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Motorola Edge Plus Testbericht

Motorola kehrt in die erste Liga zurück

Motorola Edge Plus
(Image: © Future)

Unser Fazit

Das Motorola Edge Plus ist das erste Smartphone produziert hat, um es mit den frühenden Modellen aufzunehmen und weiß auf ganzer Linie zu beeindrucken. Mit seinen drei rückwärtigen Kameras und einem Waterfall-Display ist das Edge Plus ziemlich eindrucksvoll.

Vorteile

  • Tolles Display
  • Unterstützung für sub-6 und mmWave 5G
  • Gute technische Daten

Nachteile

  • Eingeschränkter Zoom
  • Teuer

Zwei-Minuten-Review

Motorola Edge Plus: Zwei-Minuten-Review

Das Motorola Edge Plus ist Motorolas erstes echtes Flaggschiff seit Jahren und verfügt über erstklassige technische Daten, ein wunderschönes Display und drei rückwärtige Kameras. Zusammen mit der 5G-Unterstützung besitzt es alle wichtigen Eigenschaften, um mit den Oberklasse-Smartphones von Samsung, Apple und OnePlus zu konkurrieren.

Das Motorola Edge Plus ist Motorolas erstes echtes Flaggschiff seit Jahren und verfügt über erstklassige technische Daten, ein wunderschönes Display und drei rückwärtige Kameras. Zusammen mit der 5G-Unterstützung besitzt es alle wichtigen Eigenschaften, um mit den Oberklasse-Smartphones von Samsung, Apple und OnePlus zu konkurrieren.

Das Edge Plus ist für ein Motorola-Smartphone sehr teuer: Es kostet in der UVP so viel wie ein Samsung Galaxy S20 Plus, kann aber immerhin in fast jedem Bereich mit der Konkurrenz mithalten und bietet in einigen sogar ein paar einzigartige Neuerungen.

Motorola-Fans dürfte besonders der bekannte Android-Skin gefallen, der akribisch für das neue Gerät nachgebaut wurde, und die klassischen Moto Actions: Es ist nett, die Kamera-App – wortwörtlich – aus dem Handgelenk öffnen (d.h. mit zwei kurzen Drehungen) und so auf die Dreifachkamera auf der Rückseite zugreifen zu können, besonders der 108-MP-Hauptkamera. Allerdings sind die 16-MP-Ultraweitwinkel- und die 3-fach-Telefoto-Kamera auch nicht schlecht.

Die Zoom-Funktion ist so gut wie bei vielen anderen Flaggschiffen, aber nicht ganz so gut wie bei den besten Geräten auf dem Markt, was eins der offensichtlichen Mankos des Motorola Edge Plus ist.

Wie eingangs erwähnt, kostet es in Deutschland aktuell ungefähr so viel wie das Galaxy S20 Plus. Die größten technischen Unterschiede sind hier die Kameras und der interne Speicher – bei Motorola gibt es mit 256 GB nämlich doppelt so viel wie beim Galaxy. Ansonsten sind die beiden technisch auf demselben Stand: Snapdragon 865, 12 GB RAM, 5G.

Es unterstützt außerdem sowohl Sub-6- als auch mmWave-5G-Netze, was es interessant für Nutzer mehrerer Netzbetreiber macht, oder solcher, die sich nicht gerne über längere Zeiträume an einen binden.

Motorola Edge Plus: Preis und Verfügbarkeit

Das Motorola Edge Plus ist seit dem 14. Mai in Deutschland verfügbar und kostete ursprünglich rund € 1200,-. Mittlerweile ist der Preis aber um € 200,- auf rund € 1000,- gefallen, wobei sich das natürlich auf Motorolas eigene UVP bezieht. Andere Händler bieten es auch für deutlich unter € 1000,- an.

Vom Motorola Edge Plus gibt es im Gegensatz zu Flaggschiffen anderer Hersteller nur eine Version. Varianten mit mehr Speicher oder mehr RAM gibt es nicht. Auch die Farbe ist in Deutschland nur auf „Thunder Grey“ beschränkt, wobei es sich – trotz des Namens – um einen dunklen Blauton handelt und nicht um einen Grauton.

Motorola Edge Plus

(Image credit: Future)

Motorola Edge Plus: Design

Das Motorola Edge Plus sieht aus und fühlt sich an wie ein Flaggschiff-Smartphone. Vorbei sind die Zeiten der flachen Glasrückseiten der Moto Z-Serie mit ihrem Kontaktstreifen für Moto Mods und dem kreisförmigen Kamerablock. Das Edge Plus nimmt stattdessen schlichten Designelemente und die Kamerareihe von der Motorola One-Serie.

Das erste, was man am Edge Plus bemerkt, ist seine Größe. Genau genommen seine wahrgenommene Größe: Das Gerät ist nur Millimeter länger als das Moto Z4 und in der Breite sogar kleiner, aber sein Display mit abgeflachten Kanten und die kleineren Ränder oben und unten lassen es wesentlich größer wirken als seinen Vorgänger.

Das Display biegt sich um die Seiten des Smartphones wesentlich weiter als bei andren Flaggschiffen. Beim „Waterfall-Design“ denkt man generell zuerst an Samsung, doch der Bildschirm des Edge Plus zieht sich weiter über die Seiten des Geräts als bei jedem der Galaxy S20-Modelle. Einfach gesagt: Es sieht einfach schick aus.

Dadurch bleibt weniger Platz für Tasten an den Seiten als bei anderen Handys, weshalb das Edge Plus hauchdünne Lautstärke- und Power-Tasten hat. Sie sind genauso dünn wie beim neuen Motorola Razr, fühlen sich wegen der Größte des Edge Plus aber wesentlich angenehmer an.

Tatsächlich ist das Edge Plus größer und dicker als viele Smartphones. Es ist 9,6 mm dick, was deutlich mehr ist als bei anderen Handys – das Galaxy S20 ist nur 7,9 mm dick – auch wenn man sich sehr schnell an die Größe gewöhnt.

Frei von den Fesseln der Kompatibilität mit Moto Mods folgt das Edge Plus den Designlinien der Motorola One-Serie, in erster Linie durch die vertikale Anordnung der Kameras in der oberen linken Ecke. Es ist nicht die eleganteste Anordnung, die wir je gesehen haben, da die unterschiedlich großen Linsen aus dem Kameramodul hervorstehen, aber sie ist auch weit davon entfernt, schlecht zu sein. (Immerhin sieht sie nicht aus wie ein Rasierapparat.)

Ein Tiefensensor und die Blitz-LED sitzen neben dem Kamerablock und schräg über dem polierten Motorola-Logo in der Mitte. Der Rest der Rückseite besteht aus Glas. Sehr glattem Glas. Das Gerät fiel uns mehrfach vom Tisch, weshalb wir es hinter einer Tastatur einklemmen mussten, um Schlimmeres zu verhindern.

Die hochwertige Verarbeitung macht sich auch an der Ober- und Unterkante bemerkbar, die beide nach innen gebogen sind und das über die langen Kanten fallende Waterfall-Display wundervoll ergänzen. An der Unterkante befindet sich mittig zwischen dem Lautsprecher rechts und dem SIM-Slot links der USB-C-Anschluss.

Auf der Oberkante befindet sich nur die 3,5-mm-Klinke, die für Viele ein Segen sein wird, selbst wenn eingesteckte Kopfhörerkabel bei horizontaler Verwendung – Gaming, Videos – eher stören.

(Image credit: Future)

Motorola Edge Plus: Display

Das 6,7 Zoll große OLED-Display des Motorola Edge Plus ist schärfer, als man bei einer FHD+-Auflösung (2.340 × 1.080) meinen würde.

Abgesehen von der Klarheit ist die nennenswerte Eigenschaft des Displays die gebogenen Kanen. Motorola nennt seine Interpretation des Features „Endless Edge“ und verdient die Bezeichnung mehr als die „Infinity Edge“-Bildschirme von Samsung. Das Display des Edge Plus biegt sich viel weiter um die Kanten als jedes Display der Samsung Galaxy S20-Serie und sogar weiter als bei OnePlus 8-Geräten. Wir haben hier einen neuen Waterfall-König.

Bringen die gebogenen Kanten etwas an den Tisch, außer Style? Standardmäßig ziehen sich alle Apps über die gesamte Breite des Displays. Uns gefällt der Effekt, da er zusätzliche Perspektive schafft und suggeriert, dass das Display größer ist, als es aussieht. Diese Funktion lässt sich allerdings pro App ausschalten.

Allerdings lassen sich auch zusätzliche digitale Knöpfe auf die Seiten legen, wenn man Spiele spielt – genau genommen, zwei anpassbare Schultertasten. Geräte wie das LG V60 ThinQ haben das bereits versucht, jedoch gelingt es dem Edge Plus wesentlich besser, da es dank der stärkeren Biegung des Displays wesentlich einfacher ist, die Tasten zu treffen. Wir fanden sie zwar nicht besonders hilfreich, aber die Implementierung funktioniert besser als bei jedem anderen Handy, das es versucht hat.

Wie viele andere Flaggschiffe im Jahr 2020 flackert das Display des Edge Plus mit maximal 90 Hz, die auf 60 Hz gesenkt werden können – nicht so schnell wie die 120 Hz des Samsung Galaxy S20, aber schneller als die 60 Hz beim Großteil der Smartphones. Das macht Scrollen in Apps wesentlich flüssiger und bei Motorola wirkt es noch etwas besser als bei der Konkurrenz: Die Scroll-Geschwindigkeit ist beschränkt, sodass man nicht zu schnell scrollen kann.

Im Display integriert ist ein Fingerabdruckscanner, der schnell und einigermaßen zuverlässig funktioniert. Ab und zu erkennt er den Finger nicht, aber meistens klappt es mit allen registrierten Fingern in allen Positionen. Der Fingerabdruckscanner des LG V60 ThinQ hatte da z.B. wesentlich größere Probleme.

(Image credit: Future)

Motorola Edge Plus: Kamera

Bisher hatten Oberklasse-Smartphones von Motorola passable, aber keine besonders eindrucksvolle Kameras. Das Motorola Edge Plus bricht mit dieser „Tradition“ und besitzt ein Kamera-Array, das eines Flaggschiff-Smartphones würdig ist.

Die herausstehende Kamera hier ist die 108-MP-Hauptkamera, die, wie andere Kameras in 2020, Pixel Binning verwendet, was effektiv vier Pixel zu einem kombiniert, um mehr Licht und damit mehr Details einzufangen. Die resultierenden Fotos haben sind dann 27 MP groß.

Bei den anderen beiden Kameras handelt es sich um eine 16-MP-Ultraweitwinkel- und eine 8-MP-Telefotokamera mit 3-fachem optischem und bis zu 10-fachem digitalem Zoom. Wie bei den meisten anderen Smartphones sind die Fotos bei höheren Zoomstufen recht verschwommen – und hier liegt eins der größten Mankos des Motorola Edge Plus, zumindest im Vergleich zu anderen Premium-Smartphones, die wesentlich weiter fotografieren können.

Sowohl das Samsung Galaxy S20 als auch das OnePlus 8 Pro können bis zu 30-fachen digitalen Zoom. Zwar werden nicht besonders viele Nutzer Fotos bei so hoher (digitaler) Vergrößerung schießen, aber im Umkehrschluss bedeutet es, dass Fotos bei geringerer Vergrößerung von 10 bis 20 wesentlich schärfer sind.

Bei Fotos bei den üblichen Entfernungen erzielen die Kameras des Edge Plus durchaus sehenswerte Ergebnisse und sind stehen lediglich anderen Flaggschiffen nach. Wie bei früheren Motorola-Smartphones verlieren die Kameras Detailstufen bei schwacher Beleuchtung: Ziegelsteine, Grashalme und vergleichbare Details lassen sich im Schatten schlechter voneinander unterscheiden als auf Fotos des Samsung Galaxy S20, z.B.

Solange man also keine Fotos nach der Abenddämmerung macht, sind die Kameras des Edge Plus ziemlich gut. Die 25-MP-Frontkamera hat bei schwachem Licht ähnliche Probleme wie die Hauptkamera, macht andernfalls aber scharfe Fotos.

Motorola belässt beim Interface der Kamera-App alles beim alten: sehr minimalistisch. Braucht man einen anderen Modus als Standard-Fotos oder Video, muss man ein Menü öffnen. Die virtuellen Zoom-Tasten auf der linken Seite wechseln zwischen 0,5-fach, 1-fach und 3-fach, sind aber überraschend schwierig zu bedienen. Daher empfehlen wir, direkt Pinch-to-Zoom zu benutzen. Es gibt aber auch Gutes: Der manuelle Modus lässt sich sehr einfach aktivieren – mit der Schaltfläche „M“ neben dem Einstellungs-Zahnrad – und mit den Pfeilen am unteren Rand kann man durch die verschiedenen Einstellungen blättern, von ISO über Weißabgleich bis zum Fokus.

(Image credit: Future)

Motorola Edge Plus: Performance

Im Motorola Edge Plus steckt derselbe Snapdragon 865 wie in allen anderen Android-Flaggschiffen 2020 bisher. Zusammen mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher (der im Gegensatz zum kleineren Motorola Edge nicht erweiterbar ist), hat das Motorola Edge Plus ähnliche technische Daten wie die Samsung Galaxy S20-Reihe. Die Speicherbegrenzung ist etwas bitter.

Dank der ganzen Leistung läuft das Handy allerdings sehr flott und springt problemlos zwischen Apps und Spielen. Die durchschnittliche Geekbench 5-Punktzahl von 3.344 ist höher als des Samsung Galaxy S20 Plus (3.304). Einfach gesagt: Man kann damit alles machen, ohne dass es stockt.

Es gibt keine Verzögerung, wenn man zwischen Apps hin und her wechselt und kaum einen, wenn man Medienstreams startet. Die Stereolautsprecher wurden von der Firma Waves eingestellt und ergänzen das Medienerlebnis perfekt. Der Sound ist gleichmäßig, egal wie man das Handy dreht.

Auf dem Edge Plus läuft Android 10 ab Werk und Motorola-Fans dürfte freuen, dass der bekannte Software-Skin wieder am Start ist und viele Moto Actions mit an Bord sind, vom Schütteln für die Taschenlampe bis zum Drehen für die Kamera.

(Image credit: Future)

Motorola Edge Plus: Akku

Der Akku mit 5.000 mAh Kapazität ist eine weitere Stärke des Motorola Edge Plus. In unseren Alltagstests hielt der Akku problemlos einen ganzen Tag, ohne dass wir nachladen mussten, und das mit höheren Einstellungen. Bei 60 Hz, geringerer Auflösung und geringerer Helligkeit hielt der Akku noch länger.

Die Schwachstelle ist hier das Ladegerät. Der mitgelieferte 15W Turbo Charger lädt etwa 1 % pro Minute, was bedeutet, dass es knapp zwei Stunden dauert, den Akku von null auf hundert zu laden. Andere Smartphones kommen mit schnelleren Ladegeräten und erreichen dasselbe in der Hälfte der Zeit oder sogar weniger: Das OnePlus 8 konnten wir von 10 auf 100 % in nur 30 Minuten laden.

Soll ich das Motorola Edge Plus kaufen?

(Image credit: Future)

Kauf’ es, wenn...

Du das gesamte 5G-Spektrum abdecken willst
In Deutschland verwenden bisher alle Netzanbetreiber den sub-6-5G-Standard, daher ist mmWave nicht wirklich relevant. Im teilweise deutlich fortschrittlicheren Ausland könnte die Unterstützung allerdings ein netter Bonus sein.

Du Displays liebst
Ja, das Motorola Edge Plus erreicht nicht ganz das beste hochauflösende Display auf dem Markt – das vom Samsung Galaxy S20 – aber der Full-HD-Bildschirm eignet sich hervorragend für Serien und Spiele und das Waterfall-Display ist das beste, das wir je gesehen haben.

Kauf’ es nicht, wenn...

Du ein günstiges Smartphone suchst
Das Motorola Edge Plus ist vieles, aber günstig ist es nicht. Das neueste Motorola-Smartphone ist voll mit moderner Technik und hat deshalb ein Preisschild, das der Konkurrenz in nichts nachsteht.
Wenn du ein leistungsstarkes Smartphone für weniger Geld suchst, solltest du es eher mit dem OnePlus 8, dem iPhone 11 oder noch günstiger, dem iPhone SE 2020 probieren.

Du Zoom-Fotografie brauchst
Es ist zwar keine echte Schwäche, da viele Oberklasse-Smartphones nur 10-fachen digitalen Zoom können, aber es gibt eben auch ein paar Geräte, die mehr können. Sowohl das OnePlus 8 Pro und die Samsung Galaxy S20-Reihe können 30-fach oder mehr zoomen. Wenn das wichtig ist, solltest du es bedenken.

Erstmals getestet: Mai 2020