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Im Test: Deathloop

Frohes Sterben... wieder und wieder und...

Bis an die Zähne bewaffnet gehst du in Deathloop der Mission nach Stück für Stück der Zeitschleife zu entfliehen... dabei merkst du aber schnell dass pure Gewalt nicht immer das ideale Vorgehen darstellt
(Image: © Bethesda)

TechRadar Fazit

Deathloop punktet mit einer fesselnden Mischung aus Action- und Schleichpassagen, die du gezwungenermaßen mehr als einmal durchleben wirst. Es lässt Spielern dabei aber stets genug Raum, um experimentierfreudig zu werden und bleibt so auch auf Dauer spaßig. Und auch die innovative Multiplayer-Komponente sorgt wiederholt dafür, dass sich kein Durchgang wie der Vorherige anfühlt. Deathloop wird sicher nicht jedermanns Geschmack treffen, kann sich aber durch pfiffige Ideen und gelungenes Gameplay von der breiten Shooter-Kost abheben!

Pros

  • +

    Spannendes Mysterium, welches aufgedeckt werden will

  • +

    Actionpassagen machen durchweg Laune

  • +

    Spaßige Multiplayer-Komponente

Cons

  • -

    Im finalen Drittel zunehmend repetitiv

  • -

    Zuweilen wird man zu Stealth-Gameplay gedrängt

  • -

    Gegnertypen zu abwechslungsarm

Informationen zum Test

Spielzeit: 30 Stunden

Plattformen: PC, PlayStation 5 (Öffnet sich in einem neuen Tab) und Xbox Series X (Öffnet sich in einem neuen Tab)

Stell dir vor du bist in einem Raum, nachts, auf einer Party und du bist von unzähligen Wachen umgeben, die dich noch nicht entdeckt haben, aber sofort auf dich losgehen, sobald sich das ändert. Vorsichtig suchst du dir den passenden Moment aus, zückst deine Pistole und zielst präzise auf den Kopf einer Wache. Ein Schuss... und plötzlich liegt der ganze Raum auf den Boden. Gedankt ist dieses Kunststück der Fähigkeit Nexus, einer von vielen Optionen, die Deathloop zu so einem grandiosen Abenteuer machen. 

Entsprechend häufen sich im Spielverlauf die Momente in denen du dich mächtig fühlst – nicht übermenschlich stark oder schnell, aber besonders raffiniert und mit reichlich Finesse ausgestattet. Bis es soweit ist, vergehen aber so einige Spielstunden in denen du lernst, Hindernisse überwindest, scheiterst und von vorn beginnst... seeeeehr oft.

Das Zeitschleifenabenteuer Deathloop durchlebst du dabei in der Haut von Hauptcharakter Cole, der zu Beginn eines jeden Loops an einem Strand aufwacht und immer wieder den gleichen Tag durchlebt. Deine Reise wird dabei nur entlang von neuen Waffen, Kräften und vor allem Informationen vorangetrieben – zumindest solange, bis du den Loop dann wirklich bezwingen solltest. 

Im Kern ist Deathloop dabei ein Ego-Shooter und gespickt mit einigen Stealth-Elementen und den angesprochenen übernatürlichen Fähigkeiten, die deine Möglichkeiten zunehmend erweitern. In Kombination entpuppt sich ein chaotisches Spektakel aus Feuergefechten, Experimenten und Erfolgen sowie Fehlschlägen, die zudem durch den Mehrspieler-Modus die Komponente des Unvorhersehbaren erhalten.

Dein Ziel bleibt relativ simpel: ein Tag, acht Ziele, die es zu töten gilt – die sogenannten Visionäre. Vonstatten geht der Job auf der Insel Blackreef, die sich zu allem Überfluss aber in einer Zeitschleife befindet. Anfangs scheint diese auch noch unüberwindbar. Im Verlauf bröckelt diese Fassade jedoch und du findest zunehmend Möglichkeiten und Informationen, wie du dieser Insel und der Zeitschleife doch noch entfliehen kannst.

Deathloop: Preis und Veröffentlichungstermin

  • Was ist es? Ein First-Person-Shooter mit Stealth-Elementen, der in einer Zeitschleife spielt
  • Veröffentlichungstermin? 14. September 2021 (PS5), 20. September 2022 (Series X|S, PC) 
  • Wo kann ich Deathloop spielen? PC, PlayStation 5 sowie Xbox Series X|S
  • Was kostet das Zeitschleifen-Abenteuer? 59,99 Euro auf dem PC, 69,99 Euro auf PS5 und Xbox

Täglich grüßt das Murmeltier

Colt erkundet in Deathloop zunehmend die Bereiche von Blackreef und deckt das Mysterium hinter der Zeitschleife auf

(Image credit: Bethesda)

Deathloop unterteilt den Tag stets in vier Perioden. Die Regionen der Insel ändern sich entsprechend der Tageszeit: Es gibt mehr oder weniger Wachen, sie stehen woanders und Orte werden un-/zugänglich. Entsprechend lohnt es sich in den einzelnen Runs verschiedene Strategien auszutesten, bis du die ideale Vorgehensweise für deine Attentatsreihe herausgefunden hast. 

Deathloop funktioniert zudem weniger wie ein Rogue-like und mehr wie ein Rogue-lite. Heißt im Klartext: Du beginnst die Tage von vorn, Fortschritt bleibt aber keinesfalls aus. Die Währung dieses Fortschrittes ist dabei Residuum. Hiermit kannst du beispielsweise Waffen und Kräfte zwischen den Schleifen behalten und somit zu Beginn deines nächsten Laufs einige Vorteil übernehmen. 

Hilfreich ist zudem, das Colt sich zumindest an die Erkenntnisse aus einzelnen Schleifen erinnert und Infos nach einem Tod nicht umsonst zusammengetragen wurden. Und genau wie Colt fängst auch du an mit jeder Schleife mehr über die möglichen Vorgehensweisen, Kampftaktiken und Alternativen ins Grübeln zu geraten, bis du schließlich den perfekten Lauf erwischst. 

Shooter oder Schleichspiel?

Action gibt es in Deathloop genug, häufig scheint aber der Weg des pazifistischen, oder zumindest des subtilen Vorgehens gegen Gegner ratsamer

(Image credit: Bethesda)

Beim Zocken von Deathloop fiel es uns zunehmend schwer das Spiel eindeutig in eine Kategorie zu packen. Im Kern sind die Parallelen zu den Vorgängerprojekten von Entwickler Arkane Studios wie beispielsweise Dishonored nämlich überaus deutlich zu erkennen. Entsprechend könnte man meinen, dass es sich bei Deathloop ebenso um einen Schleichtitel handelt. Im Vergleich zu Corvo ist Colt allerdings mit einem umfangreichen und aggressiven Waffen-, Sprengstoff- und Fähigkeitenarsenal ausgestattet. Und irgendwas in unserem Inneren flüstert uns zu, dass Deathloop geradezu dazu einlädt, dass wir uns die Hände schmutzig machen.

"Deahtloop wirkt trotz bekannter Elemente angenehm ungewohnt."

Zur Gewalt lädt außerdem das unspektakuläre Äußere der Gegner ein. Diese sehen nämlich zumeist eher wie Schaufensterpuppen oder Crashtest-Dummys aus. Und jenseits von den Waffen, die sie tragen, offerieren die meisten NPCs auch keine größere Vielfalt. Das ist einerseits ein bisschen öde, andererseits haben wir dann bei den Abschüssen kein allzu schlechtes Gewissen. 

Zeitgleich wirkt es irritierenderweise häufig so, als ob der Weg mit dem Kopf durch die Wand nicht gewünscht sei. Zumindest signalisieren die zig Ausrufezeichen auf dem Bildschirm bei Konfrontationen, dass der Weg des schleichenden Schatten vorzuziehen wäre. Aber dann würden wir ja irgendwie auch nur die Hälfte von Deathloops Potenzial ausschöpfen... Folglich unser Tipp an dich: Lass dich nicht abschrecken und trau dich auch mal in die Feuergefechte – die machen nämlich echt Laune! 

Ergänzt werden beide Spielweisen aber ja auch noch mit den Slabs, den Kräften unseres Protagonisten. Diese erhalten wir beim Töten von Visionären, unseren Auftragszielen. Hierzu gehören Fähigkeiten wie der Shift, der dich sofort an ungelegene Stellen teleportieren kann oder aber Karnesis, mit der du Feinde dank unsichtbaren Tentakeln verprügelst oder von Klippen stößt. Unser Highlight bleibt aber Nexus: Mehrere Gegner und ihre Schicksale sind hierbei auf Knopfdruck miteinander verwoben. Tötest du einen, fallen alle um. 

Erweitern kannst du dein Fähigkeitenensemble dann noch mit den sogenannten Trinkets (Schmuckstücken). Hiermit werden deine übernatürlichen Boni weiter verstärkt und du kannst deine Robustheit erhöhen oder länger unsichtbar bleiben. 

Viele dieser Elemente erinnern wieder an vorherige Projekte wie Dishonored. In Kombination mit dem Shooter-Gameplay ist es Arkane Studios allerdings gelungen, frischen Wind in diese Formel zu bringen und Deathloop wirkt trotz bekannter Elemente angenehm ungewohnt.

Verflixte Julianna

Julianna stellt sich Colt auf seiner Mission häufig in den Weg und kann so auch den durchdachtesten Run zerstören

Julianna stellt neben den Visionären die größte Bedrohung dar,  vor allem falls sie von einem menschlichen Spieler gesteuert wird. (Image credit: Bethesda)

Mit Blackreef stellt euch Arkane einen interessanten und höchst abwechslungsreichen Schauplatz zum Erkunden zur Verfügung. Der Ton des Spiels trifft dabei ebenso ins Schwarze: Im Kern dreht sich neben den Attentatsaufträgen viel um die Dynamik zwischen Colt und seiner Gegenspielerin Julianna, die als Rivalin fortwährend unser Vorgehen durchkreuzt. 

In der endlosen Zeitschleife ist das Katz-und-Maus-Spiel das I-Tüpfelchen in einer Welt, die dauerhaft zum gegenseitigen Töten, Beschimpfen und Überlisten einlädt. Das 60er-Jahre-Setting tut sein übriges und vermischt künstlerische und cineastische Elemente der damaligen Zeit gekonnt, um ein hohes Maß an Authentizität zu erzeugen. Und auch Colt gewinnt man durch seinen verkaterten Charakter und seine Züge eines immerzu müden Mannes, der die ewigen Loops leid ist, doch irgendwie lieb.

"Oder aber wir steuern einmal selbst die Visionärin und machen anderen das Leben schwer – Deathloop soll ja nicht nur für uns eine Herausforderung bleiben."

Am Besten gefällt uns aber die Freiheit beim Vorgehen gegen die Visionäre – die übrigens ebenfalls großartig geschrieben sind. Wie wir jemanden zur Strecke bringen, welche Reihenfolge wir anstreben und ob uns die Attentatsserie schlussendlich gelingt, hängt nicht nur vom spielerischen Können ab, sondern auch von unserer Planungsfähigkeit und den gesammelten Infos. 

Wenn schließlich die Credits laufen, sind etwa 20 Spielstunden vergangen – danach ist aber noch nicht Feierabend. Immerhin gibt es noch etwaige andere Routen zu erkunden und unzählige Methoden auszuprobieren, die ja ebenso zielführend sein können, oder?

Und selbst wenn wir noch einmal den gleichen Ablauf verfolgen, ist da ja immer noch Julianna, die uns unerwartet in die Quere kommen kann. Oder aber wir steuern einmal selbst die Visionärin und machen anderen das Leben schwer – immerhin soll Deathloop ja nicht nur für uns eine Herausforderung bleiben. Und sind wir mal ehrlich: Unser kleiner, innerer Teufel erfreut sich nur allzu sehr daran, wenn wir Colt, kurz vor der Vollendung seines Attentats, doch noch einen Strich durch die Rechnung machen... 

Fazit: Wiederholt spaßig

Hier einen Tritt, da einen Schuss – die Möglichkeiten zum kämpferischen Vorgehen sind umfangreich und Deathloop punktet auch hier durch relativ freie Möglichkeiten

(Image credit: Bethesda)

Deathloop hat selbst ein Jahr nach Release kaum an seinem Charme eingebüßt. Noch immer macht das Gameplay großen Spaß und der Ausbruch aus dem Loop kann durch optische und inhaltliche Finesse überzeugen. 

Arkane Studios schafft es weiterhin genau das so faszinierend zu gestalten, was bei anderen Titeln schnell abschreckend wirkt: Repetitivität. Denn während wir den immerzu gleichen Tag durchleben, so ändern sich doch die Feinheiten genug und die Möglichkeiten sind umfassend, sodass wir uns auch beim x-ten Versuch nicht langweilen. Der Multiplayer-Part mit Julianna und Colt erledigt gekonnt den Rest.

Sicher, Deathloop dürfte nicht jedermanns Geschmack treffen und einige Spieler werden sich auch daran stören, dass sich jenseits von ein paar verhältnismäßig marginalen Upgrades nicht viel tut. Wer sich jedoch auf das Setting und die Idee vollends einlässt, der wird mit einem charmanten Abenteuer entlohnt. Und hey: Game Pass-Abonnenten können seit neuestem ohnehin kostenfrei reinschnuppern!

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.

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