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Kauf dir keine externe Grafikkarte – baue dir einen PC oder besorg dir einen Gaming-Laptop! Ja, im Ernst!

Razer Blade Stealth
Der Razer Blade Stealth ist hübsch, aber nicht besonders großartig beim Spielen (Image credit: Razer )

Es gibt immer dünnere und leichtere Laptops und Ultrabooks, die sowohl als Gaming-Laptop als auch als professionelle Arbeitsgeräte vermarktet werden. Sie versprechen, dass man externe Grafikkarten zur Leistungssteigerung anbringen kann, wenn du Zuhause Power brauchst.

Die Verkaufsargumente sind folgende: Du kannst ein dünnes und leichtes Ultrabook - wie das Lenovo Yoga C940*, welches wir für den Test nutzten - besitzen und eine EGPU über Thunderbolt 3 anschließen. So hast du auch im Homeoffice ein Profigerät und in deiner Freizeit einen leistungsstarken Partner zum Zocken. Die Idee ist, dass du die Leistung einer vollständigen Desktop-Grafikkarte wie einer Nvidia GeForce RTX 2080* in Anwendungen wie Adobe Premiere oder in Spielen nutzen kannst, ohne dich mit einem sperrigen Gaming-Notebook zufrieden geben zu müssen. 

Allerdings funktioniert das nicht ganz so wie gewünscht. Ein externer Grafikprozessor wird zwar sicherlich die Leistung gegenüber der integrierten Grafik steigern, die dir viele Gaming-Notebooks bieten. Aber das reicht im Allgemeinen nicht aus, um die enorm überhöhten Kosten zu rechtfertigen, die eine dieser wuchtigen Boxen zwangsläufig mit sich bringt. 

Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, dies für dich zu testen. Wie viel zusätzliche Leistung kannst du von einem dieser externen Grafikgehäuse erwarten? Und solltest du dich stattdessen für einen vollwertigen Gaming-Laptop* entscheiden, oder nicht?

Razer Core

Außerdem ist es ziemlich mühsam, das Teil zusammenzustellen (Image credit: Future)

Zuerst ein wenig Hintergrund

Der originale Razer Blade Stealth* wurde bereits 2016 zusammen mit der Razer Core V1 eingeführt. Der Laptop wurde als ein dünner und leichter "Gaming-Laptop" vermarktet, obwohl er einen Prozessor der Intel U-Serie mit integrierter Grafik verwendete - für Spiele nicht besonders toll.

Stattdessen drängte Razer die User, die Razer Core V1 neben dem Razer Blade Stealth zu nehmen, um die Spieleleistung zu Hause zu erhöhen. 

Dieses externe Grafikkarten-Gehäuse würde über Thunderbolt 3 - der immer noch die einzige Verbindung mit ausreichender Verarbeitungsmenge ist, um externe Grafikkarten zu betreiben - mit dem Laptop verbunden und darauf angewiesen sein, dass der Benutzer die Grafikkarte seiner Wahl einschiebt. Es ist so ziemlich egal, welche Grafikkarte er einsteckt, er würde eine viel bessere Spieleleistung erhalten. 

Aber hier ist das Problem. Besonders wenn man die Hochleistungsgrafik in Betracht zieht, kann eine externe Grafikkarte nur eine bestimmte Menge an Leistung erbringen. Wenn du eine der besten Grafikkarten* an eine Hauptplatine anschließt, kannst du normalerweise die vollen 16 PCIe-Lanes für die GPU nutzen - Thunderbolt 3 ist (bei aller Magie!) auf nur zwei beschränkt. 

Auf Anhieb steht also viel weniger Bandbreite zur Verfügung, die der Grafikprozessor nutzen kann. Aber man muss dann auch berücksichtigen, dass der Prozessor bedeutend langsamer ist als ein Desktop-Chip. Als wir den Laptop unserer Wahl (das Lenovo Yoga C940* testeten, fanden wir beispielsweise heraus, dass der Prozessor im Cinebench R15 605 Punkte erzielen konnte, im Vergleich zu den 1.463 Punkten, die der Intel Core i7-9700K* erzielte. Das bedeutet, dass der Prozessor nicht schnell genug ist, um mit der Grafikkarte Schritt zu halten, insbesondere in Situationen, die beide Komponenten beanspruchen.

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(Image credit: Infogram; Future)
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(Image credit: Infogram; Future)

Sprechen wir über die Leistung

Mit diesen Spezifikationen testeten wir:

Dies ist das Desktop-System, das wir zum Vergleich verwendet haben:
CPU:
AMD Ryzen 9 3900X (12-Core, bis zu 4,6 GHz)
CPU Cooler: NZXT Kraken X62
RAM: 32 GB HyperX Predator RGB @ 3.000 MHz
GPU: Nvidia GeForce RTX 2080
Motherboard: X570 Aorus Master
SSD: Samsung 860 QVO 1TB
Power Supply: Phanteks Revolt X 1200
Case: Praxis Wetbench

Um die Leistung einer Nvidia GeForce RTX 2080 auf einer EGPU zu testen, haben wir sie mit einem Lenovo Yoga C940 mit einem Intel Core i7-1065G7, 12 GB RAM und einer 512 GB NVMe-SSD gepaart.

Wir testeten dies gegen ein Notebook ohne EGPU, ein Alienware m15 R2* mit einem Intel Core i7-9750H, einer Nvidia GeForce RTX 2080 und 16 GB RAM. Schließlich ließen wir diese gegen ein Vergleichsgerät antreten, welches einen AMD Ryzen 9 3900X, 32 GB RAM und die gleiche Nvidia GeForce RTX 2080 beinhaltete, die in der externen GPU-Box getestet wurde.

Und wenn wir uns nur die synthetischen Benchmarks durch 3DMark ansehen, sieht es für den externen Grafikprozessor ziemlich gut aus. In Time Spy zum Beispiel steigt der Lenovo Yoga C940 von 885 Punkten auf 7.629 Punkte, wenn er an die Grafikkarte angeschlossen ist. Auch im Hardcore-Grafikgerät Firestrike Ultra ermöglicht die EGPU dem Yoga eine Steigerung auf 5.990 von 650 Punkten, die es allein erreicht. 

Selbst im Vergleich zum Alienware m15 sieht das Yoga mit einer EGPU recht gut aus. In Time Spy erreicht der Alienware 7.446 Punkte im Vergleich zu den 7.629 Punkten der EGPU. Das ist ein kleiner Unterschied, aber er bedeutet, dass die stärkere Grafikkarte tatsächlich stärker ist.

Wenn man sich jedoch ansieht, was die Grafikkarte leisten kann, wenn sie an einen PC angeschlossen ist, der sie voll ausnutzen kann, gibt es keinen Vergleich. An unseren Prüfstand angeschlossen, erreicht die RTX 2080 10.970 Punkte in Time Spy, was ganze 31 % schneller ist. Wenn du also in eine High-End-Grafikkarte für eine dieser externen Grafikboxen investierst, solltest du wissen, dass du wahrscheinlich nicht das volle Potenzial dieses Grafikprozessors sehen wirst.

Alles fällt jedoch irgendwie auseinander, wenn wir uns die tatsächliche Gaming-Leistung ansehen. Wir haben diese Einrichtung in Metro Exodus getestet, was zugegebenermaßen selbst für die besten Gaming-Notebooks eine große Herausforderung darstellt. Während das Lenovo Yoga C940 jedoch von 6 auf 23 Bilder pro Sekunde steigt, wenn es an die EGPU angeschlossen wird, ist das Alienware m15 mit 44 Bildern pro Sekunde fast doppelt so schnell. Dann gibt es noch unser Vergleichsgerät, das auf bis zu 63 fps kommt. 

Das liegt ausschließlich daran, dass der Prozessor in diesem Laptop einfach nicht für High-End-Spiele geeignet ist. Wenn du ein Notebook mit einer externen Lösung für eine bessere Grafik möchtest, solltest du bedenken, dass die Realität nicht ganz so rosig ist, wie es scheinen mag. 

Siehst du, du könntest auch einfach einen Desktop nutzen.

Siehst du, du könntest auch einfach einen Desktop nutzen. (Image credit: Blackmagic)

Sollte ich eine EGPU kaufen?

Eines ist durch unsere Tests, insbesondere bei den synthetischen Benchmarks, mehr als deutlich geworden: Du erhältst mit Sicherheit eine viel höhere Leistung. Wenn du als Entwickler viel umherreist und ein superdünnes und leichtes Notebook benötigst, dass du für Besprechungen mitnehmen und es dann an eine EGPU anschließen möchtest, um die harte Arbeit Zuhause am eigenen Schreibtisch zu erledigen; dann ist dies für dich eine wirklich großartige Lösung.

Wenn du jedoch die besten PC-Games* spielen willst, ist es einfach keine großartige Lösung. Das Lenovo Yoga C940, das Razer Core X und eine Nvidia GeForce RTX 2080 kosten zusammen etwa 2300 €, während das Alienware m15 etwas weniger kostet, nämlich 2200 €. Und du erhältst damit fast die doppelte Leistung in aktuellen Spielen.

Und wenn du zu Hause spielen und einen dünnen und leichten Laptop mit dir herumtragen willst, gibt es eine einfache Lösung: Nimm eines der besten Chromebooks, Punkt. Du kannst einen PC bauen, der dieses Setup für fast die Hälfte des Preises übertrifft, und den Rest für einen netten kleinen tragbaren Laptop ausgeben, der dir kein Loch in die Geldbörse reißt. Das ist die Lösung, die wir auch zu Hause verwenden, und wir empfehlen sie von ganzem Herzen für aufstrebende PC-Spieler da draußen. Let the games begin!

Kaufe dir um Himmels willen bloß keinen trendigen Gaming-Laptop, der eigentlich keine Spiele spielen kann - die Leistungszahlen sind einfach nicht da.

* Links englischsprachig