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Schwerpunkt Smartphones: Ein User-Wunschzettel an die Hersteller

(Image credit: Stock.adobe.com © tippapatt)

Wenn du regelmäßig in unsere Smartphone-Kategorie hineinschaust, weißt du vielleicht, dass alljährlich mehrere Dutzend neue Geräte veröffentlicht werden.

Doch so fähig jede neue Gerätegeneration ist, so sehr sie ihre Vorgänger auch hinter sich lässt, so sehr gibt es doch auch Wünsche, die vielen Usern auf dem Herzen liegen, aber teils schon seit Jahren ungehört bleiben.

Zu einigen dieser Wünsche gibt es zwar Workarounds, andere hingegen bleiben bis dato unerfüllt. Vier derartige Wünsche haben wir für dich einmal zusammengetragen – und vielleicht findest du darunter ja auch etwas, von dem du bislang noch gar nicht wusstest, dass du es auch gerne hättest.

1. Mehr kompakte Handys, die nicht nur von Nischenherstellern stammen

Zu kleine Taschen für zu große Smartphones, daran ist sicher jeder schon einmal verzweifelt...

Zu kleine Taschen für zu große Smartphones, daran ist sicher jeder schon einmal verzweifelt... (Image credit: Stock.adobe.com © Bacho Foto)

"Damals", als noch niemand davon träumte, dass Handys dereinst mehr können würden als zu telefonieren, SMS zu schreiben und einige simple organisatorische Funktionen zu beherrschen, gab es einen Trend: Klein, kleiner, am kleinsten.

Binnen weniger Jahre hatte sich die Handywelt von backsteinförmigen (und mittlerweile richtig wertvollen) Geräten wie dem Nokia 5110 an einen Punkt weiterentwickelt, an dem Mobiltelefone herauskamen, deren Abmessungen heute mit manchem smarten Autoschlüssel vergleichbar wären – etwa das 8210, ebenfalls von Nokia. 101,5 x 44,5 x 17,4 Millimeter maß dieser Winzling; auch andere Geräte jener Zeit waren nicht wirklich größer.

Dass auch die heutige Welt großen Bedarf nach einer „Smartphone-Diät“ hat, zeigen Modelle wie das iPhone 12 Mini. Das verkauft sich nämlich ebenso wie warme Semmeln wie das etwas größere iPhone SE (2020). Gerüchtehalber will sogar Sony die Xperia-Serie mit einem Kompaktmodell revitalisieren.

Der Grund dafür ist simpel: Über die jüngste Vergangenheit hat sich ein Großteil aller Smartphones zu etwas entwickelt, das noch Mitte der 2010er nur „Phablet“ genannt wurde. Klar sind heutige Geräte riesig, haben deshalb große Bildschirme und Akkus. Aber sie sind auch für Menschen mit normalen Handgrößen kaum einhändig zu bedienen – und nicht nur in engen Hosen nicht mehr taschentauglich; vielleicht steckst auch du dein Gerät deshalb notgedrungen in die Gesäßtasche.

Dass es auch anders geht, zeigen Nischenhersteller wie Unihertz. Dessen brandneues Modell Jelly II kommt auf nur 95 x 49,4 x 16,5 Millimeter, hat aber dennoch einen echten drei-Zoll-Bildschirm. Knapp eine Million Dollar kamen allein bei der dahinterstehenden Kickstarter-Kampagne zusammen.

Wenn schon so viele Menschen Geld für ein dermaßen kleines Smartphone geben, kannst du dir ausmalen, wie viel größer die Zielgruppe für Geräte sein dürfte, die es beispielsweise auf die Außenabmessungen von Samsungs altehrwürdigem Galaxy SII (125,3 x 66,1 x 8,49 Millimeter) bringen.

Zumal die Hersteller sich nicht einmal hinter den Limitierungen dieser Größe verstecken könnten: So dünn wie heutige große Smartphones sind, wäre es leicht, Höhe und Breite zuungunsten von mehr Dicke zu reduzieren und somit ein gleichbleibendes Innenvolumen beizubehalten. Und weil die ganze Vorderseite mit dem Bildschirm bedeckt werden könnte, wären trotzdem fünf Zoll und damit vor wenigen Jahren völlig normale Bildschirmgrößen problemlos machbar. Nur: Sowas sollte auch von den großen Herstellern kommen, nicht nur von Unihertz und Konsorten.

2. Endlich Einheitlichkeit bei Verbindungen und Anschlüssen

usb c

(Image credit: Stock.adobe.com © Alex)

Micro-USB, USB-C, Lightning. Mal eine 3,5 Millimeter Klinkenbuchse, immer häufiger auch gar keine. Wer die Smartphone-Entwicklung schon länger verfolgt, der weiß, dass Hersteller immer wieder Gründe finden, um die Anschlüsse zu verändern – nicht nur zum Nachteil deines Portemonnaies, weil du neues Zubehör kaufen musst, sondern auch zum Nachteil von Mutter Natur, weil jede Menge unnötiger Elektroschrott produziert wird.

Natürlich, die Erhöhung der Datenrate ist ebenso ein schlagkräftiges Argument wie die Möglichkeit, den Stecker beidseitig nutzen zu können. Bloß: Das können USB-C und Lightning jetzt. Auch wird Apple durch die EU gezwungen, ebenfalls auf USB-C zu setzen. Doch schon lauert neues Ungemach: Zwar hat sich zumindest für induktives Laden der kontaktlose Qi-Standard etabliert; doch bis jedes Gerät Wireless Charging beherrscht, werden noch Jahre vergehen.

Dann bleibt die Frage nach einem übergreifenden Standard der Datenübertragung. Heute steht dafür Bluetooth. Der Funkstandard beherrscht vieles von der Anbindung von Lautsprechern bis zum problemlosen Übertragen von Kontakten und Medien. Und für alles andere gäbe es WLAN und Mobilfunk Alles also gut? Nein, das zeigen dir zwei Zahlen:

  • Bluetooth 5: 2 Mbit/s
  • USB-C:           20 Gbit/s

Im gleichen Zeitraum kann USB-C (sofern es nach dem Datenübertragungsprotokoll USB 3.2 Gen 2x2 arbeitet) ungleich mehr Daten übertragen. 2Mbit/s reichen aus, wenn es darum geht, die Daten vom alten auf ein neues Handy zu verschieben. Wenn aber deutlich größere Volumina bewegt werden sollen, wird es schwierig.

Das heißt, entweder bleiben die Hersteller noch länger bei USB-C, oder es wird zeitnah und rasch flächendeckend ein neuer Bluetooth-Standard eingeführt, der deutlich größere Datenraten beherrscht. Leider sieht es bei beidem eher schlecht aus. Die neueste Bluetooth-Entwicklung „LE Audio“ zielt in eine völlig andere Richtung.

Es muss nicht unbedingt weiterhin USB-C sein, auch wenn eine physische Anbindungsmöglichkeit allein wegen der Einfachheit ihrer Benutzung sehr wünschenswert wäre – zumal ja beispielsweise nicht jedes Notebook Bluetooth beherrscht, aber es trotzdem genug Gründe gibt, Smartphone und Rechner zu verbinden. Aber wenn so langsam die Anschlüsse aussterben, sollte wenigstens ein einheitlicher und wirklich schneller Funkstandard her.

3. Mehr Personalisierbarkeit ohne Apps von Drittanbietern

Einige Apps, darunter Instagram und Clubhouse

(Image credit: Unsplash.com © William Krause)

Du hast ein aktuelles Handy mit Android 11. Was müsstest du tun, wenn du etwas so Simples und seit Langem Etabliertes machen wolltest, wie ein Icon-Pack zu nutzen? Genau, auch nach elf Generationen Android wäre es nach wie vor nötig, dir dazu Nova oder einen anderen Launcher herunterzuladen, alternativ eine Icon-Changer-App. Bei Apple ging vor iOS 12 ohne Jailbreak sogar gar nichts und danach benötigst du immer noch die App „Kurzbefehle“.

Der Android-Workaround sorgt dafür, dass gerade leistungsschwächere Handys danach oft noch weniger flüssig laufen. Die Apple-Lösung ist an diesem Punkt zwar besser, aber auch nicht wirklich komfortabel in der Anwendung.

Hier könnte man gerade bei Android den Herstellern vorwerfen, sich zu sehr auf der Tatsache auszuruhen, dass es ja eine Menge Aftermarket-Launcher gibt. Aber:

  1. Es weiß längst nicht jeder Smartphone-Benutzer, was ein Launcher ist, dass man ihn ändern kann, dass es zahlreiche alternative Modelle gibt.
  2. Den meisten Dritt-Launchern ist gemein, dass sie viele Funktionen haben, deshalb ziemlich komplex sind und man sich umfangreich einarbeiten muss – wobei der Gipfel der Komplexität von KLWP und KWGT erreicht wird, die beide eher den Status von Entwickler-Tools haben, statt fähigen, aber nutzerfreundlichen Helfern.
  3. Angesichts der Mühe, die sich die Hersteller geben, ein rundum perfektes und vielfältig personalisierbares digitales Design für ihre (teuren) Handys zu erschaffen, ist es etwas schwach, kaum mehr als die Anordnung und Größe der Icons sowie der Wallpaper zu ermöglichen.

Der Wunsch ist auch hier klar: Mobile Betriebssysteme, die es mit Bordmitteln ermöglichen, deutlich mehr zu personalisieren.

4. Mehr Formfaktoren als nur "Schiefer"

Der Wandel der Smartphones - zurück zum Klapphandy

Der Wandel der Smartphones - zurück zum Klapphandy (Image credit: Unsplash.com © Daniel Romero)

Seit gut einem Jahrzehnt sind Smartphones die bestimmende Handyform und damit der Formfaktor „Slade“ – (Dach-)Schiefer. Damit allerdings wurde die Handywelt in eine Phase gebracht, die vor allem Kenner früherer Zeiten meist langweilig nennen.

Denn wenn du es genauer betrachtest, sind die optischen Unterschiede zwischen einzelnen Smartphones mittlerweile marginal bis kaum noch vorhanden:

  • Rechteckig mit ziemlich eindeutig definierten Kanten,
  • Mittlerweile Bildschirme, die überall an die Ränder stoßen,
  • Standardfarben Schwarz, Grautöne sowie einige wenige Pastellfarben.

Natürlich, hier gilt „Form follows function“. Allerdings galt das früher auch, nur da waren die Hersteller deutlich mutiger. Wenn du dir über diese einst so sprühende Kreativität einen Überblick verschaffen möchtest, sei dir die kleine, aber feine Videoreihe „When Phones were Fun“ ans Herz gelegt.

Dass es auch heute noch einen deutlichen Bedarf für Geräte gibt, die anders sind, kannst du bereits daran erkennen, wie viel Mühe sich Hersteller geben, um Smartphones mit klappbaren Displays zu entwickeln. Dahinter steht nur zum Teil der Wunsch, noch größere Bildschirme zu ermöglichen, ohne die Geräte noch weiter wachsen zu lassen.

Es ist vielmehr auch der Versuch, Handys wieder mehr optische Unterscheidungsmerkmale zu geben; denn natürlich ist auch ein Klapp-Smartphone ein „Clamshell“-Gerät und somit ein Verwandter der ersten RAZR-Handys und deren zahlreichen Derivaten.

Allerdings muss man eingestehen, dass diese Bitte bereits teilweise erhört wurde – neben den Klapp-Handys, wohlgemerkt. So hat Samsung wohl zumindest ein Patent auf eine neue Bauweise, die ein normales Smartphone mit halbrunden Bildschirmen am oberen und unteren Rand kombiniert. Auch das LG Wing ist ein ähnlicher Versuch, die starren Formen aufzubrechen.

Ob wir zu einer Welt der vielleicht etwas zu exzentrischen Formgebung wie beim blattförmigen Nokia 7600 zurückkehren, ist fraglich – obwohl gerade dessen Form heute dank Touchscreen deutlich praxistauglicher wäre als damals, wo der Hersteller notgedrungen die physischen Tasten seitlich des Displays anordnen musste.