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Führung während und nach der Krise

(Image credit: Shutterstock / GoodStudio)

In Zeiten der Pandemie, in der viele von Zuhause aus arbeiten, werden Führungsqualitäten der Abteilungs- und Unternehmensleiter auf eine bisher unvorstellbare Weise getestet. Dabei gibt es kein Handbuch für den richtigen Umgang mit einem globalen Gesundheitsnotfall wie diesem und kein Skript, das Führungskräften den richtigen Umgang mit Teammitgliedern, Kunden und Stakeholdern in Unternehmen nahelegt.

Dabei geht es momentan nicht nur darum, wie belastbar Organisationen sind und wie schnell sie sich an Auflagen, Sperren oder Reisebeschränkungen anpassen können. Vielmehr stellt die aktuelle Situation eine Herausforderung für die gesamte Unternehmenskultur dar. 

Für die Führungsriege bedeutet das, dass sie sowohl entschlossen auftreten, aber auch Empathie und Verständnis zeigen müssen – selbst bei schwierigen Entscheidungen.

Effektiv managen

Eine wichtige Aufgabe von Führungskräften ist es, stets den Überblick über Prozesse und den aktuellen Status zu behalten. Das gilt sowohl für Arbeit an sich, aber auch für die Mitarbeiter. Sie müssen Ergebnisse überprüfen, Feedback geben und effektiv Arbeit und Teams managen. Das Engagement von Führungskräften ist mit Mitarbeitern, die von überall aus arbeiten und sich nicht alle an einem physischen Ort wie einem Büro befinden, wichtiger denn je. 

Allerdings gibt es nur begrenzte Möglichkeiten, ein Team auf gewohnte Weise remote zu leiten. Wichtig ist vor allem ein reger Austausch und kontinuierliche Kommunikation mit dem Team. Führungskräfte sollten die Verantwortung für das Management ihrer Mitarbeiter übernehmen, Informationen aufmerksam bewerten und gezielt Anleitung geben.

Führungskräfte sollten für sich selbst stets die folgenden Fragen beantworten, um Arbeit effektiv verwalten zu können, unabhängig davon, wo oder wie sie ausgeführt wird:

  • Wer arbeitet an was?
  • Arbeiten die Mitarbeiter an den Projekten mit der höchsten Priorität?
  • Haben die Mitarbeiter alle notwendigen Ressourcen und Informationen?
  • Wie läuft die Arbeit?
  • Wird die Arbeit pünktlich erledigt?

Kultur und Kommunikation

Reden und zuhören. Was zunächst einfach klingt, stellt viele Unternehmen vor eine riesige Herausforderung, da Mitarbeiter und Teams nicht mehr im Unternehmen sind, sondern nun über die Stadt, wenn nicht gar das ganze Land, verteilt sind. Da der reale Kontakt wegfällt, ist es umso wichtiger, dass alle Mitarbeiter in Verbindung bleiben. Virtuelle Meetings*, aufgezeichnete Sitzungen, E-Mails oder gar feste Termine für Telefonate stellen Möglichkeiten für den notwendigen Austausch in dieser Ausnahmesituation dar.

Die Akzeptanz und das Annehmen der sogenannten „neuen Realität“ ist eine wichtige Botschaft für das gesamte Team und sollte daher von Führungskräften vermittelt werden. Führungskräfte sollten nie den menschlichen Aspekt der Pandemie vergessen: sie sollten Mitarbeitern die Chance geben, sich mit der neuen Situation in der Familie zurechtzufinden und sie unterstützen. Denn für einige sieht die neue Normalität so aus, dass zwei berufstätige Erwachsene zu Hause abwechselnd um die Internetbandbreite konkurrieren, während die Kinder betreut werden müssen. Was auch immer die neue Normalität für jeden Kollegen ist, eines müssen alle von ihren Vorgesetzten beachten: gerade jetzt gehen Familie und Wohlbefinden vor.

Transparenz

Es ist wichtig, dass Führungskräfte an ihre Mitarbeiter glauben – aber auch andersrum. Allerdings ist dies für Mitarbeiter schwer, wenn sie Entscheidungsfindungen mit direkten Konsequenzen für die eigene Arbeitsweise nicht nachvollziehen können. Führungskräfte sollten daher ihre Entscheidungen transparent offenlegen. Denn so können Mitarbeiter Beschlüsse stets nachvollziehen und somit Vertrauen zu den Führungskräften aufbauen. Gerade jetzt während der Pandemie ist es von Bedeutung, dass sich die Mitarbeiter nicht ausgeschlossen fühlen und das gesamte Unternehmen an einem Strang zieht, um nicht nur zukunftsfähig zu sein, sondern die derzeitige Gegenwart zu meistern. Haben alle Teams den gleichen Zugriff auf die Informationen und Ressourcen, die sie benötigen, können sie sich auf die wichtigsten strategischen Ziele des Unternehmens konzentrieren.

Reflexion und Learnings

Die Freude auf einen normalen Arbeitsalltag nach der Krise ist bei den meisten Mitarbeitern groß. Allerdings sollten Führungskräfte sich die Zeit nehmen, um die veränderte Arbeitsweise zu reflektieren. Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass man nicht einfach so zum vorherigen Stand zurückkehren kann. Denn an vieles, was aus der Not heraus implementiert beziehungsweise improvisiert wurde, würde vielleicht gerne seitens der Mitarbeiter aufgrund von unterschiedlichen Vorteilen beibehalten werden. Dabei muss das allerdings an das Setting im Unternehmen angepasst werden. Oder wie Clint Eastwood es im Film Heartbreak Ridge ausgedrückt hat: Improvise, adapt and overcome.

Sind alle Mitarbeiter ins Unternehmen zurückgekehrt, sollte daher auf Augenhöhe besprochen werden, welche Erkenntnisse sich aus der veränderten Arbeitssituation ziehen lassen. Was hat gut funktioniert und was nicht? Daraus lassen sich womöglich viele Verhaltensweisen ableiten, die sogar fest in den „wieder normalen“ Arbeitstag adaptiert werden können, um dauerhaft davon zu profitieren.

Die aktuellen Umstände stellen leitende Angestellte und ihre Führungsqualitäten auf eine harte Probe. Um die Corona-Krise zu meistern, müssen Führungskräfte daher über sich hinauswachsen. Sie sollten ihr Team so leiten, wie sie selbst geleitet werden wollen würden.

Alex Shootman, CEO und Günter Sandmann, Head of Central Europe, Benelux and Nordics bei Workfront