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Darum soll das iPhone 14 Pro endlich mit einer 48-MP-Kamera ausgestattet werden

Die Rückkameras des iPhone 13 Pro
(Bildnachweis: Apple)

Es wird erwartet, dass das iPhone 14 Pro grundlegend mit der Apple-Tradition bricht, und damit meinen wir nicht nur die verschwindende Notch (Öffnet sich in einem neuen Tab): Es wird auch gemunkelt, dass die Hauptkamera des Flaggschiffs endlich den Sprung von einer 12-MP- auf eine 48-MP-Auflösung schaffen wird.

Ist das eine große Sache? Schließlich kam das Nokia 808 PureView bereits 2012 mit einem 41-MP-Sensor auf den Markt - ganz zu schweigen von den zahllosen Android Smartphones von Huawei, Xiaomi und Samsung, die in den letzten Jahren mit High-Megapixel-Kameras an den Start gegangen sind.

Aber für Apple-Fans wäre es aus zwei Gründen eine bedeutsame Veränderung. Erstens sind iPhones seit dem iPhone 6S im Jahr 2015 mit 12-MP-Sensoren ausgestattet. Das bedeutet, dass das iPhone 14 den ersten großen Megapixelzuwachs seit sieben Jahren bringen wird - und den größten in der Geschichte des iPhones.

Das Objektiv der Hauptkamera des iPhone 13 Pro von der Seite

(Image credit: Apple)

Aber es ist auch wegen des Timings wichtig. Wir bewerten das iPhone 13 Pro derzeit als das beste Kamera-Smartphone (Öffnet sich in einem neuen Tab), das du kaufen kannst, und das in einer Zeit, in der die fotografischen Fähigkeiten eines Smartphones noch nie so wichtig waren. Warum also könnte Apple jetzt eine so drastische Änderung an der Kamera seines Smartphone-Flaggschiffs riskieren?

Dafür gibt es einige mögliche Erklärungen - und interessanterweise haben die wenigsten etwas mit Fotografie zu tun. Die Aufstockung auf 48 MP würde den Trend widerspiegeln, den wir in letzter Zeit bei spiegellosen Kameras beobachten konnten, die zunehmend den Spagat zwischen traditionellen fotografischen Anforderungen und aufregenden neuen Möglichkeiten der Bildgestaltung schaffen. 

Das Timing macht auf jeden Fall Sinn - jetzt stellt sich nur noch die Frage, was Apple mit diesen zusätzlichen Pixeln vorhat...

Vertraue dem Prozess

In der Vergangenheit war die Kombination von kleinen Sensoren und hohen Megapixelzahlen ungefähr so ratsam wie die Verwendung von FaceApp bei deinem Hund. Mit anderen Worten: eine ziemlich schlechte Idee, denn mehr Megapixel bedeuten kleinere Pixel, und kleinere Pixel bedeuten schwächere Bildsignale mit mehr Rauschen. Dieses Rauschen würde wahrscheinlich alle zusätzlichen Details verdecken, die du durch die höhere Auflösung gewinnst, also waren Sensoren mit niedrigeren Megapixeln die vernünftigste Wahl.

Das ist der Grund, warum das iPhone so lange bei einem 12-MP-Kamerasensor geblieben ist. Es sah dabei immer mehr wie ein fotografischer Dinosaurier aus, vor allem wenn du es mit dem Samsung Galaxy S22 Ultra (Öffnet sich in einem neuen Tab) mit 108 MP und dem Google Pixel 6 Pro (Öffnet sich in einem neuen Tab) mit 50 MP vergleichst. Aber die Logik war und ist ziemlich solide - solange du sie durch die Linse betrachtest, wenn du Fotos für das Internet machst.

Was hat sich also geändert, um Apple zum Umdenken zu bewegen? Da wären zunächst einmal die Fortschritte bei der Verarbeitung von Hoch-Megapixel-Sensoren. Das "Pixel-Binning", bei dem vier nebeneinander liegende Pixel auf einem Sensor als ein großes Pixel behandelt werden, ist inzwischen so ausgereift, dass selbst Vollformatkameras wie die Leica M11 es verwenden. Bei der M11 hast du die Möglichkeit, Fotos mit 60 MP, 36 MP oder 18 MP aufzunehmen.

Das iPhone 13 Pro zeigt eine Liste der iPhone Kameraauflösungen

(Image credit: Future)

Apple wird zweifellos versuchen zu behaupten, dass es die Technologie mit seinem magischen "SuperPixel"-Modus erfunden hat. Android-Smartphones haben jedoch gezeigt, dass es, wenn überhaupt, nur wenige Nachteile hat, wenn man neben dem herkömmlichen 12-MP-Modus auch einen High-Megapixel-Modus anbietet. Leistungsstarke Chips und die Multi-Frame-Verarbeitung haben die Probleme mit dem Bildrauschen weitgehend beseitigt, auch wenn der Nebeneffekt oft ein hyperrealistischer HDR-Look ist.

Es ist nicht so, dass 12 MP nicht mehr gut genug wären - diese Auflösung wird für soziale Medien immer ausreichen, und die Sony A7S III (Öffnet sich in einem neuen Tab) ist mit ihrem 12,1-MP-Sensor nach wie vor eine der besten Vollformatkameras auf dem Markt. Aber 12-MP-Sensoren haben nicht mehr die Flexibilität und auch nicht mehr die traditionellen Vorteile bei schlechten Lichtverhältnissen gegenüber hochauflösenden Alternativen. Und das ist auch der Grund, warum zuverlässige Insider wie Ming-Chi Kuo vorausgesagt haben (Öffnet sich in einem neuen Tab), dass das iPhone 14 wahrscheinlich den großen Sprung auf 48 MP machen wird.

Das Fehlen von Nachteilen eines Megapixel-Festes ist eine Sache, aber was sind die Vorteile? Der andere wichtige Grund für den Wechsel ist wahrscheinlich die schnell wachsende Bedeutung von Videos. Genau wie bei den spiegellosen Kameras hat sich dieser Bereich zum Hauptaugenmerk der Kameraentwickler von Apple entwickelt - und auch hier könnte der neue Sensor einen großen Einfluss haben.

Fokuswechsel

Was wird das iPhone 14 mit seinen zusätzlichen Pixeln machen? Die offensichtlichste Antwort ist die 8K-Videoaufnahme. Das iPhone 13 Pro nimmt bereits in 4K/60p auf und ist wahrscheinlich das beste Smartphone für Videos, das du kaufen kannst, aber für 8K-Videos brauchst du mindestens einen 33MP-Sensor - das ist also ein Bereich, in dem das iPhone 14 seinen Auflösungsreichtum ausspielen könnte.

Wer braucht ein Smartphone mit einer 8K-Videokamera? Momentan niemand. Nicht einmal professionelle Filmemacher liefern Videos oder Filme in 8K, weil nur sehr wenige Menschen die Möglichkeit haben, Videos in dieser Auflösung anzuschauen, und weil die Dateigrößen enorme Probleme beim Workflow verursachen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass 8K-Videos auf dem iPhone 14 eine sinnlose Spekulation wären.

Ein Vorteil der 8K-Aufnahme ist, dass du das Material zuschneiden und alternative Blickwinkel ausprobieren kannst, ohne die 4K-Auflösung zu verlieren. Zugegeben, mit einem kleinen Smartphone-Sensor ist das weniger attraktiv als mit einer Vollformatkamera wie der Canon EOS R5. Aber wenn das iPhone 14 tatsächlich über 8K-Videofunktionen verfügt, wetten wir darauf, dass Apple sie für einen interessanten Softwaretrick mit einem entsprechend lächerlichen Namen nutzen wird.

Ein iPhone-Bildschirm mit der Doubletake-Funktion von Filmic Pro

(Image credit: Filmic)

In unserem frei erfundenen "Autorenmodus" würde das iPhone 14 die zusätzlichen Pixel nutzen, um dir verschiedene 4K- (oder 1080p-) Blickwinkel einer Szene aus einem einzigen Objektiv zu zeigen. Manche Videofilmer nutzen das "Reframing", um diesen Effekt bei der Bearbeitung von Interviews zu erzielen, während du mit dem "DoubleTake"-Modus der Filmic-App etwas Ähnliches mit mehreren iPhone-Kameras machen kannst. Die Clips der Filmic-App sind auf 1080p begrenzt. Die Verwendung der 8K-Auflösung einer Hauptkamera könnte also eine Alternative sein, um bei einem automatischen Videoschnitt neue Blickwinkel zu erhalten, ähnlich wie die Funktion "Auto Reframe" von Adobe Premiere Pro.

Die 8K-Kamera des iPhone 14 könnte auch nicht nur für herkömmliche Videos verwendet werden. Ming-Chi Kuo (Öffnet sich in einem neuen Tab) vermutet auch, dass die Auflösung ideal ist, um Inhalte für die kommende Apple-Brille zu erstellen, die mit zwei 4K-Mikro-LED-Displays (eines für jedes Auge) ausgestattet sein wird. VR-Videos benötigen idealerweise mindestens eine 8K-Auflösung. Deshalb konzentriert sich der VR-Vorstoß (Öffnet sich in einem neuen Tab) von Canon auf die Canon EOS R5. Das ist zwar nur ein kleiner Vorteil eines High-Megapixel-Sensors, aber die Zukunftssicherheit ergibt durchaus Sinn. 

Und die traditionelle Fotografie?

Aber wie sieht es mit der traditionellen Fotografie auf dem iPhone 14 aus? Trotz aller Vorteile eines 48-MP-Sensors muss es mindestens die gleiche Fotoleistung wie seine 12-MP-Vorgänger haben, sonst wird es in der Rangliste der Smartphone-Kameras schneller abrutschen als Wile E. Coyote. Glücklicherweise gibt es gute Gründe zu glauben, dass es hier mindestens mit dem iPhone 13 Pro mithalten und es, wenn alles gut läuft, wahrscheinlich sogar übertreffen wird.

Einer der Gründe dafür ist, dass der Sensor des iPhone 14 voraussichtlich größer sein soll als der des aktuellen Flaggschiffs. Jüngste Leaks (Öffnet sich in einem neuen Tab) deuten darauf hin, dass die Diagonale des Sensors um 25-35 % größer sein wird, was bedeutet, dass die Algorithmen mit mehr Licht arbeiten können.

Der Kamerasensor des iPhone 13 Pro

(Image credit: Apple)

Der Standard-Fotomodus des iPhone 14 wird dank Pixel-Binning für die Standardauflösung von 48 MP wahrscheinlich weiterhin 12 MP betragen. Bei gutem Licht wirst du aber wahrscheinlich die Möglichkeit haben, mit einer höheren Auflösung zu fotografieren - und das könnte die Möglichkeit eines verbesserten Hybrid-Zooms eröffnen, mit dem es das Samsung Galaxy S22 Ultra herausfordern kann.

Was das iPhone 14 den neuesten Gerüchten zufolge nicht haben wird, ist ein Periskop-Zoomobjektiv, das es mit dem Samsung-Rivalen aufnehmen kann. Sowohl Jeff Pu von Haitong International Securities (Öffnet sich in einem neuen Tab) als auch Ming-Chi Kuo (Öffnet sich in einem neuen Tab) zufolge wird dieses gefaltete Objektiv erst im Jahr 2023 im iPhone 15 Pro und iPhone 15 Pro Max erscheinen und einen 5-fachen optischen Zoom bieten.

Obwohl der erwartete Wechsel zu einem 48-MP-Sensor im iPhone 14 ein bedeutender Schritt wäre, sollten Fotografen mit dem Upgrade besser bis zum nächsten Jahr warten - oder zumindest, bis Testergebnisse für die iPhone 14 Kamera vorliegen. Eine komplexe Bildverarbeitungspipeline in einen neuen Sensor einzubauen, ist kein leichtes Unterfangen - und obwohl wir nicht davon ausgehen, dass Apple größere Fehler macht, besteht immer die Möglichkeit, dass es Kinderkrankheiten gibt.

Verspätete Vorsätze

Die verspätete Umstellung des iPhone 14 auf eine 48-MP-Kamera ist typisch Apple. Das Unternehmen ist selten der Erste, der eine neue Technologie vorstellt. Stattdessen verfeinert es Dinge langsam und präsentiert sie dann als "bahnbrechende" Funktionen.

Aber auch wenn der Wechsel von einer 12-MP-Kamera einschneidend wäre, so ist er doch nicht mehr so bedeutend wie früher. Viele Fotografen sind der Meinung, dass dies für die Aufnahme von Fotos nicht besonders vorteilhaft ist, und die technischen Daten einer Smartphone-Kamera (mit Ausnahme der Sensorgröße) sind heute weit weniger wichtig als die Softwareverarbeitung.

Ein Diagramm mit dem Innenleben des iPhone 13 Pro

(Image credit: Apple)

Dies ist ein Bereich, in dem das iPhone trotz der im Vergleich zu seinen Android-Konkurrenten oft "minderwertigeren" Hardware brilliert hat. Wir sind also gespannt, was das iPhone 14 mit seinem angeblich hochauflösenden Sensor anstellt und ob es neben den Fotostilen und dem Filmmodus auch neue Softwaretricks bietet.

Noch wichtiger könnte allerdings sein, was Apple mit den anderen Kameras des iPhone 14 macht - und welche nicht-fotografischen Tricks der 48-MP-Sensor in den Bereichen Video und AR/VR ermöglichen könnte.

Franziska Schaub
Chefredakteurin

Franziska Schaub ist Chefredakteurin bei TechRadar Deutschland und unter anderem verantwortlich für die Bereiche Smartphones, Tablets und Fitness.


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