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Deep One – tragbarer Subwoofer im Test

Ein Subwoofer um den Hals

Ein Subwoofer um den Hals
(Image: © Eugen Wegmann)

Unser Fazit

Statt über das Ohr drückt der Deep One (geschrieben Deep·One) tiefe Frequenzen durch weiches Gewebe unter dem Schlüsselbein und am Nacken. Einerseits belästigt man dadurch nicht seine Nachbarn und andererseits „spürt“ man den Bass – fast so, als würde man bei einem Live-Konzert vor einer Bass-Box stehen. Filmliebhaber sollten hier vielleicht genauer hinschauen.

Vorteile

  • Bass zum Spüren
  • Belästigt Außenstehende nicht

Nachteile

  • Ersetzt keinen akustischen Tieftöner

Subwoofer sind für gewöhnlich – wenn sie nicht gerade in Standlautsprecher oder eine Soundbar integriert sind – große, schwarze Kästen, die in der Ecke stehen und vor sich hin wummern.

Im „IFA NEXT“ Bereich auf der ifa 2020 sind wir auf den Stand der Münchner Firma „deep electronics“ gestoßen, die verspricht, Bässe mit einem Gerät namens Deep·One lebhaft und fühlbar zu machen.

Das Prinzip dahinter ist nicht wirklich neu: Statt elektrische in akustische, wandelt das Gerät, das man sich wie ein Collier um den Nacken legt, elektrische Signale in mechanische um – es bringt Gewebe zum vibrieren. Ähnliches gibt es bereits für Höhen und Mitten, die in ihrem Fall allerdings über Knochen übertragen werden. Und selbst Vibration als Bass-Ersatz zu benutzen, ist nicht neu. Seit einigen Jahren gibt es Geräte, die ans Sofa montiert werden und es als Resonanzkörper benutzen.

Auf dieser Seite haben wir alles zusammengefasst, was wir auf der ifa 2020 über den Deep One herausfinden konnten.

Deep One – Preis und Erscheinungsdatum

Der Deep One soll zur Erscheinung € 299 kosten. Einen konkreten Starttermin gibt es nicht, angepeilt wird aber Juni/Juli 2021. Stefan Sube, Gründer und CEO von deep electronics, hat auch auf eine Version speziell für Gaming und eine mit separaten Bluetooth-Kopfhörern angedeutet, diese seien aber noch „Zukunftsmusik“.

Wir behalten es im Auge und aktualisieren diese Seite, wenn es Neues gibt.

Deep One – Design

Auch das Design ist nicht neu: JBL, Bose* und Sony* hatten bereits mit Nackenlautsprechern experimentiert, dabei handelte es sich aber um vollwertige Lautsprechersysteme. Keins davon war besonders erfolgreich.

Der Deep One ist geformt wie ein in sich leicht verdrehtes Hufeisen. Zwei der vier Halbkugeln, die die Vibration übertragen, befinden sich an den Spitzen und liegen auf der Brust knapp unter dem Schlüsselbein auf. Die anderen beiden liegen im Nacken links und rechts von der Wirbelsäule.

Laut Webseite soll der Deep One in drei Farbakzenten erscheinen: Rot, Silber und Kupfer. Die Hauptfarben sind in jedem Fall Schwarz und Grau.

Die Vorführeinheit war noch komplett kabelgebunden und hatte ein externes Modul zur Lautstärkeregelung und für Frequenz-Cut-Off. Das finale Produkt hingegen soll komplett kabellos mit Bluetooth 5.0 laufen und die grundlegenden Einstellungen direkt am Gerät vorgenommen werden können.

Deep One – Spezifikationen

Der Deep One wiegt ca. 350 Gramm. Was zunächst nach relativ viel Gewicht klingt, ist einerseits der Tatsache geschuldet, dass die Vibrationen so besser übertragen werden. Andererseits fällt es auch kaum auf – und spätestens, wenn der Deep One anfängt zu arbeiten, würde der Gesamteindruck etwaiges Unbehagen überdecken, wenn es welches gäbe.

Die endgültige Version wird über Bluetooth 5.0, NFC und Fast Charging per USB-C verfügen, die Akkulaufzeit soll ca. 6 Stunden betragen.

Der Deep One kommt mit einer Art Splitter, der am Audio-Ausgang des Ausgabegeräts angeschlossen wird, die tiefen Frequenzen abzwackt und per Bluetooth an den Subwoofer überträgt. Wie das in der Praxis aussehen wird, werden wir wahrscheinlich später erfahren.

Welche Frequenzen tatsächlich übertragen werden, lässt sich direkt am Gerät einstellen – ob der Cut-Off bereits bei 80 Hz erfolgen soll, oder erst bei 150 Hz. Das soll besonders für Hörgeschädigte interessant sein, weil sie dadurch ein besseres Feedback bekommen sollen.

Zu guter Letzt wird im Deep One ein DSP von Analog Devices verbaut, denk dessen Desktop-Software die Funktionsweise des Deep One bis ins letzte Detail anpassen lässt.

Deep One Wearable Subwoofer

(Image credit: Georg Witt)

Deep One – Ersteindruck

Auf der ifa 2020 gab es drei Testszenarios: Musik, Gaming, Film – auch wenn Gaming weit gestreckt ist: Es gab lediglich den Trailer zu „Middle Earth: Shadow of War“ zu sehen. Während der Deep One vor sich hin vibrierte, lieferte ein Paar Sony-Kopfhörer den eigentlichen Sound.

Auf musikalischer Seite gab es nur einen EDM-Track von Kontor Records zu hören. Tiefe, durchgehende Synth-Lines waren hier nicht unbedingt das Highlight: die beiden Kontaktpunkte vibrierten auf der Brust wie zwei untermotorisierte elektrische Zahnbürsten. Spannend wurde es, als die Bass Kicks im Nacken einsetzten und die Vibrationskulisse erweiterten und anfingen, impulsartig den Nacken zu massieren. Perfekter Übergang für einen guten Wow-Effekt. Ein bisschen mehr Musikauswahl wäre schön gewesen, aber für den ersten Eindruck völlig ausreichend.

Beim Spieltrailer und bei den Filmausschnitten (Star Trek, Oblivion) war die Sache von vornherein ganz anders: Durch das breitere Spektrum tiefer Frequenzen kam das sensorische Erlebnis wesentlich besser zur Geltung und hat die Gesamterfahrung deutlich verbessert. Die Vibrationen wurden gleichmäßig über die gesamte Fläche verteilt und erweckten echtes Kino-Feeling – besonders zusammen mit den Kopfhörern.

Wie sich das Ganze mit Lautsprechern anfühlt, konnten wir nicht testen, aber wir vermuten, dass das beste Ergebnis in Kombination mit Kopfhörern erreicht wird.

Deep One – Fazit

Der Deep One wird zwar als tragbarer Subwoofer vermarktet, aber basierend auf unserem Ersteindruck würden wir ihn weniger als Ersatz für Teile eines Audiosystems betrachten, sondern eher als Ergänzung.

Einzelne, langanhaltende Bassfrequenzen wirken ein bisschen langweilig, aber bei einer komplexeren Soundkulisse wie bei Filmen oder Videospielen entfaltet der Deep One sein Potenzial. Wer ein Heimkinosystem besitzt, sollte das Gerät definitiv im Auge behalten, aber selbst mit Laptop und Kopfhörern verbessert der „wearable Subwoofer“ das Erlebnis ungemein. Wir sind gespannt, wie sich das finale Produkt mit Bluetooth und Akku macht.