Wo liegt der Sinn eines 500-Hz-Gaming-Monitors?

Der Asus ROG Swift 500Hz Gaming-Monitor ist frisch angekündigt und vielleicht das neue Maß für E-Sports-Gamer
(Bildnachweis: Future / Asus)

Der neue Asus ROG Swift 500 Hz Gaming-Monitor wurde entlang der Keynote von Nvidia auf der Computex 2022 vorgestellt und verspricht der schnellste Bildschirm auf dem Markt zu sein. Das Gerät entstand in der Zusammenarbeit zwischen zwei Unternehmen, welche im Jahr 2020 bereits mittels eines 360-Hz-Monitors neue Maßstäbe setzten und den schnellsten Gaming-Monitor zur damaligen Zeit offerierten.

Innerhalb der Ankündigung wird das neue Produkt als "E-Sports-Display mit der niedrigsten Latenz und höchsten Bildwiederholfrequenz, die je entwickelt wurde" betitelt. Der Monitor verfügt hierbei über 24 Zoll und eine Full HD 1080p-Auflösung sowie ein brandneues TN-Panel. 

Entlang der Präsentation macht man bereits deutlich, dass hierdurch primär SpielerInnen kompetitiver E-Sports-Titel angesprochen werden sollen. In diesem Spielebereich ist der Unterschied bezüglich einer möglichst niedrigen Latenzzeit sowie hohen Bildwiederholrate noch am deutlichsten spürbar. Eigens für diesen Anwendungsbereich verfügt das Gerät außerdem über einen G-Sync E-Sports-Modus und verwendet hierbei die Nvidia Reflex Analyzer Technologie. 

Über das Erscheinungsdatum sowie einen möglichen Preis sind jedoch noch keine Infos bekannt - dass das Gerät aber kein Schnäppchen werden dürfte, versteht sich bei diesen Spezifikationen beinahe von selbst. 

Tempo bei dem du deinen Augen kaum noch traust...

Die meisten 1080p- sowie 1440p-Gaming.Bildschirme bieten dir eine Bildwiederholrate zwischen 144Hz und 240Hz an, während 4K-Bildschirme auf Kosten des schärferen Bildes nur eine Rate von 60Hz liefern. Somit steigt entlang des neuen Produktes von Asus und ROG die Herzrate auf mehr als das Doppelte des Üblichen und zeichnet einen deutlichen Unterschied ab. 

Kurz einmal für alle als Auffrischung: Die Bildwiederholfrequenz ist nicht identisch zur Framerate. Während Erstere ein Indikator dafür ist wie viele Bilder der Monitor pro Sekunde auffrischt, gibt die zweite Zahl die Leistungsfähigkeit der Grafikkarte an, welche sekündlich eine bestimmte Anzahl an Bildern an den Bildschirm weitergibt. 

Hast du also einen 60-Hz-Bildschirm, so werden auch maximal 60 FPS hierauf abgebildet, selbst wenn deine Grafikkarte in der Theorie viel mehr Bilder darstellen kann. 

Außerdem hält sich im Internet das Argument, dass hohe Bildwiederholfrequenzen umso schwerer zu erkennen sind, desto schneller sie sind. Manche behaupten sie könnten bis zu 240 FPS sehen, allgemein anerkannt ist jedoch, dass das menschliche Auge nur 60 Bilder pro Sekunde erkennen kann.

Warum macht dann jedoch ein Bildschirm mit 120, 144 oder gar 500 Hz trotzdem Sinn? Kurze Antwort: Weil dein Gehirn die meiste Arbeit übernimmt, nicht deine Augen.

(Nur) ein Produkt für E-Sportler und -Enthusiasten 

500Hz Bildwiederholrate wird infolge der Computex 2022 vermutlich eine Zeit lang die Messlatte sein, welche durch den neuen Asus ROG-Monitor aufgestellt wurde

(Image credit: Nvidia)

Das Auge überträgt Infos an das Gehirn und infolgedessen wirst du feststellen, dass Darstellungen dir flüssiger erscheinen, je höher die Bildwiederholrate sowie entsprechende FPS-Zahl ist. Steigst du von 60 auf 144 Hz um, ist dieser Unterschied noch sehr deutlich wahrzunehmen. Der Sprung von 144 auf 240 Hz ist jedoch schon etwas schwieriger festzustellen. 

Das wirft die Frage auf: Was bringen dir dann überhaupt 500-Hz-Displays? Tatsächlich profitiert höchstwahrscheinlich nur ein äußerst kleiner Prozentsatz der Bevölkerung von einem solchen Gerät. Weiterhin wäre zur tatsächlichen Ausschöpfung dieser 500 Hz außerdem notwendig, dass eine leistungsstarke Maschine zur Verfügung steht, die die zugehörigen 500 FPS liefern kann.

Sicher ist das ein toller, neuer Meilenstein für die Entwickler. Trotzdem darf man sich allmählich fragen ab wann die Bildwiederholrate kein relevantes Kriterium mehr beim Wetteifern um das nächste, bessere und schönere Produkt darstellt. Ganz ehrlich: Ich könnte den Unterschied nicht feststellen, hätte ich mir nicht das Video weiter oben angesehen. Weiterhin glaube ich, dass die meisten Gamer von der zusätzlichen Herzrate nur geringfügig profitieren würden und sich damit ein Kauf nur bedingt rentiert.

Ich gehe also davon aus, dass der Monitor für die meisten nicht die erste Wahl sein wird und vielleicht auch nicht sein sollte. Die ROG-Hardware war bereits in der Vergangenheit häufiger kostspielig und auch die 500Hz-Variante eines Monitors sollte da, als Vorreiter in diesem Bereich, keine Ausnahme sein. Ob sich ein Investment für dich tatsächlich lohnt, kannst du dir jedoch nur selber beantworten...

Für mich hingegen fühlen sich die bereits verfügbaren 144 Hz und 240 Hz-Varianten wie der Sweet Spot an. Solltest du also auf der Suche sein nach einem neuen Display, dann würde ich persönlich empfehlen die Suche in diesem Segment zu starten (Öffnet sich in einem neuen Tab). Vor allem wenn du von einem 60-Hz-Display wechselst, solltest du dich auf einen deutlichen Unterschied gefasst machen. Bezüglich des Asus ROG Swift 500 Hz Gaming-Monitor möchte ich mir hingegen an dieser Stelle noch kein finales Urteil erlauben. Jedoch zeichnet sich entlang der jüngsten Einführung definitiv das zunehmende Erschöpfungsrisiko im Bezug auf Bildwiederholraten ab.

Als Redakteur bei TechRadar Deutschland beschäftigt sich Christian Schmidt primär mit den Themen Gaming sowie PC-Hardware.



Erreichbar ist Christian unter der Mailadresse cschmidt[at]purpleclouds.de.

Mit Unterstützung von