Im Test: Bayonetta 3

Der stärkste Widersacher der Hexe ist die Hardware

Bayonetta 3 Cover Art Close Up
(Image: © Nintendo )

TechRadar Fazit

Bayonetta feiert auf der Switch ein gelungenes Comeback mit gewohnt flottem und spaßigen Gameplay, zahlreichen Waffen sowie schicken Combos, die das Herz jedes Hack'n'Slay-Fans höher schlagen lassen. Dem Spielspaß kommt einzig die Switch selbst in die Quere, die mit inkonstanter Performance der Hexe so einiges von ihrem Zauber raubt...

Pros

  • +

    Höchst unterhaltsames Kampfsystem

  • +

    Abwechslungsreiche Szenerien

  • +

    Spaßige Gameplay-Neuerungen

Cons

  • -

    Texturen zuweilen arg hässlich

  • -

    Schwankende Bildrate

  • -

    Lange Ladezeiten

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Informationen zum Test

Bayonetta 3

(Image credit: Nintendo)

Spielzeit: 20 Stunden
Releasezeitpunkt: 28. Oktober 2022
Plattform: Nintendo Switch (Öffnet sich in einem neuen Tab)
Preis: 59,99€

Die schönste Hexe der Videospiellandschaft feiert mit Bayonetta 3 ihre längst überfällige Rückkehr auf der Nintendo Switch (Öffnet sich in einem neuen Tab). Wieder einmal ist es dabei dem Entwickler, Platinum Games, gelungen, einen höchst unterhaltsamen Action-Titel zu entwickeln, welcher in kleinen wie großen Gaming-Sessions durch stylische Kämpfe, abwechslungsreiche Waffen und frische Hexenkünste Spaß beim Spielen garantiert.

Wie gewohnt ist die namensgebende Hexe erneut der Dreh- und Angelpunkt von Action und der Story rund um Dämonen, Engel sowie Homunkuli. Wie ihr Genre-Kollege Dante (aus Devil May Cry) hat Bayonetta dabei allzeit einen flotten Spruch auf den Lippen und scheint vor keinem Gegner klein beizugeben. Der größte Widersacher der Hexe ist allerdings jemand, gegen den selbst die stärksten Manöver nichts ausrichten dürften: Ja, es handelt sich tatsächlich um die Switch-Hardware selbst!

Willkommen im Multiverse der Hexen

In Bayonetta 3 treffen wir gleich auf mehrere Varianten der Umbra-Hexe.

Immerhin funktioniert das Multiversum in Bayonetta schon einmal besser als im jüngsten Doctor Strange-Filmableger... (Image credit: Nintendo)

Im interdimensionalen Katz-und-Maus-Spiel mit den humanoiden Homunkuli durchqueren wir die verschiedensten Welten und wandeln so zwischen Ruinen, lichtdurchfluteten Arealen und dunklen Korridoren. Wer jetzt schon die Augen rollt, weil er wieder einmal einen unterwältigenden Multiversum-Ansatz befürchtet, dem können wir sogleich Entwarnung geben: Platinum nutzt die Idee gekonnt zum Vorteil in der Präsentation!

Aufgrund des ohnehin überdrehten Art-Designs der Serie dürfte es dabei wenig überraschen, dass wir so in Windeseile zwischen höllischen Szenerien, den Ruinen eines einstigen Tokios und bildhübschen, märchenhaften Welten hin und her wechseln. Das kommt auch dem Spielspaß zugute und sorgt schnell für Vorfreude auf das, was noch kommen könnte. Und wenn man innerhalb von Minuten weg vom engen, schlauchigen Areal hin zur offenen Fläche und einem riesigen Kaiju-Battle wechselt, dann hat das schon seinen ganz eigenen Charme! 

Bayonetta 3 Umbra dragon

Die Beschwörung des Umbra-Drachen sieht auch im dritten Teil wieder spektakulär aus und hat diesmal auch spielerisch einen stärkeren Auftritt!  (Image credit: Platinum Games)

Für Bayonetta 3 reicht es übrigens die Geschehnisse der vorherigen Teile grob im Kopf zu haben. Entsprechend ist der dritte Teil weniger verworren und durchaus verzeihend für Neueinsteiger. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch einige Verweise auf vorherige Abenteuer und Charaktere, die Serienfans freuen dürften. 

Und Apropos Charaktere: Wie bereits erwähnt ist Bayonetta 3 im Multiverse-Setting angelegt. Logisch also, dass wir hier auch mehreren Versionen der Umbra-Hexe über den Weg laufen, die allesamt interessante und zuweilen echt amüsante Eigenheiten besitzen. Zeitgleich dürfen aber auch bekannte Gesichter, wie der charmante Händler Ronin sowie die Hexengefährtin Jean, nicht fehlen. 

Das spannendste, neue Gesicht war aber wohl die freche und junge Mistreiterin Viola. Die junge Hexe ist ein elementarer Teil des Multiverse-Plots, ähnelt jenseits davon aber eher einem 2000er-Punk-Charakter, der seine launische Natur und den schroffen Ton nur in den seltensten Fällen zurückhält. So richtig sind wir mit Viola noch nicht warm geworden... mit ihrer riesigen, dämonischen Hauskatze konnten wir uns aber schon eher anfreunden. 

Aber bitte mit Stil

Bayonetta 3 Screenshot

(Image credit: Nintendo)

Wie bereits erwähnt, glänzt Bayonetta 3 vor allem durch das atemberaubende Kampfsystem, was mit neuen Kombos, zahlreichen Waffen und frischen Spezialfähigkeiten der Hexe auch im dritten Teil wieder frisch und abwechslungsreich wirkt.

Gut gelungen ist hierbei auch das Tempo der Waffeneinführung. Zu Beginn sind wir nämlich erst einmal nur mit Schlägen, Tritten und den bekannten vier Pistolen ausgestattet. Das "Colour My World"-Moveset wird im Verlauf aber rasch durch spannende, verrückte Ergänzungen wie einer Bazooka-ähnlichen Waffe oder einem Yo-Yo (richtig gelesen) ergänzt.

Gefallen hat uns hierbei auch, dass der Spielstil sich spürbar in Anbetracht der genutzten Waffe unterscheidet. So variiert die Hexe zwischen agilen Hieben mit hoher Frequenz bei der einen Waffe und langsameren sowie kraftvollen Manövern bei der nächsten.

Richtig spannend wird das Ganze noch in Kombination mit den "Dämonensklaven", welche im Kampf nun gezielt einsetzbar sind und wahlweise mit Ablenkung, Finishern oder anderen unterstützenden Manövern aushelfen. Viele hiervon sind zudem an ein Risk-Reward-System gekoppelt, was kluges Timing und situatives Abwägen belohnt. 

Einen gelungenen Einblick in die Gameplay-Facetten bietet hierbei auch diese Übersicht von Nintendo:

Was im Video aber so einfach aussieht, verlangt in der Praxis wieder einmal so einiges an Übung. Denn ja, Bayonetta 3 ist durchaus ein kniffliges Spiel, welches bereits auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad Schweiß und Tränen kosten dürfte.

Simultan sorgt eben diese Lernkurve aber auch dafür, dass man sich ganz bewusst mit Manövern, Waffen und Hexenfähigkeiten sowie deren Vor- und Nachteilen auseinandersetzt. Und wenn du schließlich die Lernphase hinter dir lässt, erfreust du dich umso mehr am Action-Bombast, was dich dank gezielter Tastenkombinationen auf deinem Bildschirm erwartet.

Zum Lernprozess gehört aber nicht nur das gekonnte Zuhauen, sondern auch gezieltes Ausweichen. So feiert auch die ikonische Hexenzeit ihre Rückkehr. Und ganz ehrlich: Sie ist unser absoluter Favorit im kompletten Fähigkeitenensemble von Bayonetta. Wer im richtigen Moment die Ausweichtaste betätigt, wird hierbei für wenige Sekunden mit einer Verlangsamung der Gegner belohnt, die nun mit brachialen Kombinationen voll ausgekostet werden darf. Friss das Homunculi! 

Die Hexe bringt die Switch auf Hochtouren

Bayonetta 3

Für einen Switch-Exklusivtitel muss sich Bayonetta 3 keinesfalls verstecken. (Image credit: Nintendo)

Mit Bayonetta 3 bringt Platinum Games die Nintendo Switch womöglich an ihr Limit. Durchweg begleiten uns auf den gut 15-20 Stunden atemberaubende Szenerien, grandiose Effektgewitter sowie erstklassige Bosskämpfe, aber eben auch unschöne Texturen, enttäuschende Ladezeiten und der ein oder andere Einbruch der Bildrate.

Im Vergleich zu Pokémon Karmesin und Purpur (Öffnet sich in einem neuen Tab) ist die Framerate aber natürlich noch immer auf einem gänzlich anderen, besseren Niveau. Zwar können nicht immer die (höchst ambitionierten) 60 FPS gehalten werden, unter 30 Bilder fällt Bayonetta 3 allerdings nie. Und wenn man sich die schicken Partikeleffekte, tollen Gegnerdesigns und hübschen Zwischensequenzen ins Gedächtnis ruft, die man hierfür als Gegenleistung bekommt, dann ist das mehr als fair. Hier kann GameFreak zweifelsfrei noch ein oder zwei Dinge lernen...

Fazit: Bayonetta 3 unterstreicht die Stärken von Platinum Games und die Schwächen der Hardware 

Bayonetta 3 bringt mit Viola etwas frischen Wind in die Story

(Image credit: Nintendo)

Bayonetta 3 ist der Beweis dafür, dass Platinum Games noch immer hervorragende Action-Titel produzieren kann. Es ist schnell, überaus spaßig und sieht für einen Switch-Exklusivtitel erstaunlich schön aus.

Gekonnt hat man außerdem weiter am Gameplay gefeilt und kombiniert bekannte Elemente mit frischen Ergänzungen zu einem gelungenen Gesamtpaket. Und auch die Story weiß in bester Weise zu überzeugen, während sie den Spieler quer durchs Multiversum wirft. 

Limitiert wird die Spielerfahrung aber leider massiv durch das System, was Nintendo derzeit bereitstellt. Selten zuvor wünschten wir uns so sehr eine Pro-Variante der Nintendo Switch wie beim Spielen des Hexen-Abenteuers. Man mag sich nur vorstellen, was Bayonetta 3 für ein noch größeres Freudenspektakel auf einer performanteren Hardware sein könnte...

Redakteur

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.