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Im Test: EZVIZ BC1 WLAN-Überwachungskamera

Die EZVIZ BC1 läuft und läuft und läuft

Zwei EZVIZ BC1 Überwachungskameras mit Halterungen und Basisstation auf einem Tisch
(Image: © Future)

Vorteile

  • Guter Funktionsumfang
  • Sehr lange Akkulaufzeit
  • Lokaler Speicher auf microSD-Karte

Nachteile

  • Unübersichtliche Menüführung
  • Kein LAN-Kabel im Lieferumfang
  • Keine microSD-Karte im Lieferumfang

Mit der EZVIZ BC1 WLAN-Überwachungskamera erweitert der chinesische Hersteller von Smart-Home- und Home-Security-Geräten sein Portfolio um eine kabellose Überwachungskamera, die sage und schreibe 365 Tage auf einer Akkuladung durchhalten soll.

Auch mit den weiteren Spezifikationen wird nicht gegeizt: 1080p-Video mit 30 Bildern pro Sekunde, Infrarot-Nachtsichtkamera, helle LEDs für Farbaufnahmen bei Nacht, Gegensprechanlage, eine Art „Anrufbeantworter“… die Liste ist recht umfangreich. Die Kameras verfügen sowohl über ein Mikrofon als auch einen Lautsprecher, die nicht überragend klingen, aber für ihren Zweck völlig ausreichend sind.

Ein Vorteil der EZVIZ BC1 ist, dass man nicht gezwungen wird, sich beim hauseigenen Cloud-Dienst anzumelden, da sie microSD-Karten mit einer Größe von bis zu 256 GB für lokalen Speicher akzeptiert.

Hier und da gibt es kleinere Macken an der Software, aber gemessen an der Häufigkeit der Updates möchten wir EZVIZ an dieser Stelle einen Vertrauensvorschuss geben und behaupten, dass diese Problemchen früher oder später behoben werden.

Im Großen und Ganzen handelt es sich hierbei also um ein durchaus empfehlenswertes Gesamtpaket für die Heimsicherheit.

Hier findest du unser YouTube Video zur BC1:

EZVIZ BC1 WLAN-Überwachungskamera Preis und Verfügbarkeit

Das EZVIZ BC1-System ist Mitte Mai auf den Markt gekommen und ist in Sets mit einer, zwei oder drei Überwachungskameras für 189, 299 bzw. 399 Euro UVP erhältlich. Einzelne Kameras können für 139 Euro nachgekauft werden. Solltest du dich außerdem für die EZVIZ-Cloud entscheiden, werden zusätzlich entweder 9,99 €/Monat bei monatlicher Abrechnung oder 8,33 €/Monat bei jährlicher Abrechnung (99 € im Jahr) fällig.

EZVIZ BC1 Basisstation und Kamera von Hinten auf einem Tisch

(Image credit: Future)

Design

  • Schickes, modernes Design
  • 12.900-mAh-Akku
  • Befestigung magnetisch oder mit Stativgewinde

Das System der EZVIZ BC1 besteht aus einer Basisstation und einer oder mehrerer Kameras. Die Basisstation ist recht unscheinbar in Weiß gehalten und könnte genauso gut mit einem WLAN-Repeater oder einem automatischen Duftspender verwechselt werden – heißt, kurz gesagt, dass sie nicht negativ ins Auge fällt.

Auf der Vorderseite ist lediglich das silberne EZVIZ-Logo und ein schmaler LED-Streifen zu sehen, auf der Oberseite befindet sich die Taste zum Synchronisieren mit neuen Kameras, auf der Rückseite die zum Ein- und Ausschalten, ein RJ45-LAN-Anschluss, der Stromanschluss und eine Reset-Taste. Auf der Unterseite befindet sich ein Slot für eine microSD-Karte, auf der Aufnahmen lokal gespeichert werden können. Die Maximalgröße beträgt dabei bei 256 GB, was mehr als ausreichend ist.

EZVIZ BC1 Basisstation von unten auf einem Tisch

(Image credit: Future)

Damit die Basisstation ordnungsgemäß funktioniert, wird sie per LAN-Kabel direkt mit dem Router verbunden, ein passendes Kabel wird jedoch nicht mitgeliefert. Für uns als technikaffine Menschen kein Problem ist, da wir sowieso eine dieser Kisten haben, in der sich alle möglichen Kabel der letzten 10 Jahre sammeln. Wer aber freizügiger beim Aussortieren ist oder generell nicht so viele Kabel rumliegen hat, sollte sich darauf gefasst machen, bei der Anschaffung eins in passender Länge mitzubestellen.

Eine SD-Karte ist im Lieferumfang leider auch nicht enthalten. Wir verstehen natürlich, dass hier auf die Testphase der EZVIZ-Cloud und ein potenzielles Abo abgezielt wird, aber wenigstens eine kleine 16- oder 32-GB-Karte wäre nicht schlecht. So wirkt es, als würden wir nicht behutsam, sondern mit deutlichem Nachdruck zur hauseigenen Cloud-Lösung geschoben werden.

EZVIZ BC1 Kamera liegt neben der Basisstation auf einem Tisch

(Image credit: Future)

Nun zur Kamera: rund 10 cm hoch, rund 6 cm Durchmesser, 365 Gramm schwer. Die Kamera ist weder besonders klein noch besonders leicht. Das hat natürlich seinen Grund, denn im schwarz-grau-weißen Gehäuse steckt nämlich ein Akku mit einer Kapazität von 12.900 mAh, mit dem die Kamera ein Jahr ein komplettes Jahr durchhalten soll.

Natürlich ist es schwierig, eine solch lange Akkulaufzeit innerhalb eines Monats zu testen, aber ausgehend vom Akkustand, den wir in regelmäßigen Abständen überprüft haben, dürfte es schon, ganz grob über den Daumen gepeilt, auf ein Jahr hinausgehen. Und selbst wenn es nur elf Monate sind, wäre das für uns trotzdem lang genug. Grob einmal im Jahr muss eine Kamera also für ein paar Stunden zum Laden an den Strom gehängt werden. Ist eine Steckdose in der Nähe, kann die Kamera natürlich auch dauerhaft ans Netz gehängt werden.

Die Kamera ist in drei Segmente aufgeteilt. Die Vorderseite ist schwarz und beherbergt die Linse und alles andere, das nach vorne zeigen muss: Zwei weiße LEDs links und rechts von der Linse, die im Dunkeln automatisch angehen und in unserem Flur meistens als Nachtlicht missbraucht wurden; eine blaue Status-LED über der Linse, die anzeigt, ob die Kamera gerade aufnimmt. Darunter befindet sich allerhand Sensorik.

EZVIZ BC1 Kameras mit magnetischer und Gewindehalterung auf einem Tisch

(Image credit: Future)

Das mittlere Segment ist weiß mit einem Perlmutt-artigem Schimmer. Links und rechts befindet sich das EZVIZ-Logo, auf der rechten Seite, auf Höhe der rechten LED, außerdem noch ein kleines Loch für das integrierte Mikrofon. Auf der Unterseite befindet sich der Ein-/Ausschalter, der gleichzeitig auch zur Synchronisierung mit der Basisstation dient. Darunter befinden sich wiederum einige Schlitze, hinter denen der integrierte Lautsprecher steckt.

Das dritte und letzte Segment ist hellgrau und zum Ende hin mit gewellten Rillen versehen. Auf der Unterseite befindet sich eine kleine Gummidichtung, die den micro-USB-Anschluss schützt, während in einer Kuhle am Ende des Gehäuses noch ein Stativgewinde versteckt ist, wenn die Kamera nicht mit der magnetischen Halterung angebracht werden soll.

EZVIZ BC1 Überwachungskamera hängt mit einem tesa Powerstrip an einem IKEA-Kallax-Regal

(Image credit: Future)

Bei der Montage der BC1 WLAN-Überwachungskamera gibt EZVIZ nämlich zwei Optionen: Entweder eine Halterung mit Kugelgelenk und Stativgewinde, oder eine magnetische, die in sich als Kugelgelenk fungiert und einfacher zu justieren ist. In jedem Fall liegen im Set eine Bohrschablone und drei Schrauben und Dübel pro Kamera bei, denn beide Halterungen sind für die Wandmontage vorgesehen. Da die Kamera aber ein gewöhnliches ¼-Zoll-Gewinde besitzt, dürfte sich da recht einfach etwas aus erhältlichen Stativen und Halterungen basteln lassen.

Da wir zum Testen keine Löcher in unsere Wände bohren wollten, haben wir unsere beiden Überwachungskameras entweder irgendwo hingelegt, oder mit Tesa Powerstrips an eine glatte Oberfläche geklebt – was zwar überraschend gut funktioniert, wahrscheinlich aber keine allzu gute Idee ist, zumindest nicht auf Dauer und besonders nicht im Freien.

Bild einer Überwachungskamera von einem Balkon

(Image credit: Future)

Performance

  • Klares FHD-Video
  • Gute Nachtsicht in Farbe
  • Solide Bewegungserkennung

Was die Performance angeht, haben wir wirklich nichts zu meckern. Das Bild ist hoch aufgelöst und bei allen Lichtverhältnissen scharf genug, um genau zu erkennen, was gerade passiert. Pro Kamera lässt sich die Farbsättigung einstellen, aber besonders große Unterschiede darf man da nicht erwarten.

Die Nachtsicht funktioniert sowohl in Schwarz-Weiß als auch in Farbe tadellos und wenn es notwendig ist. Wir haben die Farb-Nachtsicht jedoch recht schnell wieder ausgeschaltet, da die Infrarot-Kamera im Dunkeln etwas schärfere Bilder liefert und die LEDs, die für die Nachtsicht in Farbe benötigt werden, im automatischen Modus in unregelmäßigen Abständen an und wieder ausgehen, statt durchgehend zu leuchten. Genau wie die Farbsättigung lässt sich auch die Helligkeit der LEDs pro Kamera einstellen, aber je weniger hell das Licht, desto schlechter das Bild.

Wenn man gerade einfach nur auf dem Balkon steht, nervt das ziemlich, könnte jedoch ein Firmware-Problem sein, das mit einem Update behoben werden kann, aber hier gibt es wiederum andere Probleme, auf die wir im Abschnitt „App“ eingehen. Wesentlich besser funktionieren die LEDs als Warnung für Besucher, dass eine Kamera sie gerade aufnimmt – eine weitere Funktion, für die die LEDs explizit gedacht sind.

Bild 1 von 2

Blick auf eine Wohnungstür mit einer Überwachungskamera bei Tag

Flur bei Tag mit der normalen Kamera (Image credit: Future)
Bild 2 von 2

Blick auf eine Wohnungstür mit einer Überwachungskamera bei Nacht

Flur bei Nacht mit Infrarotkamera (Image credit: Future)

Das Objektiv fängt Bilder in einem Winkel von rund 128 Grad horizontal und 108 Grad vertikal ein. Andere Hersteller schaffen jedoch auch 180 Grad, sodass auf den Bildern einfach mehr zu sehen ist. Im Grenzfall bedeutet das, dass man mehr EZVIZ-Kameras braucht, um eine größere Fläche einzufangen, aber das hängt sicherlich vom Anwendungsfall ab und für die meisten sollten auch 128 Grad völlig ausreichen.

Sowohl das integrierte Mikrofon als auch der integrierte Lautsprecher klingen weder besonders gut noch besonders schlecht, erfüllen ihren Zweck aber völlig ausreichend. Man darf kein wundervolles Akustikerlebnis erwarten, aber qualitativ bewegt sich beides immerhin weit über Ansagen in der U-Bahn oder die Drive-In-Konsolen von anno dazumal – alles ist verständlich, aber nach Podcast klingt es halt nicht unbedingt.

Gespeichert werden die Aufnahmen entweder lokal auf der microSD-Karte in der Basisstation, oder werden in die zahlungspflichtige EZVIZ-Cloud hochgeladen. Die Aufnahmen werden mit dem platzsparenden H.265-Codec codiert, was beim unabhängig vom Heim-WLAN aufgebauten 2,4-GHz-Netz, durchaus sinnvoll ist, besonders bei mehreren Kameras. Außerdem hat ein 2,4-GHz-Netzwerk den Vorteil, dass es eine größere Reichweite hat als der neuere 5-GHz-Standard.

Die EZVIZ BC1 Überwachungskamera lässt sich angeblich auch mit Google Nest, Alexa und IFTTT verbinden. Da wir keins davon benutzen, konnten wir das leider nicht testen. Tink verkauft die EZVIZ BC1 zumindest im Set mit einem Google Nest Hub, auf dem YouTube-Kanal von EZVIZ gibt es Anleitungen, wie Geräte mit dem jeweiligen Dienst verbunden werden, und auch in der App gibt es etwaige Einträge.

Drei Ansichten der EZVIZ-App

(Image credit: Future)

App

  • Einrichtung über QR-Code
  • Sauberer Look
  • Unübersichtliche Menüführung

Zugegebenermaßen waren wir anfangs nicht sehr überzeugt von der (Android-) App. Oberflächlich ist sie zwar sehr clean, aber wir mussten stellenweise sehr lange zwischen Einstellungsbildschirmen hin und her springen, bis wir eine bestimmte Option gefunden hatten. Rein aus dieser Erfahrung heraus müssen wir sagen, dass das App-Design an sich zwar hübsch ist, aber nicht sehr intuitiv aufgebaut.

Nach einer überraschend langen Eingewöhnungsphase läuft dann aber dennoch alles wie am Schnürchen, auch wenn man für die Benachrichtigungen, wie bei vielen anderen Android-Apps, die Akku-Optimierung der EZVIZ-App manuell deaktivieren muss.

Danach lassen sich sämtliche Funktionen über die App steuern: Gegensprechanlage, Live-Modus, Wiedergabe von Aufnahmen. Wir sind auch ein klein wenig angetan von der Möglichkeit, bis zu drei 10 Sekunden lange Sprachclips aufzuzeichnen und sie bei Bedarf wiedergeben zu lassen, konnten die Funktion jedoch nicht für ihren eigentlichen Zweck verwenden, wie etwa mit Paketboten zu kommunizieren.

Loben müssen wir außerdem explizit die Einrichtung, die wirklich sehr einfach von der Hand geht. Die Basisstation, die Kameras – alles hat einen QR-Code, der in der App gescannt wird. Danach wird man behutsam an der Hand durch den Einrichtungsprozess geführt. Wenn doch Netzwerkdrucker so funktionieren würden.

Drei Ansichten der EZVIZ-App

(Image credit: Future)

Wir wären jedoch überrascht gewesen, wenn die App keine funktionalen Macken hätte. Manuelle Updates wollen partout nicht funktionieren, sowohl bei der Basisstation als auch bei den Kameras, und spucken stattdessen einen Fehler 199999 aus. Nachdem wir die Basis jedoch einige Zeit vom Strom genommen und wieder angeschlossen hatten, bemerkten wir, dass die Firmware kurze Zeit später tatsächlich aktualisiert worden ist – nur um ein weiteres Update anzuzeigen, das wir ebenfalls nicht auslösen konnten. Das wurde dann anscheinend über Nacht automatisch aufgespielt, aber eine kaputte Update-Funktion ist immer noch eine kaputte Update-Funktion. Den Versionsnummern nach zu urteilen wird hier aber häufig und regelmäßig aktualisiert, also könnte das Problem früher oder später behoben werden.

Das letzte Update hat auch die E-Mail-Benachrichtigungen zerstört und seitdem werden wir bei jeder Bewegung mit E-Mails bombardiert, unabhängig davon, ob die Funktion ein- oder ausgeschaltet ist.

Hin und wieder kommt es auch vor, dass Kameraeinstellungen nicht übernommen werden können, obwohl die Kamera direkt neben der Basisstation liegt und auch ein Bild liefert.

Zwei EZVIZ BC1 Überwachungskameras mit Halterungen und Basisstation auf einem Tisch

(Image credit: Future)

Soll ich die EZVIZ BC1 WLAN-Überwachungskamera kaufen?

Kauf’ sie, wenn…

Du eine Überwachungskamera mit langer Akkulaufzeit suchst.
Der gewaltige 12.900-mAh-Akku der Kamera soll ein ganzes Jahr lang halten, was einen minimalen Wartungsaufwand bedeutet. Ersten Tests nach zu Urteilen dürfte das auch ganz gut hinhauen.

Du mit deinen Besuchern reden willst.
Die EZVIZ BC1 fungiert dank integriertem Mikrofon und Lautsprecher gewissermaßen auch als Gegensprechanlage, um mit Besuchern kommunizieren zu können – ob gebeten oder ungebeten.

Du deine Video-Aufnahmen nicht in der Cloud speichern willst.
Dank der Unterstützung von microSD-Karten mit bis zu 256 GB können Aufnahmen lokal gespeichert werden und benötigen nicht zwingend den EZVIZ-Cloud-Dienst.

Kauf’ sie nicht, wenn…

Du Aufnahmen woanders speichern willst.
EZVIZ bietet genau zwei Möglichkeiten, Aufnahmen zu speichern: microSD-Karte oder das hauseigene Cloud-Dienst-Abo. Die Möglichkeit, Drittanbieter-Cloud-Dienste oder ein eigenes NAS einzubinden, gibt es nicht.

Du eine kleinere Kamera suchst.
Mit einer Länge von knapp 10 cm und 14 cm mit Halterung ist die EZVIZ BC1 nicht gerade klein. Da gibt es wesentlich kompaktere Modelle auf dem Markt.

Du bessere Audioqualität brauchst.
Das integrierte Mikrofon und der integrierte Lautsprecher erfüllen zwar völlig zureichend ihren Zweck, aber wir haben schon Überwachungskameras gesehen, die deutlich besser geklungen haben.

Eugen Wegmann ist Online-Redakteur für PurpleClouds Deutschland GmbH / TechRadar Region DACH und zuständig für Gaming und Computer-Hardware.