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Die Krise als Chance: 5 Gründe, warum E-Commerce-Unternehmer jetzt durchstarten können

(Image credit: Bild von athree23 auf Pixabay)

Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie vollständig verstehen. Was die wirtschaftlichen Konsequenzen angeht, lehrt uns die Geschichte jedoch zwei Dinge. Erstens: Es gibt genügend Beispiele von Unternehmen, die sich trotz einer Rezession positiv entwickelt haben. Zweitens: Eine angespannte Wirtschaftslage führt nicht nur zu vorübergehenden Veränderungen wie einer kurzfristigen Verschiebung der Nachfrage, sondern sorgt für nachhaltigen Wandel. So wird der SARS-Ausbruch in China im Jahr 2003 häufig als Auslöser für den dortigen E-Commerce-Boom angeführt, der Alibaba und anderen digitalen Giganten den Weg zum Durchbruch geebnet hat.

Für derart positive Prognosen mag es noch sehr früh sein, schließlich befinden wir uns gerade erst am Anfang der Rezession. Allerdings ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, die Krise aus unternehmerischer Sicht zu bewerten und aus realen Trends beim Konsumentenverhalten Wachstumspotenziale abzuleiten. Große Chancen ergeben sich hier vor allem für den Onlinehandel - welche genau das sind, erfährst du im Folgenden.

1. Starkes E-Commerce-Wachstum

Analysten gehen davon aus, dass die E-Commerce-Umsätze im Einzelhandel in Deutschland in diesem Jahr um 16 Prozent steigen und sich damit auf insgesamt 82 Milliarden Euro belaufen werden. Das entspricht einem Plus von 11 Milliarden Euro im Vergleich zu 2019. Beim Verkauf über mobile Endgeräte ist für 2020 sogar ein Wachstum von 20 Prozent auf 34 Milliarden Euro zu erwarten [1].

Die Ursachen für den positiven Trend liegen auf der Hand: Der stationäre Handel leidet weiterhin unter Einschränkungen, die Vorboten der zweiten Infektionswelle lassen so schnell nicht auf Besserung hoffen. Nutznießer ist der Onlinehandel sowie der starke Zuwachs an Käufern aus älteren Zielgruppen ein Indiz dafür, dass wir es nicht nur mit einer kurzfristigen Entwicklung zu tun haben. Vielmehr ist eine nachhaltige E-Commerce-Durchdringung des deutschen Marktes wahrscheinlich.

2. Dramatischer Rückgang des stationären Handels

Ein scharfer Blick auf die Situation des Handels vor Ort unterstreicht die großflächige Verschiebung hin zum E-Commerce. So ist laut einer Analyse von Green Street zu erwarten, dass bis Ende 2021 jedes zweite Geschäft in amerikanischen Einkaufszentren schließen wird [2].

Ein Bummel durch die Innenstadt oder ein Ausflug ins Einkaufszentrum könnte bald Seltenheitswert haben.

Ein Bummel durch die Innenstadt oder ein Ausflug ins Einkaufszentrum könnte bald Seltenheitswert haben. (Image credit: Bild von Preis King auf Pixabay)

Und auch in Deutschland sind Einzelhändler alles andere als guter Dinge: In Köln etwa blicken fast 80 Prozent der Ladenbetreiber pessimistisch in die Zukunft und rechnen mit einer Insolvenzwelle im Einzelhandel als Folge der Corona-Krise [3]. 

Sollten diese Prognosen wahr werden, wird sich das Erscheinungsbild der Innenstädte drastisch verändern. Ein Bummel durch die Innenstadt oder ein Ausflug ins Einkaufszentrum - was bislang eine Selbstverständlichkeit war, könnte bald Seltenheitswert haben. Zumal sich auch immer mehr Arbeitsplätze vom Büro an den heimischen Küchentisch verlagern - und potenzielle Käufer damit weniger unterwegs sein und vermutlich noch mehr Einkäufe per Mausklick tätigen werden.

3. Wachsende Vertriebsmöglichkeit für Onlinehändler

Bereits 2004 beschrieb Chris Anderson in seinem Buch The Long Tail wie und warum Händler auch in sehr kleinen Nischen Geld verdienen können und wie Google diesen Umstand nutzt, um mit genau diesen Unternehmern Geld zu verdienen. 16 Jahre später kann man diese Konstellation als Blaupause für die derzeitigen Entwicklungen rund um Facebook und Instagram einordnen. Auf Facebook tummeln sich bereits neun Millionen Werbetreibende -  und der Launch von Facebook Shops ist ein Indikator dafür, dass dieser Bereich wachsen soll. 

Neben den eigenen Wachstumsbestrebungen tut Facebook tatsächlich einiges, um kleine Händler zu unterstützen. Der einfache Zugang zum Shop-Feature, das zahlreiche neue Funktionen wie  Live-Shopping sowie die Integration von Messenger-Diensten für einen möglichst direkten Draht zum Käufer ermöglicht, ist nur ein Beispiel dafür, wie Facebook den Onlinehandel für Unternehmen jeder Größe zugänglich machen möchte.

4. Ausgereifte Technologie-Lösungen

Neue Technologien haben schon immer jenen neue Geschäftsmodelle ermöglicht, die mutig sind und Chancen erkennen. Eine dieser großen Chancen liegt derzeit im Direct-to-Consumer-Markt, der sich bereits seit einigen Jahren positiv entwickelt. Für das Jahr 2021 erwarten Experten ein weiteres Wachstum von mehr als 19 Prozent - eine Prognose, die aus der Zeit vor COVID-19 stammt, weshalb der tatsächliche Anstieg deutlich höher ausfallen dürfte [4].

Begünstigt wird der D2C-Trend durch die stetige Weiterentwicklung von Technologie-Lösungen die es - neben den Plattform-Lösungen wie Facebook, Amazon oder eBay - kleinen Händlern ermöglichen, unabhängig ihr eigenes Online-Business aufzubauen. Als Paradebeispiel ist hier Shopify zu nennen: Im zweiten Quartal 2020, auf dem bisherigen Höhepunkt der Corona-Pandemie, konnte die Commerce-Plattform ihren Umsatz um sage und schreibe 97 Prozent steigern [5]. Alleine dieser Wert beweist das Potential für kleine und mittelgroße E-Commerce-Player.

5. Fremde Märkte als Glaskugel

Für Europa im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen gilt: Das Zeitalter des Direktvertriebs ist gekommen, ein Zurück gibt es nicht mehr. Dass uns diese Entwicklung bald ereilen würde, konnte man gewissermaßen erahnen - zumindest, wenn man seinen Blick immer mal wieder ins Reich der Mitte richtete.  Denn wie immer, wenn es um Digitales geht, ist uns China mehrere Schritte voraus. In Zeiten von COVID-19 gar im doppelten Sinne, schließlich bekam das Land als erstes weltweit die Folgen der Pandemie zu spüren.  

Insofern gleicht der Blick auf China dem in die Glaskugel, insbesondere, was den Onlinehandel betrifft. So schwang sich TikTok während des großen Lockdowns zum bevorzugten Kanal für Händler auf. Neben Consumer Brands wie Lego oder Dior nutzen auch kleine Unternehmen die Plattform, um Ihre Produkte live per Video zu verkaufen, Echtzeitrabatte zu gewähren und so ihrer Community ein gänzlich neues Einkaufserlebnis zu bieten. Auch hierzulande wird der Hype um TikTok immer stärker, das Potenzial der Plattform hingegen ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Mut wird belohnt!

Klar ist: Die "Super-Digitalisierung", die COVID-19 in Gang gesetzt hat, zwingt jeden Gewerbetreibenden, sich auf die neuen Rahmenbedingungen und Gewohnheiten der Verbraucher einzustellen. Wer den Aspekt "Online" nicht in seiner Zukunftsstrategie berücksichtigt, dessen Geschäftsmodell ist zumindest mittelfristig zum Scheitern verurteilt. 

Gleichzeitig bietet vor allem die steigende Nutzung digitaler Dienste sowie die stark steigenden E-Commerce-Umsätze große Chancen für jene, die den Mut haben, jetzt in den Onlinehandel einzusteigen und sich dort zu beweisen. Amazon, Facebook oder Shopify: Die Tools warten auf dich, sie müssen nur genutzt werden.

Jimmy Jakobsson, CEO und Co-Founder von Ingager

[1] https://www.emarketer.com/content/germany-ecommerce-2020
[2] https://www.cnbc.com/2020/04/29/50percent-of-all-these-malls-forecast-to-close-by-2021-green-street-advisors-says.html
[3] https://www.dw.com/en/coronavirus-hurts-germany-city-center-economies/a-53821748
[4] https://www.goodrebels.com/the-rise-of-direct-to-consumer/
[5] https://t3n.de/news/shopify-verdoppelt-seinen-umsatz-1305236/