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Creative Live! Cam Sync 1080p V2

Günstige FHD-Webcam mit ein paar Schwächen

creative live cam sync v2
(Image: © Future)

Unser Fazit

Die Creative Live! Cam 1080p V2 setzt keine neuen Maßstäbe, ist aber gut verarbeitet und hat nette optionale Funktionen. Selbst bei spärlicher Beleuchtung erzeugt sie ein klares Bild, hat aber mit mäßigem bis starkem Bildrauschen zu kämpfen.

Vorteile

  • Hervorragende Helligkeitsanpassung
  • Gute Verarbeitung
  • Software mit nützlichen Zusatzfunktionen

Nachteile

  • Körniges Bild
  • Kein Autofokus
  • Halterung nicht ganz durchdacht

Kurz vor dem zweijährigen Jubiläum der Covid-19-Pandemie sollte „Homeoffice“ jedem ein Begriff sein. Auch wenn das Arbeiten von zu Hause aus sich zwar noch nicht ganz etabliert hat, ist es mittlerweile weitläufig als gängige Option anerkannt. Da Meetings, aber auch Unterricht und Vorlesungen vermehrt in den digitalen Raum verlagert werden, sind Webcams kaum mehr wegzudenken.

Der ursprünglich auf Audiozubehör spezialisierte Hersteller Creative – manche werden sich noch an die legendären Creative Sound Blaster-Soundkarten erinnern – brachte Ende Juli die zweite Generation seiner Creative Live! Cam 1080p auf den Markt.

Die (mittlerweile) günstige Webcam glänzt durch solide Verarbeitung und überraschend guter Helligkeit auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Bildqualität hingegen ist nicht die beste, was in dieser Preisklasse allerdings keine Seltenheit ist.

Wer eine günstige Webcam für seinen Desktop-PC zu Hause oder eine bessere Webcam als die im Firmenlaptop integrierte benötigt, um sich ab und zu in Videokonferenzen einzuwählen, macht hier prinzipiell nicht viel falsch. Nur für die YouTube-Karriere wird damit nicht ganz so schnell steil gehen.

Was die Creative Live! Cam 1080p V2 auszeichnet und was nicht, erfährst du in unserem Testbericht.

Preis und Verfügbarkeit

Die Creative Live! Cam Sync 1080p V2 ist für 59,90 Euro auf den Markt gekommen, was gemessen an ihrer Leistung unserer Meinung nach etwas hoch angesetzt war. Mittlerweile ist sie allerdings für 40 Euro direkt bei Creative oder bei Alternate zu haben, was wiederum durchaus vertretbar ist.

Preislich bewegt sie sich daher im unteren Bereich, was für eine 1080p-Webcam nicht allzu schlecht ist. Die Trust Taxon QHD Webcam, die ein besseres Bild bei höherer Auflösung bietet, ist mit über 60 Euro schon wesentlich teurer und rechtfertigt durchaus die Überlegung, ob 20 Euro mehr es wert sind.

creative live cam sync v2

(Image credit: Future)

Design

Webcam-Eigenschaften

Das sind die technischen Eigenschaften der Creative Live! Cam Sync 1080p V2:

Maße: 93 × 58 × 60 mm (L × B × H)
Gewicht: 100 g (mit Kabel)
Schnittstelle: USB-A 2.0
Videoauflösung: 720p/1080p bei 30 FPS
Bildauflösung: 1920 × 1080
Sichtfeld: 77°
Fokus: 60 cm für optimalen Fokus
Mikrofon: 2, integriert
Montage: Clip-Halterung oder Stativ (¼-Zoll-Gewinde)
Kabellänge: 1,80 m

Wie die meisten Webcams auf dem Markt ist die Creative Live! Cam 1080p V2 von vorne betrachtet ein längliches schwarzes Rechteck und besteht, abgesehen vom glänzenden Rand, aus demselben matt-schwarzen Kunststoff. In der Mitte sitz in einer metallisch-gräulichen Fassung ein violett schimmerndes Objektiv, flankiert von zwei länglichen Gittern, hinter denen sich das Mikrofon-Array und die Kontroll-LED befinden.

Am unteren Rand der Fassung befindet sich das Scharnier für die Objektivabdeckung, das nach Bedarf hoch oder runtergeklappt werden kann. Uns erinnert es in seiner Art ein wenig an die Gummikappen von wasserdichten Bluetooth-Lautsprechern, die Anschlüsse vor Wasser schützen sollen. Im Gegensatz zu diesen gleitet die Abdeckung hier jedoch mühelos in die Öffnung herein und wieder heraus. Wie bei anderen Webcams deaktiviert die Abdeckung jedoch nicht die beiden Mikrofone.

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(Image credit: Future)

Auf der Rückseite ragt das 1,8 Meter lange, recht steife Kabel heraus und ist bombenfest im Gehäuse befestigt, was bei Elektronik dieser Preisklasse nicht unbedingt selbstverständlich ist. Allerdings ist beim Kabel verlegen Vorsicht geboten, denn wenn es nicht sauber herunterhängt, reicht der kleine Widerstand aus, damit die Webcam nicht bündig mit dem Monitor sitzt, sondern an einer Ecke absteht.

Die Seiten der Creative Live! Cam 1080p V2 sind nach hinten hin viertelkreisförmig ausgeschnitten, was wir nach kurzem Überlegen für einen brillanten ergonomischen Kniff halten, denn zum Justieren der Kamera legen sich die Finger perfekt in die Kuhle, egal ob auf der linken oder der rechten Seite.

creative live cam sync v2

(Image credit: Future)

Die Kamera selbst ist mit einem Kugelscharnier an der Halterung befestigt, sodass sie sich in alle Richtungen um ca. 30 Grad neigen lässt und frei im Kreis rotiert werden kann, sofern man es will und solange das Kabel es zulässt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Webcams hat sich Creative für eine Halterung bestehend aus zwei statt drei Teilen und einem statt zwei Scharnieren entschieden. Diese ist am Ende und auf der Innenseite gummiert, hält aber besonders auf dickeren Monitoren nicht so gut wie dreiteilige Varianten.

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(Image credit: Future)

Besonders der Gummi auf der Innenseite der Lippe ist nichts geringer als eine Fehlkonstruktion, da der Kunststoffrahmen um ihn herum höher ist als der Gummi selbst und er nicht mit der Oberfläche des Monitors in Berührung kommt. Dadurch rutscht die Webcam praktisch ohne Reibung entlang der Oberkante, was besonders in Kombination mit dem recht steifen Kugelscharnier zur Folge hat, dass die Kamera beim Justieren immer festgehalten werden muss und selbst dann gerne mal verrutscht.

Die Konstruktion ist außerdem nicht ideal zur Verwendung auf einem Tisch oder einer anderen Oberfläche, da keine der anderen Flächen der Halterung gummiert ist. Immerhin verfügt die Live! Cam Sync über ein Stativgewinde, mit dem sie (logischerweise) auf Stativen montiert werden kann.

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(Image credit: Future)

Performance

Immerhin bietet Creative eine optionale Software, in der sich die ein oder andere Einstellung vornehmen lässt. Neben der Links-Rechts-Balance ist hier am interessantesten das NoiseClean-out, das manuell oder automatisch dauerhafte Hintergrundgeräusche einigermaßen zuverlässig reduziert.

Das Bild der Creative Live! Cam Sync 1080p V2 ist leider höchstens brauchbar. Auch wenn der Sensor in 1080p aufnimmt, sind die Bilder von Fotoqualität ziemlich weit entfernt. Kontraste sind gut, Belichtung auch, aber über dem ganzen Bild liegt ein recht grobes Rauschen.

Kanten verschwimmen sehr schnell: Bereits beim Buchtitel im Vordergrund hebt sich die Schrift an den Rändern nicht mehr so klar vom blauen Hintergrund ab wie sie sollte und bei den kleinen Logos fehlen sämtliche Details. Im Regal sind die Buchrücken gar nicht mehr lesbar und selbst die Punkte auf den Sofakissen sind viel zu weich.

Der Wermutstropfen ist, dass dieser Detailmangel in Gesichtern Kratzer, Falten und unordentliche Bärte gewissermaßen glattbügelt, was durchaus gewollt sein könnte, solange man keine Makeup-Tutorials für YouTube aufnehmen will.

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(Image credit: Future)
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(Image credit: Future)

Sehr positiv überrascht sind wir von der Helligkeit der Bilder. Im dritten Beispielbild wird unser Büro indirekt von einer einzigen warmweißen Birne ausgeleuchtet, doch das Ergebnis selbst unterscheidet sich von den anderen beiden Bildern bei Tageslicht, mit und ohne Sonnenblende, nur marginal. Lediglich das Rauschen wird noch stärker und Farben werden nicht mehr so satt dargestellt, sodass es fast wie ein Sepia-Filter wirkt.

Was der Creative Live! Cam Sync 1080p V2 gänzlich fehlt, ist ein Autofokus – zumindest haben wir es in unseren Tests nicht geschafft, etwas spezifisch zu fokussieren. Creative selbst sagt, dass Objekte in 60 cm Entfernung am besten aussehen, was wir vorsichtig bestätigen wollen.

Wir wollen jedoch anmerken, dass die Bildqualität immer noch deutlich besser ist als die der meisten Laptop-Webcams, die wir im vergangenen Jahr getestet haben. Wenn das er Maßstab ist, dann ist die Creative Live! Cam natürlich völlig ausreichend.

Videos nimmt die Live! Cam mit 30 Bildern pro Sekunde auf, was für eine Webcam in diesem Preissegment auch ganz normal ist. Soll sie abgesehen von Videokonferenzen auch für Streaming oder YouTube-Videos herhalten, würden wir eine Webcam empfehlen, die mit 60 Bildern pro Sekunde aufnimmt.

Mit dem Klang der Mikrofon-Arrays verhält es sich ähnlich. Für Meetings reicht es, aber besonders viel sollte man nicht erwarten. Stimmen nehmen die Mikrofone weitestgehend klar auf, allerdings ist immer ein leichter Hall zu hören. Mit einem günstigen Clip-Mikrofon konnten wir bessere Ergebnisse erzielen, aber das vergrößert natürlich den Kabelsalat und die Menge an Zubehör, die griffbereit sein muss.

Eugen Wegmann ist Online-Redakteur für PurpleClouds Deutschland GmbH / TechRadar Region DACH und zuständig für Gaming und Computer-Hardware.