschein – zumindest bei mir –, der dafür sorgt, dass man sich durch allerlei ekelerregende Gänge einen Weg bahnen und mehr über diese bizarre Welt in Erfahrung bringen will. 

Schon nach wenigen Minuten erreicht man dann einen der größeren Räume in deren Mitte eine Plattform platziert wurde und zahlreiche, ungewöhnliche Vorrichtungen schmücken die Umgebung. Welchen Zweck die Gerätschaften haben, kann der Spieler zu diesem Zeitpunkt nur erahnen. Was sich jedoch in den folgenden Stunden immer häufiger ergibt ist der Wechsel aus abwechslungsreichen Rätsel- und Action-Einlagen, der dafür sorgt, dass wir immer tiefer in den Höllentrip eingesogen werden, der insbesondere durch eine geniale Inszenierung ins Staunen versetzt.

Die größte Stärke von Scorn dürfte aber auch die größte Schwäche sein. Denn wer nichts mit dem von Giger und Co. inspirierten Figuren und Umgebungsdetails anfangen kann und kein großer Rätsel-Freund ist, den erwartet beim 40-Euro-Horror-Adventure leider auch nicht viel mehr. Wer sich jedoch auf das Setting und die tollen Widerwärtigkeiten – ja das klingt zurecht komisch, ist aber so – einlassen kann, der erhält eine kurzweilige Horror-Exkursion, die nach eine Weile nach dem Durchspielen in den Köpfen nachhallt.

Scorn: Preis und Veröffentlichungsdatum

  • Warum handelt es sich bei Scorn? Ein kurzes, knackiges und stimmungsvolles Horror-Adventure mit Rätsel- und Action-Einlagen. 
  • Wann erscheint es? 14. Oktober 2022
  • Was kostet mich das Horror-Abenteuer Scorn? Für 39,99 Euro zu haben
  • Wo kann ich den neuen Ableger spielen? Auf einer Xbox Series S (Öffnet sich in einem neuen Tab), Xbox Series X (Öffnet sich in einem neuen Tab) oder auf dem PC 

Der Giger-Faktor

Scorns Design ist eine Mischung aus menschlichen, organischen und maschinellen Designs

(Image credit: Ebb Software)

Der etwas ungewohnte Einstieg von Scorn ist, wie bereits angedeutet, vorrangig der bildlichen Inszenierung geschuldet. Bereits seit dem ersten Teaser ist dabei klar, dass sich das First-Person-Horror-Adventure von Entwickler Ebb Software maßgeblich von den künstlerischen Projekten eines Hans Ruedi Giger hat inspirieren lassen. 

Bekannt ist der Künstler maßgeblich für das Kreaturen- und Schiffsdesign im Kultfilm Alien. Gekonnt vereint H.R. Giger schon damals maschinelle Elemente mit menschlich-organischen und kreiert hiermit eine neuartige Erfahrung für den Sehenden. Und durchaus gekonnt greifen die Köpfe von Scorn die Idee dieser Kunstwerke auch in ihrem Horror-Videospiel wieder auf.

Jede Pore von Scorn scheint mit diesem unbehaglichen, aber auch noch immer recht frischen Stil durchzogen.

Sicher, dass Design ist nicht immer originell, aber nichtsdestotrotz ist der namenlose Planet, auf dem sich der Spielcharakter umherbewegt, mit fantastischen Effekten und grotesker Detailverliebtheit versehen.

Ekelerregende, Organ-ähnliche Gänge, skelettartige Säulen und obskure Steuerhebel sowie Waffenauswahl – jede Pore von Scorn scheint mit diesem unbehaglichen Stil durchzogen. Das zumeist eher ruhige Spieltempo trägt dabei gleichermaßen dazu bei, dass man sich voll der tollen Atmosphäre und dargebotenen Bilder hingeben kann. Ein Horror, der, anstelle von Tempo, mit seiner reinen Bildgewalt punktet.

Zuträglich zur Erfahrung ist natürlich auch die Wahl der Ego-Perspektive für diesen höllischen Trip in außerirdischen Sphären. Gerade hierdurch wirkt das Erlebte hautnah und umso grotesker... Ich kann infolgedessen aber auch gut nachvollziehen, dass nicht jeder Spieler bei den Schalterszenen die Augen auf dem Bildschirm behalten kann, während die Spielfigur von Blut überströmt oder von widerlichen Maschinen zu sich gezogen wird – Scorn ist definitiv nichts für die Zartbesaiteten unter uns.

Fortschritt durch Schmerz

Scorn: Gameplay, was unter die Haut geht (wortwörtlich)

Die Rätseleinlagen in Scorn gehen zuweilen sogar unter die Haut (wortwörtlich!) (Image credit: Kepler Interactive)

Bei der Inszenierung von Rätseln, Schaltern und Action-Passagen wird aber noch eine Sache klar: Die Welt von Scorn lebt vom Schmerz und der Schmerz ist hier eine Möglichkeit, die direkt mit dem möglichen Voranschreiten verknüpft ist.

Entsprechend muss der Hauptcharakter sich diversen, widerwärtigen Vorrichtungen ergeben, um Türen zu öffnen oder Plattformen zu aktivieren. Und während wir die Räumlichkeiten passieren, hinterfragen wir doch öfter einmal, wen oder was wir da überhaupt durch das Labyrinth bewegen. Ist das noch menschlich? Oder ist es etwa ebenso undefinierbar, wie viele andere Teile dieser Welt?

Immerhin würde Letzteres den Mut der Hauptfigur erklären. Auf passendem Knopfdruck geht diese nämlich nicht gerade zimperlich mit dem eigenen Körper um. So unterzieht man sich aus Ego-Perspektive mitunter schmerzhaften chirurgischen Eingriffen und Implantat-Upgrades. Für den Fortschritt sicher nötig, zeitgleich aber alles andere als appetitlich...

Sich den Absurditäten erwehren

Trotz diverser Besonderheiten und ungewöhnlicher Features, sind Schlüsselelemente keinesfalls vollkommen fremdartig. Gut erkennbar ist das schon bei den ersten Rätseln. Ja klar, die Mechaniken sind abgespacet und die Interaktionen meist eher ungewohnt. Aber im Kern ist ein Hebel halt immer noch ein Hebel. Und was macht so ein Hebel? Meistens etwas öffnen oder schließen – und das natürlich auch in Scorn.

Tatsächlich sind viele Elemente aus anderen Spielwelten und der realen Umgebung auf die Puzzle- und Action-Passagen von Scorn übertragbar. Eine Tür bleibt eine Tür, eine Schrotflinte bleibt selbige (auch wenn das Design sondergleich ist). Natürlich wird man hier und da noch immer überrascht, aber Scorn kann sich für seine Rätsel den alltäglichen Elementen nicht erwehren – sonst wären diese nämlich höchstwahrscheinlich auch noch komplexer oder gar unschaffbar...

Scorn bietet einige Waffen, die ebenso grotesk sind wie der Rest der Welt

(Image credit: Kepler Interactive)

Lass mich aber auch kurz auf die Waffenauswahl zu sprechen kommen, wo wir diese doch gerade ohnehin angeschnitten haben. Scorns Waffenauswahl ist nämlich gleichermaßen sonderbar wie vertraut.

Zur Wehr setzen wir uns mit einem – designtechnisch ausgefallenem – Mix aus Nah- und Fernkampfwaffen. Gerade zu beginn sind wir aber beispielsweise nur mit etwas Stock-Ähnlichem ausgestattet und müssen hiermit gegen Fleischhaufen und anderen Widerwärtigkeiten aushalten. Leider sind die Kämpfe hier und auch zukünftig aber leider nicht das Gelbe vom Ei.

Zunächst haben sie mehr von Survival-Horror als einem wahrhaftigen FPS – was an sich erst einmal nicht schlecht sein muss. Gepaart mit den taffen Gegnern und der marginalen Robustheit unseres Charakters, mussten wir aber leider öfter den Löffel abgeben als uns lieb war. Und die Kämpfe sind nicht spektakulär und abwechslungsreich genug, um einer wiederholten Abfolge entgegenzufiebern.

Im Gegenteil: Für mich sind sie der schwächste Aspekt des gesamten Titels. Sicher sind sie nicht schrecklich, aber eben auch nicht unbedingt nötig – zumindest für mich. Vor allem, wo doch die Atmosphäre und die tollen Rätsel das Spiel schon ausreichend tragen. Wenn man also Abwechslung reinbringen möchte, warum dann nicht mit Stealth-Einlagen oder einem Escape-Encounter? Na ja, vielleicht ist das aber auch nur eine Geschmacksfrage...

Fazit: Reine Geschmacksfrage

Scorn Screenshot: In Scorn ist nicht nur die Spielwelt, sondern auch das Gegnergesocks abwechslungsreich und toll gestaltet

(Image credit: Kepler Interactive)

Geschmacksfrage ist aber auch genau das richtige Stichwort: Denn Scorn wird sicher nicht jeden Spieler für sich begeistern können. Es ist ein nieschiges Horror-Adventure mit ungewöhnlichem Setting und geht mit 5 bis 7 Stunden pro Durchlauf auch nicht allzu lang. Zudem ist die Action eher unspektakulär und war für mich eher ein frustrierendes statt erfreuliches Extra.

Allerdings sollte man sich vermutlich nicht allzu sehr an den kürzeren Action-Passagen sowie der knappen Spiellänge aufhängen und Scorn eher als eine Art interaktive Reise ins Unbekannte betrachten. Alles hier trieft schließlich nur so vor Unbehagen, Befremdlichkeit und neuartigen Szenerien, die vom Spieler näher betrachtet und geschätzt werden wollen.

Wer sich den nächsten großen Horror-Kracher à la Resident Evil oder Silent Hill hiervon erhofft, der könnte aber trotzdem etwas enttäuscht werden. Was Scorn allerdings bietet ist eine sondergleiche Erfahrung. Eine Erfahrung, die zum Nachdenken anregt und welche Bilder in unseren Köpfen zurücklässt, die uns darüber sinnieren lassen, was wohl jenseits unserer bekannten Sphären auf uns warten könnte... und allein hierfür bin ich Scorn echt dankbar. 

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.